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Alpen
Die gute Stube beherbergt Dorfgeschichte

Alpen: Die gute Stube beherbergt Dorfgeschichte
Veener Heimatfreunde (von links): Willi Jansen, Heinz van Meegeren, Jürgen Zänker und Anton Gietmann mit einem historischen Gerät FOTO: Armin Fischer
Alpen. Haus der Veener Geschichte zeigt, wie sich bäuerlicher Alltag und Handwerk zwischen 1880 und 1950 entwickelt hat. Von Peter Gottschlich

"Was ist das?" Diese Frage bekommen Besucher im aufgeräumten Haus der Veener Geschichte bei Führungen häufig gestellt - zum Beispiel, wenn die Museumsführer ein kleines Eisengestell zeigen. Schon in der Fernsehsendung "NRW-Duell" hatte Moderator Bernd Stelter seinen Kandidaten diese Frage gestellt, als er das Eisengestell aus Veen in einer seiner Sendungen präsentiert hat.

Um die Sache etwas leichter zu machen, gab der Moderator drei mögliche Antworten vor. Entweder sei es ein Gestell, in das früher freche Kinder kamen. Oder es sei eine Vorrichtung, in dem einstmals junge Ferkel befestigt wurden, um sie zu kastrieren. Oder es sei vor vielen Jahren ein eiserner Schlitten für kleine Kinder gewesen. Wie der Moderator die Fernsehzuschauer beim NRW-Duell zunächst raten ließ, lassen die Museumsführer auch die Besucher raten. "Es ist ein Gestell, um Ferkel zu kastrieren", lüften sie irgendwann das Geheimnis.

Anders als in der Fernsehsendung können die Besucher dieses Gestell berühren. Das ist im Haus der Veener Geschichte zwar offiziell nicht erlaubt, jedoch können Besucher bei Führungen einzelne Gegenstände und die damit verbundene Geschichte anfassen und so mit Händen greifen, wenn sie von den Museumsführern die Frage gestellt bekommen: "Welches Exponat ist das?"

Wie das Kastrationsgestell stammen alle Gegenstände im Haus der Veener Geschichte aus dem Krähendorf selbst. Den Grundstock der Sammlung legten in den 80er Jahren Pfarrer Wilhelm van Ooyen und der erste Museumsleiter Heinz Hußmann. Wenn sie Veener Bürger zu Hause besuchten, um beispielsweise zum runden Geburtstag zu gratulieren, stellten sie immer wieder die gleiche Frage: "Haben Sie im Keller oder auf dem Söller noch Sachen, die Sie nicht mehr gebrauchen können?" Und in der tat: Die meisten hatten Dinge, die sie nicht mehr im Gebrauch, oft längst vergessen hatten und verschenkten sie.

"1989 hat sich der Förderverein gegründet, um diese Dinge der Vergangenheit in einem Museum zeigen zu können", blickt Wilhelm Jansen zurück, der von Anfang an dem Förderverein angehört und heute dessen Vorsitzender ist. "1992 haben wir einen Klassenraum in der Veener Grundschule bekommen, wo wir die ersten Dinge ausstellen konnten." Dieser Raum wurde schnell zu klein. Nachdem das Feuerwehrhaus, das neben der Grundschule lag, durch einen Neubau ersetzt worden war, stand es für uns zur Verfügung. Mitglieder des Fördervereins bauten es in dreijähriger ehrenamtlicher Arbeit zum Haus der Veener Geschichte um.

2007 bezog der Förderverein die neuen Räume im Haus der Veener Geschichte. Dazu hatte Dr. Peter Joerrißen vom Landschaftsverband Rheinland eine völlig neu gestaltete Dauerausstellung konzipiert, die sich auf wichtige Themen der Ortsgeschichte konzentriert. Thematisch nach sieben Abteilungen ordnete er die Gegenstände, die exemplarisch zeigen, wie sich bäuerlicher Alltag und Handwerk im Dorf zwischen 1880 und 1950 entwickelten.

Zudem führte er das Heimatmuseum 2007 in eine Kooperation mit dem niederländischen Nationalmuseum für Spargel- und Champignonzucht in Melderslo, das in der Gemeinde Horst in der Nähe von Arcen liegt. Mittlerweile zeigt das Haus der Veener Geschichte auch Filme, zum Beispiel über das alte Veen und den Niederrhein in den 50-er Jahren. Dazu präsentiert es auch Sonderausstellungen - etwa zu Vereinsjubiläen.

Zwischen 1500 und 2000 Besucher kommen jedes Jahr ins Haus der Veener Geschichte. Den größten Zulauf hat es am Internationalen Museumstag, der am 22. Mai gefeiert wird. An dem Sonntag findet auch den Handwerkermarkt statt, der von der Katholischen Frauengemeinschaft (kfd) Veen gestaltet wird.

Quelle: RP
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