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Alpen
Diebstähle auf Friedhöfen nehmen zu

Alpen: Diebstähle auf Friedhöfen nehmen zu
Auf den Friedhöfen gestohlen - wie hier in Rheinberg - wird alles, was aus Metall ist, seien es Kreuze, Figuren oder Grablaternen, sogar Buchstaben von Grabsteinen. Das ist für die Angehörigen ein schwerer Verlust. Denn die Gestaltung eines Grabmals ist heute sehr individuell. FOTO: Reichwein
Alpen. 2015 waren es kreisweit rund 60 Fälle, im ersten Halbjahr 2017 bereits 116. Vor allem in Rheinberg schrecken die Diebe nicht vor der Ruhe der Toten zurück. Die Polizei glaubt, dass es sich dabei um mobile Banden handelt. Von Peter Kummer

Dieben ist schier nichts heilig, auch nicht die Ruhe der Toten. Und dies in verstärktem Maße. Kreisweit wurden der Polizei 2015 rund 60 Diebstähle auf Friedhöfen gemeldet, im vergangenen Jahr waren es bereits 80 Fälle, in den ersten sechs Monaten 2017 nahmen die Beamten bereits 116 Anzeigen auf. "Es handelt sich immer um Metalldiebstähle", sagt Polizeioberkommissar Dirk Meischner von der Pressestelle der Polizei Kreis Wesel.

In den vier Kommunen Alpen, Rheinberg, Sonsbeck und Xanten gibt es insgesamt 22 Friedhöfe. Xanten ist in diesem Jahr bisher glimpflich davongekommen; hier wurde kein Diebstahl polizeilich gemeldet. In Sonsbeck waren es drei Fälle, in Alpen zwölf, in Rheinberg 23. Es seien mobile Banden unterwegs, vermutet Meischner. Also keine Täter, die im Vorbeigehen mal eben ein Metallkreuz aus der Verankerung reißen. "Es wurde abgesägt, demontiert und mitgenommen."

Das ist kein Trend nur für den Kreis Wesel, sondern bundesweit zu beobachten. Zusammengerafft wird alles, was aus Metall ist, seien es Kreuze, Figuren oder Grablaternen, sogar Buchstaben von Grabsteinen. "Ein Dauerthema", sagt Rolf Lichtner vom Bundesverband Deutscher Bestatter.

Gegen die Diebstähle könne man wenig unternehmen, sagte ein Sprecher der Stadt Rheinberg. Vor einigen Jahren, als schon einmal verstärkt Altmetall von Friedhöfen gestohlen wurde, hatte die Stadt über eine nächtliche Schließung nachgedacht, aber am Ende die Idee doch verworfen. Teilweise hätten Toranlagen eingebaut werden müssen, ein Mitarbeiter wäre zwei Stunden damit beschäftigt, alle neun Friedhöfe - inklusive der inaktiven - anzufahren und die Tore auf- beziehungsweise zuzuschließen. Außerdem: Von einem Zaun lassen sich die Diebe auch nicht immer abschrecken.

Das beste Mittel, dem Einhalt zu gebieten, ist Augen auf. Oberkommissar Meischner appelliert an alle Bürger, unverzüglich die Polizei unter 110 anzurufen, wenn sie etwas Verdächtiges beobachtet oder ein seltsames Baugefühl haben. "Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig. Dann können wir unverzüglich reagieren."

Der materielle Schaden hält sich in Grenzen. Viel schlimmer wiegt, was der Diebstahl bei Angehörigen auslösen kann. Heinz-Josef Wefers, Superintendent im evangelischen Kirchenkreis Kleve und Pfarrer in Xanten, kann sich vorstellen, was in dem Menschen vorgeht. "Das löst immer Reaktionen aus. Die Hinterbliebenen sind erschreckt und entsetzt."

Die Gestaltung eines Grabmals sei heute sehr viel individueller und mit viel Liebe gestaltet, sagt Wefers weiter. Viele Gräber hätten ein persönliches Symbol, ein Bild des Verstorbenen, die Darstellung einer Brücke als verbindendes Element, ein stilisiertes Herz zum Beispiel. Die Botschaft: "Das ist mein Grabmal, meine Trauer, hier liegt mein Kind, meine Mutter", erläutert der Superintendent. Wenn dann etwas zerstört und entwendet wird, "erleben dies viele als Eingriff in die persönlich gestaltete Trauer."

Quelle: RP
 
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