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Rheinberg
"Eia" Janssen - der Vater des Stadtarchivs

Rheinberg. Am Montag wäre der frühere Rheinberger Amtsleiter 100 Jahre alt geworden. 1988 begründete Heinz Janssen die Schriftenreihe der Stadt Rheinberg zur Geschichte und Heimatkunde. Er war ein profunder Kenner der Stadthistorie. Von Nicole Maibusch

Er war Verwaltungsmann, Hobbyhistoriker, Autor und Rheinberger mit Herz: Heinz Janssen, "Vater" des Stadtarchivs, wäre am Montag 100 Jahre alt geworden. Mancher Rheinberger erinnert sich sicher noch gut an den Herrn mit dem charakteristischen Gang: Nicht sehr groß und korpulent, lief er ein wenig wie auf Eiern. Eine Eigenart, die ihm den Spitznamen "Eia" Janssen einbrachte.

Aufgewachsen im Herzen der Stadt - die Eltern führten die Wirtschaft im "Kamper Hof" - absolvierte Heinz Janssen zunächst eine kaufmännische Ausbildung bei Underberg-Albrecht, bevor er am 1. Juni 1946 seinen Dienst als Verwaltungsangestellter bei der Stadt Rheinberg antrat. Als Mitarbeiter des damaligen Wohlfahrtsamtes (heute Sozialamt) war Janssen nach dem Krieg vor allem für die Wohnungsverwaltung zuständig. "Ein schwierige Aufgabe, die mitunter wenig populäre Entscheidungen verlangte. Dies hat ihn sicher nachhaltig geprägt", erzählt Alt-Bürgermeister Hans-Theo Mennicken, der 1966 seine Lehre bei der Stadt begann und Janssen bis zu dessen Pensionierung 1980 begleitete. Janssen sei nicht immer einfach gewesen, habe aber stets pragmatische Lösungen angestrebt. Eine Charaktereigenschaft hat Mennicken besonders an Janssen geschätzt: "Er ist bei allen Streitfragen immer menschlich geblieben."

In seiner Funktion als Amtsleiter des Haupt- und Personalamts war Janssen von 1969 bis 1974 als allgemeiner Vertreter des Stadtdirektors bestellt. Mit der kommunalen Neugliederung am 1. Januar 1975 wurde Janssen stellvertretender Dezernent des Dezernates I und Amtsleiter für das Schul- und Kulturamt.

Als Mann der Verwaltung hatte Janssen den glasklaren Blick dafür, dass er im Dienste der Bürger steht. "Oft war er auf seinem Moped in der Stadt unterwegs, um sich Entwicklungen vor Ort selbst anzuschauen", sagt Mennicken. Der erinnert sich noch munter an manche besondere Begegnung mit Janssen. Als er etwa als "junger Stift" in der Verwaltung monatelang den Söller im Alten Rathaus aufgeräumt und unzählige historische Dokumente sortiert hat. "Die Liebe zur Heimatgeschichte verdanke ich eindeutig Heinz Janssen", schmunzelt Mennicken.

Oder an heiße Sommertage im Alten Rathaus. Warm sei es gewesen in dem Gebäude. So warm, dass selbst aus den Leitungen im oberen Geschoss kein kühles Wasser mehr floss. Infolgedessen wurde kühles Nass aus dem Keller geholt. "Das hat Heinz Janssen in eine Waschschüssel gegossen, unter seinen Schreibtisch gestellt und sich darin die Füße gekühlt", erzählt Mennicken. Unten war's zwar kühl, oben hat's aber trotzdem "gequalmt". Denn Heinz Janssen war passionierter Raucher. "Roth-Händle mit schwarzer Spitze", so Mennicken.

Nicht umsonst gilt Heinz Janssen auch als "Vater" des Rheinberger Stadtarchivs: Bereits 1961 hatte er begonnen, die Altaktenbestände der Stadtverwaltung des 20. Jahrhunderts zu sichten. Als Amtsleiter im Kulturamt legte Janssen auch verschiedene Sammlungen des Stadtarchivs an - unter anderem die umfassende Kupferstichsammlung, für die er dem Stadtrat so manche D-Mark abgerungen hat, um sie kontinuierlich zu erweitern.

Seine umfangreiche Kenntnis der Rheinberger Geschichte hat Janssen aufgeschrieben. Bereits im Ruhestand führte er das Stadtarchiv für zwei Jahre als Teilzeitkraft, weitere sieben Jahre als Ehrenamtler. In dieser Zeit forschte er weiterhin zu Themen der Rheinberger Geschichte, schrieb Bücher, Broschüren und Aufsätze.

1988 begründete Janssen die Schriftenreihe der Stadt Rheinberg zur Geschichte und Heimatkunde. Die Stadt veröffentlichte sein Buch über NS-Zeit und Nachkriegszeit in Rheinberg als Band 1 der Schriftenreihe. Von seinen "Erinnerungen an eine Schreckenszeit. Rheinberg 1933-1945-1948" wurden über 1000 Bücher verkauft. Inzwischen umfasst die Reihe 20 Bände.

Auch über die Geschichte des Rheinberger Karnevals hat Janssen gemeinsam mit Hans-Theo Mennicken in Band 3 der Schriftenreihe geschrieben. Und das, obwohl Janssen bekennender Nichtkarnevalist war. "Sobald am Altweiber-Donnerstag die Möhnen ins Rathaus stürmten, war Heinz Janssen verschwunden, auch bei der Schlüsselübergabe war er nicht dabei", berichtet Mennicken über seinen ehemaligen Chef. Überhaupt: Wenn nicht erforderlich, habe Janssen nicht gerne im Mittelpunkt gestanden. Ihm sei es immer um die Sache gegangen.

Für seine Verdienste um die Rheinberger Archiv- und Heimatpflege verlieh ihm der Landschaftsverband Rheinland im Jahr 1991 den Rheinlandtaler. Mit seiner Ehefrau hatte Heinz Janssen zwei Söhne. Im Dezember 2002 starb er im Alter von 85 Jahren.

Quelle: RP
 
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