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Alpen
Die Hände des Vaters - ein bewegendes Motiv

Alpen. Andrea Dieren zeigt im Marienstift Fotografien, die den Weg in die Demenz dokumentieren. Von Sabine Hannemann

Im Marienstift stellt derzeit Andrea Dieren ihre Fotoarbeiten aus. "Seine Hände", so der Titel der Ausstellung, zeigen auf knapp 20 Arbeiten die Hände ihres Vaters Willy Dieren. "Hände sind für mich besonders, weil man damit kommuniziert, Zuneigung und Ablehnung ausdrückt", sagt die Repelenerin.

"Hände schaffen, sagen, zeigen, helfen und schützen. Sie sind Teil des Menschen und machen seine Persönlichkeit aus. Viele Beziehungen laufen über die Hände ab." So war es ihr Vater Willy Dieren, ein Hobbyfotograf, der ihr im Alter von sieben Jahren die Kamera erklärte, sie bei der Hand nahm und ihr eine neue künstlerische Welt zeigte.

Von ihrem ersten Ersparten kaufte sie einen Fotoapparat. Damals wurden ihre Filme in der väterlichen Dunkelkammer entwickelt. "Er hat für mich die Weichen gestellt", weiß Andrea Dieren heute. Sie ließ sich von der Leidenschaft zu fotografieren anstecken, studierte Kunst und arbeitet heute als Lehrerin. Zu Alpen hat sie eine besondere Beziehung. Ihre ersten Lebensjahre verbrachte sie dort mit der Familie.

Als bei ihrem Vater die Diagnose Demenz feststand, "wollte ich meinen Vater nicht allein lassen, sondern ihn auf dem Weg aus unserer Welt in seine Welt begleiten", sagt Andrea Dieren. Das Marienstift wird letzter Lebensmittelpunkt von Willy Dieren. Zweieinhalb Jahre langbegleitet ihn die Tochter, macht hunderte von Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Seine Hände als verbleibende Kommunikationsmittel zwischen den Welten stehen im Fokus. Über die Kamera hält sie Verbindung, weil Sprache längst nicht mehr ankommt. Andrea Dieren gibt mit ihren Händen zurück, was sie von ihrem Vater bekommen hat und schließt den unsichtbaren Kreis.

Zu sehen sind seine Hände, die sich beim Spaziergang auf dem Rücken falten, einen kleinen Blumentopf halten oder in seinem Schoß ruhen. Müde Hände, die geschafft haben und sich kurz vor dem Tod ausruhen wollen.

Die berührenden Bilder hängen chronologisch. "Schwarz-Weiß-Bilder sind ausdrucksvoll. Farbe lenkt zu sehr vom Inhalt ab. Botschaften lassen sich aufs Wesentliche reduzieren, auf das, was man sagen will", so Andrea Dieren. Manches Motiv vom Rollfilm mutet altmodisch an, doch die Fotografin will der Kunst ihres Vaters folgen, hat Ausschnitte gewählt und traditionell entwickelt. "Mein Vater hatte eine Voigtländer, die sogar noch funktioniert", sagt sie. Noch zwei Monate lang sind die Bilder im Marienstift zu sehen.

Quelle: RP
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