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Rheinberg
Ein Markt für Sammler und Entdecker

Rheinberg: Ein Markt für Sammler und Entdecker
Antik- und Trödelmarkt in der Messe Niederrhein: Wer genau hinschaut, kann auch das eine oder andere Schnäppchen machen. FOTO: Fischer Armin
Rheinberg. In den Hallen der Messe Niederrhein in Rheinberg findet regelmäßig der Antik- und Trödelmarkt statt. Diesmal waren mehr als 200 Anbieter da und präsentierten teils skurrile Waren. Wichtig zu wissen: Feilschen ausdrücklich erwünscht. Von Erwin Kohl

Freie Parkplätze waren rund um das Rheinberger Messegelände Mangelware. Grund dafür war der Antik- und Trödelmarkt mit über 200 Anbietern seltener und zum Teil skurriler Schätzchen. Insgesamt machte das Angebot einen hochwertigen Eindruck, fliegende Händler waren kaum vertreten. Das wirkte sich auch auf das Publikum aus. "Es kommen überwiegend Jäger und Sammler, weil sie hier noch Sachen finden, die nicht alltäglich sind. Second-Hand liegt außerdem wieder voll im Trend", erklärt Gitta Havenith.

Anfängern gibt die Projektleiterin der veranstaltenden Norbert Junge GmbH den Rat, unbedingt an den Ständen zu handeln: "Feilschen gehört dazu, das macht den Reiz eines Trödelmarktes aus." Das bestätigt auch der Castroper Trödler Manfred Grundmann: "Die Sachen einfach so zu verkaufen wie im Geschäft, das macht mir keinen Spaß. Feilschen muss einfach sein. Ich habe eine Schmerzgrenze im Kopf und wenn der Käufer die nicht erreicht hat, freue ich mich diebisch." Dafür können seine Kunden aber theoretisch mit dem erworbenen "Cystoscope" ihre eigene Blasenspiegelung machen, denn Grundmann löst seine Sammlung alter medizinscher Instrumente auf. Darunter befindet sich ein 200 Jahre alter "Schnäpper", den Ärzte damals zum Aderlass einsetzten und das nicht nur bei Menschen. "Man hat damit Blut aus dem Ohr einer Katze entnommen und auf eine Scheibe Brot tropfen lassen. Das sollte gegen Kopfschmerzen helfen", so Grundmann. Bei solchen Geschichten konnte Nachbar Werner Lüttkes neidisch werden. Der Philatelist hatte mehr die älteren Besucher im Blick: "Briefmarkensammler werden immer seltener und sie sind alle weit über 60." Eine ganz spezielle Kundschaft trifft sich auch am Stand von Holger Pastoors. Der Reeser bietet Vasen, Teller oder Zigarettenspender aus den 50er und 60er Jahren und stößt damit in eine Marktlücke. "Es gibt Leute, die haben sich zu Hause im Stil der 50er Jahre mit Nierentisch und Ohrensesseln eingerichtet und suchen jetzt nach den passenden Accessoires" erklärt Pastoors, der selber wiederum alte Tabakpfeifen sammelt. Bei Udo Knoll finden Nostalgiker die passenden Spielsachen aus dieser Zeit. Kaum ein Besucher konnte an den kleinen Plastikfernsehern aus den Sechzigern, den "Guckis", vorbeigehen, ohne sie ins Licht zu halten und durch die Bilder zu klicken. Daneben sorgten 50 Jahre alte Original-Legokästen, Blechkräne oder die berühmten Cowboy- und Indianerfiguren der Firma Hausser für so manche verklärte Blicke. "Das sind lauter kleine Schätze für Liebhaber, je weniger sie bespielt sind, umso wertvoller sind sie", erzählt Knoll. Das sieht Rolf Petzold völlig anders. Der Duisburger versieht Modellautos mit Macken, gibt ihnen ein dreckiges und ramponiertes Aussehen, um sie als "Scheunenfund" in einen Miniaturstall mit jede Menge Sägemehl und Spinnweben zu stellen. "Das sind echte Puppenstuben für Männer", lacht der Schlosser.

Quelle: RP
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