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Rheinberg
Die Stadt will Haus Cassel verkaufen

Rheinberg: Die Stadt will Haus Cassel verkaufen
Vom einstigen Glanz des Herrensitzes Haus Cassel in Rheinberg ist nicht mehr viel übriggeblieben. Die Stadt möchte die momentane Zinssituation ausnutzen und es verkaufen. Es gebe Investoren, die Geld anlegen wollen und als Käufer infrage kommen. FOTO: Armin Fischer
Rheinberg. Der denkmalgeschützte Herrensitz verfällt zunehmend. Als Flüchtlingsheim wird das Haus nicht mehr gebraucht. Von Uwe Plien

Man braucht schon etwas Phantasie, um sich vorzustellen, wie das Leben vor rund 150 Jahren in und um Haus Cassel ausgesehen hat. Ganz sicher fürstlich und gediegen. Vom einstigen Glanz des um 1840 errichteten Herrenhauses an der Rheinberger Straße am Ortsausgang Richtung Budberg, in der Nachbarschaft der Feuerwehrzentrale, ist allerdings wenig übriggeblieben. Das gusseiserne Tor ist seit vielen Jahren verriegelt, die Zufahrt zugewuchert, das klassizistisch anmutende Gebäude ist schwer heruntergekommen. Wenn es in den vergangenen Jahren Erwähnung gefunden hat, dann meist in Verbindung mit den Flüchtlingen. Denn die Stadt hat Haus Cassel genutzt, um dort Menschen vorübergehend unterzubringen.

Doch inzwischen gibt es erstens weniger Flüchtlinge und zweitens neu gebaute Wohnanlagen am Melkweg - mithin gibt es für Haus Cassel, wo im 19. Jahrhundert unter anderem der archäologische Ausgräber Alphonse de Fournier gelebt hat, keine Verwendung mehr. Jedenfalls nicht für die Stadt. Die hat das stattliche Haus auf dem knapp 8000 Quadratmeter großen Grundstücke vor vielen Jahren von einer Bank übernommen. Im Herrenhaus befindet sich heute noch das vom Verein Flüchtlingshilfe eingerichtete Café mit Küche. In den Wirtschaftsgebäuden sind Büro und Werkstatt des Hausmeisters und die Fahrradwerkstatt untergebracht.

Nun soll Haus Cassel verkauft werden. Vereinzelte Kaufanfragen haben die Stadt bereits erreicht. Nun sollen Nägel mit Köpfen gemacht werden. Die Verwaltung hat ein Wertgutachten in Auftrag gegeben. Im Bau- und Planungsausschuss stand das Thema auf der Agenda. Grundsätzlich spreche nichts gegen einen Verkauf, führte CDU-Sprecher Josef Devers aus. "Allerdings muss ein solcher Schritt gut überlegt sein, Schnellschüsse bringen nichts", meinte er. "Deshalb wollen wir erst wissen: Was geht da? Hotel? Gewerbe? Wohnen?" Die Verwaltung solle erst eine Ausschreibung vorbereiten, so die CDU.

Jürgen Bartsch (Grüne) sah das nicht so eng: "Das Gebäude steht unter Denkmalschutz, verfällt aber zunehmend. Wenn wir es verkaufen, haben wir die Hand drauf." Hans-Peter Götzen von der FDP sprach von einem "geschichtsträchtigen Gebäude" und warnte: "Ein denkmalgeschütztes Gebäude zu sanieren, ist deutlich teurer als ein Neubau." Wenn das Wertgutachten etwas mehr als 200.000 Euro für Haus Cassel ausweise, müsse ein Investor sicher 1,5 Millionen Euro einkalkulieren. Genau aus dem Grund wollte die SPD Zahlen lieber nicht-öffentlich diskutieren. Ein Antrag dazu wurde aber abgelehnt.

Dieter Paus, Technischer Beigeordneter, wies auf die Denkmalschutz-Situation hin und darauf, dass Haus Cassel im Landschaftsschutzgebiet steht: "Jegliche Folgenutzung orientiert sich am Gebäudebestand", so Paus. Im Fall eines Verkaufs müsse die Stadt nicht mit der Rückzahlung bereits geflossener Fördermittel rechnen.

Bis auf produzierendes Gewerbe sei in Haus Cassel eigentlich fast alles denkbar. Aus seiner Erfahrung heraus empfahl Paus, den Verkauf der Kreativität anderer zu überlassen: "Sie können sich gar nicht vorstellen, auf welche Ideen Investoren und Architekten kommen. Das glauben Sie nicht. Diese Kreativität sollten wir nicht beschneiden."

Die Stadt würde auch wegen der aktuellen Zinssituation gerne jetzt verkaufen. Viele Investoren würden momentan gerne Geld anlegen. Stichwort: Betongold. Letztendlich wurde beschlossen - gegen die Stimmen der CDU - Haus Cassel zum Verkauf anzubieten.

Quelle: RP
 
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