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Alpen
Dönekes op Platt begeistern in Veen

Alpen: Dönekes op Platt begeistern in Veen
Wenn Christel Tinnefeld auf der Bühne aus der Jugend erzählt, müssen alle schmunzeln - auch Herbert Oymann (ganz vorne), der gestern Morgen ebenfalls auf Platt vortrug. FOTO: Armin Fischer
Alpen. Der Heimat- und Verkehrsverein Alpen empfing bei seinem 30. Mundartfrühschoppen gestern rund 170 Besucher. Von Erwin Kohl

Zugereiste verstehen oft nur Bahnhof, wenn sich alteingesessene Alpener unterhalten. Denn die sprechen zumeist Plattdeutsch, eine Mundart, die vom Aussterben bedroht ist. Damit das nicht passiert, lädt der Heimat- und Verkehrsverein (HVV) Alpen einmal im Jahr zum Mundartfrühschoppen. Die 30. Veranstaltung dieser Art fand am gestrigen Sonntag in der Scheune des Spargelhofes Schippers in Veen statt und lockte 170 Besucher.

"Es kommen von Jahr zu Jahr mehr. In Alpen gibt es nicht mehr viele Veranstaltungsorte, die so viele Besucher aufnehmen können" erklärte Franz-Josef Spölmink. Der Vorsitzende des Heimatvereins freut sich besonders darüber, dass immer wieder Neulinge hinzukommen, die das Publikum mit "Dönekes op Platt" unterhalten. Ein Grund dafür ist die hervorragende "Nachwuchsarbeit", zu der sogar eine Plattdeutsch AG an der Veener Grundschule gehört. So verwundert es kaum, dass Veener Schüler regelmäßig den Plattdeutschen Lesewettbewerb für Grundschulen im Kreis gewonnen haben. Damit ist es aber zum Leidwesen der Mundartfreunde vorbei. "Der Kreis hat den Wettbewerb eingestellt. Warum das so ist, konnte man uns auf Anfrage nicht mitteilen", bedauert Alt-Bürgermeister Willi Jansen, der gewohnt humorvoll moderierte.

Aufgeben wollen die Veener ihre ganz spezielle Sprachförderung aber nicht, dafür sorgt schon "Urgestein" Christel Tinnefeld. Die Autorin eines in Alpener Mundart verfassten Buches besucht regelmäßig die Veener Grundschule und wirbt für Nachwuchs. Eine Eigenart des Dialektes ist die lokale Verwurzelung. "Ein paar Kilometer weiter in Xanten sprechen sie schon ein bisschen anders", so Tinnefeld. Sie erzählte in "Minnen Blagentitt" (Meine Kindheit) von den damaligen Ernährungsgewohnheiten der Landbevölkerung und erntete dafür Zustimmung und Lacher. Ihr Vater bekam jeden Morgen einen deftigen Speckpfannkuchen, immerhin hatte man ja eigene "Pogge" (Schweine). "Das war früher ein Arme-Leute-Essen. Heute ist das der Hit, das wird gegessen, ob es schmeckt oder nicht." Ist man in Menzelen-Ost "Tugetrokke on Ingetraut", hat man es nicht leicht, wusste Christel Hermsen zu berichten: "Am schlimmsten waren die dran, die von der anderen Seite der Bundesstraße kamen. Das war für uns ja Ausland." Hermsen griff zur Freude der Besucher aktuelle Themen auf. So etwa die Tatsache, dass Pastor Georg Zglinnicki sich nicht mit einem Strafzettel abfinden wollte. "Der kommt ja aus Polen. Kein Wunder, dass er nicht weiß, wo man in Alpen parken darf." Leo Raskopp erzählte von einem "Päkske üt Amerika", dass neben Kaffee, Schokolade und Mehl eine Dose mit einem seltsamen Pulver enthielt. "Wir haben daraus mit Schmalz, Mehl und Zimt einen leckeren Brei gemacht. Drei Tage später kam ein Brief, darin stand, dass es sich bei dem Pulver um die Asche unseres verstorbenen Onkels handelte." Zu den vier Neulingen zählte Herbert Oymann. Der "Heier" erzählte von "De groote Komm", einer multifunktionalen Wanne, in der damals die Erbsensuppe ebenso serviert wurde wie der Milchbrei. Zwischen den Mahlzeiten diente das Gefäß wahlweise als Badewanne oder elterlicher Nachttopf.

Quelle: RP
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