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Rheinberg
Ein Heimspiel für Steffen Gumpert

Rheinberg. Ein Konzert mit einem Stück zu beginnen, das expressionistisch angehaucht ist, ist gewagt, weil Dissonanz und freier Rhythmus nicht dem Klangempfinden aller Hörer entsprechen. Steffen Gumpert ging dieses Wagnis am Sonntag in der Annakapelle ein. Der Rheinberger Gitarrist begann sein klassisches Gitarrenkonzert mit den "Douze Ètudes", die 1929 von Heitor Villa-Lobos komponiert wurden. Sie verbinden brasilianische Tradition mit Moderne und Expressionismus. Von den zwölf Übungsstücken für Gitarre spielte er das vierte, achte und elfte. "Wenn sie ankommen, kann beim Konzert nichts mehr schiefgehen", hatte der 53-Jährige vor dem Konzert im kleinen Kreis erzählt.

Die drei Etüden kamen an, wie der Applaus der 20 Zuhörer zeigte. So konnte beim Konzert nichts mehr schiefgehen, das der Gitarrist mit zwei modernen südamerikanischen Komponisten eingerahmt hatte, neben dem brasilianischen Heitor Villa-Lobos am Start mit dem argentinischen Ástor Piazollo am Ende. Vom Komponisten des "Tango nueovo" spielte er die Stücke "Sommer - Verano Porteno" und "Milonga del Angel", die ohne Bass und Geige, Klavier und Bandoneon für Gitarre bearbeitet waren. Dabei wanderte er auf dem schmalen Weg zwischen Lebensfreude und Melancholie, die der Tango miteinander verbindet. Schließlich beherrscht der Absolvent der Düsseldorfer Robert-Schumann-Hochschule sein Saiteninstrument nicht nur brillant, sondern kann damit auch Phantasien und Stimmungen transportieren, die er erspürt.

Das unterstrich der Lehrer an der Kunst- und Musikschule Duisburg bei den drei weiteren Stücken. Er spielte die barocke Sonate 15 in a-moll von Silvius Leopold Weiss, die romantische "Fantasia Original" des spanischen Gitarristen Jose Vinas sowie das zeitgenössische Präludium und Gebet des deutsch-französischen Komponisten Guy Bitan.

"Wir wollen weitere Konzerte und Lesungen in der Kapelle organisieren", sagte Ulrich Hecker als Vorsitzender des Vereins zur Erhaltung der St.-Anna-Kapelle, nachdem der Applaus nach den letzten Gitarrenklängen verklungen war. "Die Kapelle auf dem Friedhof ist ein wahrlicher Geheimtipp. Sie hat eine tolle Akustik gerade für Solisten und kleine Ensembles." Das bewies Steffen Gumpert bei der Zugabe, als er die Melodie des Computerspiels Assassin's Creed zum Besten gab, die 2007 komponiert wurde, wobei der Spielehersteller den Komponisten nicht preisgibt.

So hofften die Zuhörer auf ein nächstes Konzert, für das aber noch kein Termin feststeht. Nicht wenige hatten schon den Auftakt des diesjährigen Kulturprogramms miterlebt. Im Januar hatte Geschichtenerzähler und Barde Günter Gall einen Erich-Kästner-Abend in der Kapelle gestaltet.

(got)
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