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Rheinberg
Diesmal wurde sehr sachlich diskutiert

Rheinberg: Diesmal wurde sehr sachlich diskutiert
Auf dem Podium (v.r.): Zehra Yilmaz (DRK), Christoph von Hammerstein (Investor), Dr. Christiane Napp (Ärztin) Roland Schlapka (Regierungsvizepräsident), Frank Tatzel (Bürgermeister), Dieter Paus (Beigeordneter) und Willi Giesen (Polizei Rheinberg). Nicht mit im Bild ist Michael Bauermann (Landesamt zentrale polizeiliche Dienste). FOTO: Armin Fischer
Rheinberg. 600 Interessierte kamen gestern Abend zur zweiten Informationsveranstaltung in die Rheinberger Stadthalle. Nächste Woche kommen die ersten Flüchtlinge in die Zentralen Unterbringungs-Einrichtung im alten Orsoyer Krankenhaus. Von Uwe Plien

Es geht doch! Nach dem Flop der ersten Info-Veranstaltung zur geplanten Zentralen Unterbringungs-Einrichtung (ZUE) am 30. September im ehemaligen St.-Marien-Hospital in Orsoy lief es gestern Abend in der Stadthalle sehr sachlich. Die Halle war pickepackevoll, das Interesse insbesondere der Orsoy war also ungebrochen. Rund 600 werden es wohl gewesen sein. Unter der Moderation von Bürgermeister Frank Tatzel wurde informiert, es wurden Fragen vernünftig gestellt und vernünftig beantwortet. Nicht alle Ängste und Sorgen, die Besucher mitgebracht hatten, werden zerstreut worden sein. Aber es gibt Anlass zur Hoffnung, dass die bis zu 500 erwarteten Flüchtlinge und die Orsoyer miteinander klarkommen. Das war ein guter Anfang.

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Mehr als 500 oder vielleicht zwischendurch mal 510 Menschen - und dieses Versprechen gab Regierungsvizepräsident Roland Schlapka gestern Abend mehrfach ab - sollen es im alten Krankenhaus nicht werden. Aber, und auch das sagte der Mann aus Düsseldorf auf dem Podium gestern: "Wir brauchen im Moment jede Unterbringungsmöglichkeit." Weil in Nordrhein-Westfalen mittlerweile 200.000 Flüchtlingen angekommen sind und es jeden Tag durchschnittlich 2000 mehr werden. In einer ZUE, so erklärte es Schlapka noch einmal, werden die Flüchtlinge erfasst, registriert und erstmals ärztlich untersucht, bevor sie nach durchschnittlich zwei bis drei Wochen auf die Kommunen verteilt würden. Die Moerser St.-Josef-Krankenhausgesellschaft hat das alte Hospital zwischenzeitlich an den Investor Lemberg Verwaltung und Beteiligung verkauft. Das Unternehmen betreibt die Einrichtung selbst und hat mit dem Land NRW einen Vertrag über zehn Jahre mit einer Option auf weitere fünf Jahre abgeschlossen. Nächste Woche werden die ersten 200 Flüchtlinge nach Orsoy kommen. Bis Anfang des Jahres soll das alte Schwesternheim hergerichtet sein, dort sollen 300 weitere Menschen unterkommen. Der Vorteil für die Stadt: Die Kosten für diese 500 Flüchtlinge übernimmt zu 100 Prozent das Land und die Stadt bekommt keine weiteren mehr zugewiesen. Viele Fragensteller kamen gestern zum Zuge. "Wir möchten mit unseren Ängsten und Bedenken ernst genommen und nicht gleich in die rechte Ecke gestellt werden", sagte eine Orsoyerin. "Wer hilft uns vor Ort, wer sind unsere Ansprechpartner?" Regelmäßige Treffen und Kontakte mit dem Betreuerteam seien angedacht, sagte Christoph von Hammerstein vom Investor. Und: "Wenn wir alle guten Willens sind, dann kriegen wir das in Orsoy auch hin." Zehra Yilmaz vom DRK, sagte, ab sofort könne man Kleiderspenden gebrauchen und die Nachfrage nach Menschen, die Deutschkurse geben können, sei enorm groß. Orsoys Pfarrer Uwe Klein wies auf die Zusammenarbeit der Evangelischen mit der Katholischen Gemeinde hin und legte Listen aus, in die sich Hilfswillige eintragen konnten. Es gab Fragen nach dem Sicherheitskonzept und der Polizeipräsenz, aber auch nach ganz banalen Dingen wurde gefragt: "Reichen die Abwasserkanäle aus?" Beigeordneter Dieter Paus konnte beruhigen: "Ja, sie reichen aus."

Die Angst vor steigender Kriminalität versuchte Michael Bauermann vom Landesamt für zentrale polizeiliche Dienste zu zerstreuen. Er wies daraufhin, dass Flüchtlinge statistisch deutlich weniger Polizeieinsätze verursachten als "Normalbürger". Und Ärztin Dr. Christiane Napp wollte nicht den Eindruck erwecken, dass Flüchtlinge nicht auch Krankheiten wie Masern, Windpocken, Kretze oder Tuberkulose mitbringen. Allerdings sei die Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken, denkbar gering. Michael Bauermann sagte zum Ende der Veranstaltung einen denkwürdigen Satz: "Es kommen keine schlimmen Menschen. Es kommen Menschen, die Schlimmes erlebt haben."

Düsseldorf: So leben Flüchtlinge bei Kälte im Wohnzelt FOTO: Hans-Juergen Bauer
Quelle: RP
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