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Alpen
Die neue Schießanlage hat den Test bestanden

Alpen. Das neue Waffengesetz stellte den Junggesellenschützenverein in mehrfacher Hinsicht vor eine Herkules-Aufgabe. Die scheint gelöst. Von Bernfried Paus

Der 38. Vogel aus dem Stall von Tischlermeister Ralph Lenzen ist heil von seinem Jungfernflug in der Schießschlucht am Schmuhlsberg zurück. Er hat die Bolzen, die zur Probe aus der Armbrust auf ihn abgefeuert worden sind, schadlos abgewehrt und scheint gerüstet für den königlichen Wettstreit der Junggesellenschützen. Was aber noch viel wichtiger ist: Der mit extrem hohem Aufwand errichtete neue Schießstand hat seine Generalprobe unter den strengen Augen der Polizei bestanden. Das mündliche Okay ist erteilt. Ob's aber mit der schriftlichen Genehmigung bis Pfingsten was wird, scheint fraglich. "Aber mit der in Aussicht gestellten Tageszulassung für die neue Anlage können wir sehr gut leben", sagt Rolf Bockstegers, Geschäftsführer des Schützenvereins von 1680.

Mit der offiziellen Abnahme hat eine wahre Herkulesaufgabe "nach einer Menge Schweiß und einigen schlaflosen Nächten" ein gutes Ende genommen. Das neue Waffengesetz hatte die gut 30 Jahre alte Anlage aufs Altenteil gesetzt und den Verein in Bedrängnis gebracht. Um die neuen Sicherheitsstandards zu erreichen, brauchte es technische Intelligenz, Beton und Stahl - und jede Menge ehrenamtliche Arbeit.

Nachdem vor einem Jahr König Patrick Votruba gefeiert worden war, nahm das Projekt Schießanlage seinen Lauf. Schlosser Jürgen Willerding und Schießmeister Ralph Lenzen schmiedeten Pläne, konstruierten, bereiteten Bauanträge vor, die der Verein im Herbst auf den Weg brachte. Im Januar kam grünes Licht. Der Bagger von Schütze Franz-Josef "Bello" Bühren, König von 2012, rollte an, um die Fundamente auszuheben: eins für den Fuß der Armbrust-Staffage, eins für den zehn Meter hohen Stahlträger für die Traverse. Der Stammsitz für den Prachtvogel wird nicht mehr von Hand hochgezogen. Nun reicht ein Finger an der Fernbedienung, um ihn zu bewegen.

Nur der eingebaute Fallschutz sorgte für Kopfzerbrechen. Die automatische Bremse tat mehr, als sie sollte. Sie gab den Vogelfang nicht mehr frei. Das Problem forderte den ganzen Techniker. Willerding arbeitete ein ganzes Wochenende an der Lösung.

Der Bolzenfang ist mit beweglichen Hartgummilamellen ausstaffiert, die die Geschosse so abfedern, dass sie energie- und somit gefahrlos ins grüne Fangnetz plumpsen, das unter die Traverse gespannt wird. Die Zeit, in der abgeprallte Bolzen im Wald aufgespürt werden müssen, ist passé. Die 13 Preis-Plättchen um den Vogel herum sind nicht mehr aufgeschraubt, sondern stecken auf Holzstiften.

Auch der Vogel muss amtlich verordnet komplett metallfrei sein. Stifte ersetzen Nägel - ein Produkt echter Handwerkskunst, das zwischen "18 und 19 Uhr" fallen wird, wie Rolf Bockstegers prophezeit. Eine Zwangspause wie 2015, als das Spannseil für die Armbrust riss, sei unwahrscheinlich. Die Waffe ist hydraulisch gespannt. Die Armbrust ist so fixiert, dass jeder Bolzen zumindest die Traverse trifft.

Der Kraftakt Schießanlage habe den Verein noch enger zusammenrücken lassen, so der zweite Geschäftsführer Christoph Ullenboom. 480 Stunden haben die Schützen am Schmuhlsberg gearbeitet. Das Projekt hat die Rücklagen um 25.000 Euro erleichtert. Aber ohne Muskelhypothek und Sponsoren wär's leicht eine sechsstellige Summe geworden. "Diese Auflagen sind für die Brauchtumspflege existenzgefährdend", so Bockstegers. Er will die hiesigen Landtagsabgeordneten ins Rathaus holen, um ihnen vor Augen zu führen, "was solche Gesetze anrichten". Die Debatte will er aber erst in Angriff nehmen, wenn die neue Schießanlage ihre Feuertaufe hinter sich hat und vom stolzen Vogel nicht mehr viel übrig ist.

Quelle: RP
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