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Rheinberg
"Die Strömung tragisch unterschätzt"

Rheinberg: "Die Strömung tragisch unterschätzt"
Polizei und Feuerwehr suchten bei Orsoy im Rhein nach dem jungen Iraker. FOTO: Sassan Dastkutah
Rheinberg. Große Betroffenheit, nachdem ein 26-jähriger Iraker im Rhein ertrunken ist. DLRG klärt auf und gibt Schwimmkurse. Von Uwe Plien

Die Betroffenheit war groß, die Stimmung in Orsoy und speziell in der Zentralen Unterbringungs-Einrichtung (ZUE) gedrückt. Denn am Donnerstag ertrank ein 26-Jähriger beim Baden im Rhein (die RP berichtete). Der Flüchtling aus dem Irak lebte seit dem 30. Mai ohne Angehörige in der ZUE und wartete darauf, langfristig in eine Stadt oder eine Gemeinde zu kommen.

ZUE-Leiter Andreas Stomps von der Bezirksregierung Düsseldorf war auch deswegen erschüttert, weil seine Mitarbeiter - so formulierte es ein Sprecher der Bezirksregierung gestern - "den Bewohnern immer wieder eindringlich geraten hat, unter keinen Umständen im Rhein schwimmen zu gehen". Und zwar im Beisein von Übersetzern.

Im Haus gebe es Hinweisschilder und Broschüren in verschiedensten Sprachen zum Thema, hieß es. Das alles half nicht. Der junge Mann, der noch nicht gefunden wurde, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht überlebt. In der ZUE habe es gestern deswegen ein "niederschwelliges Seelsorgeangebot" gegeben.

Auch Petra Liebich war erschüttert. Sie lebt selbst in Orsoy und ist sowohl Vorsitzende der DLRG-Ortsgruppe Orsoy als auch DLRG-Bezirksvorsitzende im Kreis Wesel. Sie sagte: "Wir haben im Juni und am vergangenen Mittwoch zwei Aufklärungsveranstaltungen für die Bewohner in der ZUE angeboten. Zwei weitere sind geplant. Dabei ging es darum, darüber zu informieren, wie extrem gefährlich es ist, im Rhein zu baden." Durchgeführt haben diese Veranstaltungen die DLRG-Gruppen Orsoy und Moers/Rheinkamp.

Viele Flüchtlinge können gar nicht oder nur schlecht schwimmen - diese Beobachtung hat Gilbert Delaporte, Vize-Vorsitzender der DLRG-Gruppe Rheinberg und Einsatzleiter für die Wachgänge im Underberg-Freibad, gemacht. Weil aber immer mehr Flüchtlinge zum Schwimmen kommen, habe man sich darauf eingerichtet. Delaporte: "Wir bieten Schwimmkurse für Flüchtlinge an. Meine Frau Helga leitet gerade einen Kurs für 18 Kinder im Grundschulalter, von denen sechs schon das Seepferdchen-Abzeichen erlangt haben. Ich kümmere mich um sieben Erwachsene. Das sind 20- bis 25-Jährige, denen wir auch Bade- und Verhaltensregeln beibringen." Registrierte Asylbewerber bekommen von der Stadt ein rotes Kärtchen, bei deren Vorlage ihnen der Eintritt zum Schwimmbad um 50 Prozent ermäßigt wird. Den Schwimmkurs können sie damit kostenfrei wahrnehmen. Auch Gilbert Delaporte zeigte sich betroffen vom tödlichen Badeunfall in Orsoy: "Im Rhein sollte man auf gar keinen Fall schwimmen gehen. Die Gefahr ist viel zu groß", mahnte er.

Dem kann Klaus Püttmann, Leiter der Wasserwacht des DRK-Stadtverbandes Rheinberg, nur zustimmen. "Ich kann es nicht verstehen, dass sich Menschen immer wieder der großen Gefahr aussetzen, die der Rhein birgt. Ich vermute, dass der junge Mann die starke Strömung tragisch unterschätzt hat."

Auch die Wasserwacht könne immer nur auf diese Gefahren hinweisen. Die Organisation mit vier eigenen Motorbooten und ausgebildeten "Fließwasserrettern" ist überwiegend bei Veranstaltungen wie Segel-Regatten im Einsatz. Auf dem Rhein zwischen Rheinberg und Xanten werden die Helfer nur aktiv, wenn sie von der Kreisleitstelle darum gebeten werden. Das sei bei dem tragischen Unfall bei Orsoy nicht der Fall gewesen, sagte Klaus Püttmann. Feuerwehr und Wasserschutzpolizei sowie der Polizei-Hubschrauber waren am Donnerstag im Einsatz. Dem jungen Iraker konnten sie nicht mehr helfen.

Quelle: RP
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