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Rheinberg
Ein Dach über dem Kopf

Rheinberg. Frank Hübbers ist seit 20 Jahren selbstständiger Zimmermann - wie einst Josef von Nazareth. Der Rheinberger baut nicht nur Dachstühle, sondern manchmal auch komplette Häuser aus Holz. Von Uwe Plien

Josef von Nazareth war von Beruf Zimmermann. Er hat dafür gesorgt, dass Häuser einen Dachstuhl bekommen, dass die Gebäude von oben geschützt waren und den Bewohnern Geborgenheit boten. Als Josef sich dann mit seiner Frau Maria auf den Weg nach Bethlehem machte, blieb ihnen eine sichere Herberge verwehrt. Letztendlich kamen sie in einem Stall unter. Nach der Devise: Hauptsache ein Dach über dem Kopf.

Der Beruf des Zimmermanns hat sich bis heute erhalten. Frank Hübbers aus Rheinberg ist Zimmermann, arbeitet als selbstständiger Handwerksmeister. Und das nun schon seit fast 20 Jahren. Hübbers liebt Holz. Er baut alles - vom klassischen Dachstuhl über die Reparatur eines Scheunendachs bis hin zum kompletten Zweifamilien-Haus in Rahmen-Tafelbauweise wie kürzlich in Oermten.

Nach der Schule absolvierte der gebürtige Millinger zunächst eine Ausbildung zum Tischler. Es folgte die Bundeswehrzeit, anschließend legte er nach und fing eine zweite Lehre an - als Zimmermann. "Ich habe gerne auf dem Bau gearbeitet. Da fühle ich mich wohl, weil ich gerne draußen arbeite. Und als Zimmermann ist man nun mal immer da, wo das Haus gebaut wird", so der Rheinberger.

Hübbers arbeitete als Geselle, absolvierte dann die Meisterschule in Bielefeld und war danach eine Zeit lang als angestellter Meister in Duisburg tätig, bevor der heute 50-Jährige 1998 den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. Zunächst arbeitete er alleine, zwischenzeitlich mit einem Partner. Seit der in Rente ist, ist Hübbers wieder solo am Werk. Er sagt: "Ich habe aber Aushilfen, auf die ich je nach Auftrag bei Bedarf zurückgreifen kann."

Seinen Platz, auf dem er die bis zu 18 Meter langen Holzbalken lagert und zuschneidet, hat er in Moers. Seine Kunden sitzen aber nicht nur im Raum Rheinberg/Moers/Kamp-Lintfort, er hat auch schon Dach-stühle am ganzen Niederrhein bis hin nach Düsseldorf gebaut. Der Zimmermann kommt in aller Regel nur einmal, erledigt seine Arbeit und wird höchstens noch mal gebraucht, wenn das Dach undicht ist und der Dachstuhl Schaden nimmt.

Der Zimmermann hat gegenüber Vertretern anderer Gewerke auf der Baustelle eine herausragende Position. Frank Hübbers: "Wenn nur der Rohbau steht, sieht das Haus meistens noch nicht aus wie ein Haus. Das ändert sich ganz schnell, wenn erst einmal der Dachstuhl aufgesetzt ist."

Vielleicht wird deshalb auch in diesem Stadium das Richtfest gefeiert und der Zimmermann bei dieser Gelegenheit zu einem exponierten Handwerker. Denn beim Richtfest erscheint der Zimmermann in seiner traditionellen Arbeitskleidung mit dunkler Hose, weißem Hemd, schwarzer Weste und weitkrempigem Hut. Auch Frank Hübbers hat schon Richtsprüche gesprochen. Die Tradition der Richtfeste habe sich allerdings gewandelt: "Heute sind nur noch selten die Handwerker dazu eingeladen. Es feiern eher die Eigentümer mit Freunden und Nachbarn."

Überhaupt hätten es Zimmerleute heute nicht mehr so leicht. Die Konkurrenz hat zugenommen, der Kostendruck ebenfalls. Im Grunde geht es aber heute noch um das gleiche wie zu der Zeit, als Josef von Nazareth Zimmermann war: darum, dass die Menschen ein sicheres Dach über dem Kopf haben.

Quelle: RP
 
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