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Alpen
Ein Duett zweier ungleicher Chöre

Alpen: Ein Duett zweier ungleicher Chöre
Dirigent Norbert Hammes und die Sängerinnen von Barbershop Blend überlassen nichts dem Zufall. Sie setzen nicht nur beim Gesang auf Perfektion. Die Choreographie bringt die Musik zum Leben. FOTO: Armin Fischer
Alpen. Der Männergesangverein Martonair aus Alpen und die Damen von Barbershop Bland aus Sonsbeck haben sich zu einem gemeinsamen Konzert verabredet. Es gibt schon Karten für die zwei Vorstellungen im Pädagogischen Zentrum in Alpen. Von Bernfried Paus

Es wird ein Treffen der Gegensätze. Aber die ziehen sich ja bekanntlich an. Am Ende soll's ein Ereignis begeisternder Harmonie werden. Die, die da zusammenkommen, verbindet eines: die Leidenschaft für den Gesang. Der experimentierfreudige Männergesangverein Martonair und die Frauen der bekannten A-Capella-Formation Barbershop Blend aus Sonsbeck stehen gemeinsam auf der Bühne. Ein höchst reizvolles Duett. Premiere ist am Samstag, 24. September, 17 Uhr im Alpener Schulzentrum. 24 Stunden später findet an gleicher Stelle ein zweites Konzert statt. Der Titel verspricht Bandbreite: "Von Oldies bis Pop."

Der Vorverkauf (15 Euro) hat begonnen. Die Proben laufen auf Hochtouren. Das Programm steht. Anfang (Conquest of paradise) und Ende (Rockin' all over the world) bestreiten beide gemeinsam im großen gemischten Chor, dazwischen im Wechsel singt jeder Chor für sich.

Die stimmgewaltigen Männer in den pinkfarbenen Westen freuen sich auf den gemeinsamen Auftritt mit den Damen von Barbershop Blend. FOTO: MGV

Schon die Geschichte der beiden Chöre ist höchst unterschiedlich: MGV Martonair ist aus einem Kegelclub erwachsen. Aus rauen Männerkehlen strömende Kegelgesänge wurden stimmlich verfeinert und in musikalisch geordnete Bahnen gelenkt. Vor 53 Jahren haben 28 Beschäftigte der heutigen Firma IMI Deutschland den "Werksgesangverein" gegründet. Unter Leitung von Hans Juchem widmete er sich der Pflege der Volksmusik. Ein Jahr später taufte sich der Chor auf den heute noch gültigen Namen MGV Martonair. 1980 legte "Vadder Juchem" aus gesundheitlichen Gründen das Amt des Chorleiters nieder. Nachfolger wurde der Chordirektor ADC, Hans-Heinrich Struberg, in der Szene besser bekannt als "Struppi".

Wie alle Männerchöre litt auch Martonair zwischenzeitlich unter akuten Nachwuchssorgen. Mit einem Durchschnittsalter von 68 Jahren nahte das Ende. Dann kam mit einer für den Chor revolutionären Idee von "Struppi" die Wende. Die Geschichte vom legendären Räuberhauptmann Brinkhoff brachten die Männer als "Historical" auf die Bühne. Der Erfolg hat alle überrollt. Mit dieser Begeisterung gelang es, zehn neue Sänger zu gewinnen. Nun hat der Chor 32 Sänger, 84 Jahre ist der älteste, das Nesthäkchen gerade 25.

Bei der Probe von Barbershop Blend treffen sich Frauen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Keine hat ein Notenblatt in der Hand, kein Klavier gibt den Ton an. Bis ein Stück auf der Bühne im Pailletten-Kostüm präsentiert wird, braucht's eine Menge harter Arbeit. 1985 wurde Barbershop-Blend ins Vereinsregister eingetragen und ist so der älteste Barbershop-Chor Deutschlands. Wer bei Barbershop eher an Föne statt an Töne denkt, liegt nicht so falsch. "Barbershops", amerikanische Friseur-Salons, waren Ende des 19. Jahrhunderts gesellige Orte, wo sich die Herren die Wartezeit gelegentlich mit improvisierten Gesängen vertrieben. Mit sattem Sound kann die energiegelade Musik umwerfend sein, vorausgesetzt, sie wird präzise intoniert, was bei oft anspruchsvollen Arrangements und komplizierten Stimmführungen nicht ganz einfach ist.

Barbershop ist A-Cappella pur, bietet wenig Möglichkeit, sich zu verstecken, nicht mal hinter Notenblättern. Unterstützung erhält Chorleiter Norbert Hammes durch eine Co-Dirigentin, eine Choreografin und acht Stimmleiterinnen. Denn mit Singen allein gibt sich Barbershop Blend nicht zufrieden.

Die Initiative zum Rendezvous der Chöre kam von den Barbershop-Frauen. Sie haben die Martonair-Männer mal beim Sänger-Event im Rheinberger Stadthaus gehört. "Denen muss das wohl gefallen haben", sagt Tono Baranowski, Sprecher der Martonair-Männer sichtlich geschmeichelt.

Ehrfurcht vorm gemeinsamen Auftritt mit den Damen schimmert durch: "Da trifft, stimmlich gesehen, David auf Goliath", sagt er mit Respekt und Vorfreude auf die "große Herausforderung". Die Rolle der Außenseiter nehmen die Männer selbstbewusst an. Allein schon bei der Aufstellung. Während bei Barbershop Blend jeder Sängerin ihr Platz fest zugeschrieben wird, "kommen wir als wilde Bande auf die Bühne", so Baranowski. Die unbekümmerte Wildheit haben die Martonair-Sänger in ihren Historicals um "Räuber Brinkhoff" zum Kult entwickelt.

Karten bei Gerd Verhalen (Tel. 02802 4078) und Rudolph Thiesis (Tel. 02802 5813) und bei allen Mitgliedern des Chores

Quelle: RP
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