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Rheinberg
Ein Pfarrer erobert die Herzen der Narren

Rheinberg: Ein Pfarrer erobert die Herzen der Narren
Pfarrer Martin Ahls stieg als Till Eulenspiegel in die Bütt. FOTO: Fischer Armin
Rheinberg. Die erste Bütt von Pfarrer Martin Ahls wird auch noch nach der Sitzung der Rhinberkse Jonges für Gesprächsstoff sorgen. Thema war der Marktplatz. Das kam in der Stadthalle an, die mit 400 Gästen allerdings nicht ausverkauft war. Von Erwin Kohl

Ob Schwimmbäder, die mitten in der Saison geschlossen sind, zunehmender Leerstand in der Innenstadt oder der neu gestaltete Marktplatz: An Themen mangelte es den Rednern bei der ersten Büttensitzung der Rhinberkse Jonges am Samstag nicht. Höchstens am Zuspruch, denn mit rund 400 Narren war die Stadthalle zwar gut gefüllt, aber längst nicht ausverkauft. Gleich zu Beginn überraschte Prinz Markus III. "Der Startende" das Publikum, in dem er immer wieder geschickt Karnevalshits in seine Begrüßung einfließen ließ.

Wenn es darum geht, das Publikum sofort auf Betriebstemperatur zu bringen, können sich die Rhinberkse Jonges auf ihre Berka Mädels verlassen. Mit einem fulminanten Gardetanz eröffnete der Nachwuchs das Programm. Als erster Redner trat Mario Heinen ans Pult. Der ehemalige Millinger Prinz berichtete auf amüsante Weise davon, unerwartet Single geworden zu sein, nur weil er am Hochzeitstag den Kegelverein zum Fußball gucken eingeladen hatte. Seine Millinger Karnevalsfreunde bedankten sich auf ihre Weise, sie streckten nach der Rede Täfelchen mit der Traumnote Zehn in die Höhe. Die hätten sie im weiteren Verlauf getrost oben lassen können, denn schon im Anschluss folgte mit den "Wodnod's" der nächste Höhepunkt. Mit gewohnt bissiger Ironie widmeten sich die Rheinberger Urgesteine den vielen Themen der Stadt. Da durfte ein Kommentar zum geplanten Abriss des Hotels Rheintor nicht fehlen: "Was da mal hinkommt, wissen wir nicht genau. Aber ein Hotel wird es wohl nicht geben, das ist ja noch im Bau."

Auf den nächsten Programmpunkt hatten alle im Saal gewartet. "Pfarrer Martin Ahls hat uns bei seinem Amtsantritt versprochen, in die Bütt zu steigen. Heute ist es soweit", begrüßte Sitzungspräsident Lars Kisters den Geistlichen. Der legte als Till Eulenspiegel einen närrischen Parforceritt hin, der noch lange für Gesprächsstoff sorgen dürfte. Zentrales Thema war zunächst, wie sollte es anders sein, der Marktplatz. Dieser wird laut Ahls künftig über Wasserstraßen eine direkte Anbindung an Rhein und Fossa erhalten. "Kreuzfahrtschiffe werden Rheinbergs neue Mitte besuchen und auf dem Canale Grande rund um St. Peter gleiten schwarze Gondeln", so Ahls, dessen Visionen vom Stadtumbau auch vor einer Überdachung der Gelderstraße nicht Halt machen: "Davor steht dann ein 30 Meter hoher Triumphbogen. Und oben drauf, ihr ahnt es schon, sitzt Tatzel auf dem Marmorthron." Von andauernden Lachsalven kaum erholt, erhob sich das Publikum am Ende und bedankte sich mit frenetischem Applaus bei ihrem Pfarrer. Darauf Ahls: "Hier zu stehen ist anstrengender als zehn Predigten in der Kirche." Genuss für Augen und Ohren boten danach die "Filutschi's". In herrlich farbenprächtigen Strauß-Kostümen zauberten die Dauergäste der Rheinberger Büttensitzungen einen erstklassigen Tanz aufs Parkett.

Die "Filutschi's" zauberten in herrlich farbenprächtigen Strauß-Kostümen einen erstklassigen Tanz aufs Parkett. FOTO: Armin Fischer

Zum festen Inventar Rheinberger Büttensitzungen zählt längst auch Georg Welp in seiner Rolle als Kiepenkerl. Der Pastoralreferent widmete sich der Tradition folgend zunächst den geliebten Nachbarn. Ein Bestatter habe ihm von dem außergewöhnlichen Wunsch Angehöriger unterrichtet, den Verstorbenen auf dem Mond zu beerdigen. "Bestatte ihn doch in Orsoy. Das ist viel billiger und da ist er schon hinter dem Mond", riet Welp, der auch an die guten alten Zeiten in Berka erinnerte: "Damals mussten Tiere noch nicht in den Gottesdienst, Hunde nicht ins Schwimmbad und Orsoy war noch richtig weit weg." Nach der Pause lag es an den "Papillionis", die Stimmung im Saal mit ihrem Schmetterlings-Showtanz wieder anzuheizen. Zu der Titelmelodie des aktuellen Sportstudios betrat danach Peter Houcken als Bundestrainer die Bühne. "Auf dem Markt wollte einer ein Autogramm von mir und bedankte sich mit einem Schmatzel. Ich sagte bitteschön, Herr Tatzel", erzählte Houcken im typischen Dialekt von Jogi Löw. Zu den weiteren Höhepunkten einer gelungenen Büttensitzung zählten unter anderem der Gardetanz der "Lilòki`s", ein Aerobic-Kurs der besonderen Art von "Die Ollen Dollen" sowie der Auftritt der "Berkas".

Quelle: RP
 
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