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Alpen
Drüpt will die Zeit ohne König nutzen

Alpen: Drüpt will die Zeit ohne König nutzen
Der Thron in Drüpt bleibt leer. Das ist kein Einzelphänomen. FOTO: Pixabay
Alpen. Präsident Thomas Janßen sieht die Gründe für die majestätische Zurückhaltung nicht im Verein, sondern in der Gesellschaft insgesamt. Strategien seien gefragt. Er will nach 24 Jahren sein Amt im November zur Verfügung stellen. Von Bernfried Paus

Thomas Janßen, Präsident der Bürgerschützen in Drüpt, bekennt: "Es ist heute schon ein mulmiges Gefühl, vor die Bruderschaft zu treten und Königsaspiranten aufzufordern, sich zu erkennen zu geben." Am Sonntagabend geschah genau das, was für Unbehagen sorgt: Es kam keiner aus der Deckung, der dem Vogel den Rest geben und den Thron besteigen wollte (RP berichtete). Das erste Mal nach 44 Jahren, in denen zunächst sein Vater Erwin und dann er selber die Bruderschaft von 1683 angeführt haben. Zwar trägt's der 55-Jährige mit Fassung, aber auch hier räumt er ein, dass er es wenig prickelnd findet, ohne König dazustehen.

"Aber irgendwann musste es uns wie andere kleine Schützenvereine auch mal erwischen", sagte Janßen gestern. Die sich verbreitende Unlust, königliche Ehren anzustreben, habe vielfältige "gesellschaftliche Ursachen". Die Gründe seien kaum in der mit 180 Schützen recht kleinen Bruderschaft in der 450-Seelen-Siedlung zu suchen.

Janßen glaubt, dass Schützen heute aus einer großen Palette auswählen könnten, wie sie ihre Freizeit ausfüllen möchten. Da stehe der einst ausgeprägte Wunsch, mal Schützenkönig zu sein, immer mehr in den Hintergrund. "Die meisten scheuen davor zurück, über ein ganzes Jahr die mit der Königswürde verbundenen Pflichten zu übernehmen", denkt Janßen, im Rathaus Stellvertreter von Bürgermeister Thomas Ahls als Chef der Verwaltung. Am Geld scheitere es jedenfalls nicht. Es sei ihm von Beginn seiner Präsidentschaft an ein Anliegen gewesen, "dass bei uns jeder, der möchte, König werden kann - unabhängig vom Geldbeutel". Daher habe er damals drauf hingewirkt, dass nicht der halbe Schützenverein beim Essen des Thrones auf Rechnung des Regenten mit am Tisch sitzt. Außerdem habe er den Vorschlag eingebracht, dass sich der Thron an den Kosten beteiligt. Mit Erfolg.

"Natürlich gibt es Dinge, die lässt sich ein König nicht nehmen", so Janßen. Die üblichen Runden zahle er aus eigener Tasche, ebenso die bis zu 1000 Euro für die individuell gestaltete Silberplakette, mit der er sich in der Königskette verewigt, und auch das Kleid der Königin. Unterm Strich koste der Königsschuss in Drüpt knapp 2000 Euro. Gemildert werde die Last durch einen Zuschuss von 600 Euro aus der Vereinskasse, die Kompanien schießen auch rund 500 Euro bei, und beim Kirmeskehraus beim König, der diesmal ausfällt, gehe der Hut rum. "Mit alledem ist der König schon ein ganzes Stück", meint Janßen.

Der Verein müsse die königlose Zeit nutzen, eventuell im Austausch mit Nachbarvereinen, Strategien zu entwickeln, der majestätischen Unlust entgegenzuwirken. An den Planspielen werde er sich aber nicht mehr in der ersten Reihe beteiligen. Thomas Janßen stellt sich bei der Generalversammlung im November nach 24 Jahren als Präsident nicht mehr zur Wahl. "Irgendwann muss mal Schluss sein", sagt er. Aber er ist sich sicher, dass der Verein beim Ruf nach einem Nachfolger nicht ohne Antwort bleibt.

Zunächst wird am Samstag noch mal gefeiert. Die Parade fällt zwar ins Wasser, aus dem Gala- wird ein Schützenball. Die Kleiderordnung ist gelockert: angemessen festlich aber kein schwarzer Anzug. Und Janßen denkt, dass die neue Tanz-Band Splash ordentlich Stimmung macht - auch wenn der Königswalzer nicht gespielt wird.

Quelle: RP
 
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