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Alpen
Ein Bad voller Pleiten, Pech und Pannen

Alpen: Ein Bad voller Pleiten, Pech und Pannen
Bedröppelte Mienen und kein Wasser im Becken: Helmut Czichy, Chef-Techniker im Weseler Kreishaus, Schulleiter Lothar Petrikowski und Verfahrenstechniker Joachim Hesseling suchen nun die undichte Stelle. FOTO: Olaf Ostermann
Alpen. Mehr als eineinhalb Jahre war das Therapie-Schwimmbecken in der Bönninghardtschule wegen Sanierungsarbeiten geschlossen. Gestern sollte es wieder in Betrieb gehen. Doch über Nacht war das Wasser abgelaufen. Jetzt wird gerätselt. Von Heidrun Jasper

Eigentlich wollte man gestern Vollzug melden, endlich wieder ein funktionstüchtiges Lehrschwimmbecken an der Bönninghardtschule präsentieren. Doch es kam anders. Die Reihe von Pleiten, Pech und Pannen geht weiter. Dabei waren Helmut Czichy, Chef-Techniker im Kreishaus, und sein Versorgungstechniker Joachim Hesseling eigens aus Wesel angereist, um das sanierte Bad nach mehr als eineinhalb Jahren wieder in Betrieb zu nehmen. Doch statt stolzer Freude gab's lange Gesichter: Das Becken war leer. 240 000 Liter Wasser waren über Nacht verschwunden, als habe jemand den Stöpsel gezogen. Dabei hatte sich Schulleiter Lothar Petrikowski so gefreut, dass es endlich wieder losgehen könnte im Therapiebad, das im Mai 2016 geschlossen und aufwendig repariert werden musste. Erst war ein Messregler kaputt, dann versagten zwei Pumpen und schließlich, so Petrikowski, fanden sich bei Wasserproben "fünf bis sechs Tierchen". Legionellen.

300.000 Euro kostete die Sanierung. Helmut Czichy besorgte das Geld über das Kommunalinvestitionsförderungsgesetz, eine Firma aus Mülheim bekam den Auftrag. Doch die angepeilten Termine bis zur Erledigung des Jobs mussten immer wieder geschoben werden.

Der RP-Bürgermonitor kümmerte sich, nachdem Barbara Busch (73) aus Sonsbeck ihrem Ärger Luft gemacht hatte. Ihr hatte nach einer Hüft-OP und einem Eingriff an der Wirbelsäule wie anderen Reha-Kursteilnehmern auch die Aqua-Gymnastik im Becken so gutgetan. Sie hatte sich an den Kreis, das Gesundheitsamt und schließlich an die Redaktion gewandt. Auch das ist bereits vier Monate her.

Jetzt sollte es so weit sein. Sechs Wochen Testphase hatte das Lehrschwimmbecken erfolgreich bestanden. Das Gesundheitsamt hatte mehrfach Wasserproben entnommen. Alles in Ordnung. Keine Legionellen, Rohre dicht. Und dann so was. Mittags hatte man schon festgestellt, dass das Becken Wasser verliert, und nachgefüllt. Der Hausmeister schaute Donnerstagnachmittag noch mal nach: alles gut.

Doch als gestern Morgen die ersten Schüler zum Bad gingen, war das acht mal 15 Meter große Becken, dessen Hubboden von 30 Zentimetern auf 1,35 Meter vertieft werden kann, trocken. "Wir waren glücklich, dass wir das Ding endlich wieder am Laufen hatten. Und dann sowas." Helmut Czichy konnte seinen Ärger kaum verbergen. Auch für Lothar Petrikowski war die Enttäuschung groß. Das Bad ist für ihn Herzstück der Schule, in der 170 Mädchen und Jungen mit geistigen Behinderungen von 58 Lehrer unterrichtet werden. Gerade für sie, so Petrikowski, seit 1999 Rektor an der 1978 errichteten Schule, sei therapeutisches Schwimmen so wichtig. Im 32 Grad warmen Wasser könnten die Schüler wichtige körperliche Erfahrungen machen, die ihnen ansonsten verwehrt blieben.

Nachdem vor zwei Jahren wegen des Legionellenbefalls Rohre ausgetauscht worden waren und das Becken wieder aufgefüllt war, gab's die nächste Hiobsbotschaft: Rohrleitungen unterm Bad, aus Kostengründen nicht ausgewechselt, waren undicht. Alles wieder auf Anfang. Jetzt geht es an die Ursachenforschung. Ein elektronisches Problem vermutet Joachim Hesseling. Möglicherweise arbeite ein Ventil nicht richtig. Petrikowski bleibt zuversichtlich, dass Montag wieder geschwommen wird.

Nicht nur ins Schwimmbecken hat der Kreis als Schulträger an der Bönninghardtschule Geld gesteckt: Für 350.000 Euro wurden in der Turnhalle die Deckenstrahlheizung und der Boden erneuert.

Quelle: RP
 
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