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Alpen
Ein schwarzer Hund mit sanfter Strategie

Alpen. Sieger im Architektenwettstreit für den Stadtumbau in Alpen ist das Büro Felixx/De Zwarte Hond aus Rotterdam. Der behutsame Planungsansatz, der den Bestand "ernst nimmt", überzeugte die Jury. Das Votum fiel einstimmig aus. Von Bernfried Paus

Der Sieger im Wettlauf der Ideen für einen zukunftsfesten Ort Alpen kommt aus den Niederlanden: Das Büro Felixx/De Zwarte Hond Rotterdam/Köln hat mit seinem Entwurf die Jury unter dem Vorsitz von Prof. Thomas Fenner überzeugt. Die ist in ihrer Nachtsitzung nach der Schlusspräsentation der sechs Wettbewerbsbeiträge im Pädagogischen Zentrum zu einem einstimmigen Urteil gekommen. "Wir hätten mit allen Entwürfen weiterarbeiten können", sagte am Morgen danach Bürgermeister Thomas Ahls: "Aber der Gewinner ist unseren Vorstellungen und Möglichkeiten am nächsten gekommen", so der Bürgermeister wenige Minuten, nachdem er dem Sieger telefonisch gratuliert hatte.

Nach dem Schaulaufen vor rund 180 Interessierten aus dem Ort war ein eindeutiger Favorit nicht unbedingt auszumachen. Alle Teams bewegten sich für Laien in der Landschaftsplanung auf Augenhöhe und sorgten durchweg für beachtliches Niveau. Jeder Entwurf hatte für sich einen besonderen Charme, setzte reizvolle Akzente. So war das dreistündige Finale zwar anstrengend, aber jederzeit spannend.

"Es ist klar, dass kein Entwurf alle Erwartungen zu 100 Prozent erfüllen konnte", hatte Thomas Ahls den vielen interessierten Bürger mit auf den Weg in die Nacht gegeben. Die Jury ist dennoch beim Sieger-Entwurf, für den ein Preisgeld von 14.000 Euro ausgesetzt war, zu einem eindeutigen Votum gekommen. Bei der Rangfolge gab's offenbar größere Diskussionen. Die Platzierungen sollen Mitte nächster Woche bekannt gemacht werden. Dann wird im Rathaus auch der siegreiche Entwurf der Presse im Detail vorgestellt und erläutert, warum das Doppel Felixx/De Zwarte Hond den Zuschlag erhält. Transparenz der Entscheidung hatte man sich im Rathaus beim Wettbewerb von Anfang an auf die Fahnen geschrieben. Dabei soll's bleiben.

Felixx/De Zwarte Hond hatten bei den ersten beiden Präsenationsrunden als Erste stets den Eisbrecher geben müssen. Ein Nachteil. Vor dem Schlussabend wurde daher gelost. Die Niederländer rutschten nach hinten und waren als Vorletzte an der Reihe - vor dem "Schlusslicht" Büro Karres on Brands, das aus Hilversum ebenfalls von jenseits der Landesgrenze an den Niederrhein gekommen war.

Karres on Brands hatten im Vorfeld durch höchst unterhaltsame, pointierte Präsentationen viele Sympathiepunke gesammelt. Doch beim Finale verschreckte das renommierte Büro viele mit dem Vorschlag, auf der Burgstraße Autos nur noch in eine Richtung fahrenzulassen. Das ging einigen dann doch deutlich zu weit.

Felixx/De Zwarte Hond wählten einen weniger einschneidenden Ansatz, betonte, dass man das, was da ist, "ernst nehmen und mit wenigen Maßnahmen" aufwerten wolle. Der Vertreter brachte die Strategie auf die grundsätzliche Formel: "Wir nehmen die vorhandenen Sterne, fügen neue hinzu und verknüpfen alle so, dass Alpen ein lebendiger Ort bleibt." Das Büro riet dazu, "wie am Roulettetisch nicht alles auf eine Farbe zu setzen, sondern an vielen Stellen zu investieren". Eine gute Taktik. Der Plan ging auf. Auf den Plänen an der Wand machten Preisschildchen deutlich, was die Umsetzung der einzelnen behutsamen Ideen, die Ökonomie, Ökologie und soziales Miteinander "in optimale Balance" bringen sollen, wert sind.

Die "Dorfstraße" sei im Grunde ganz okay. Der Asphalt müsse raus, das alte Pflaster könne man weitgehend wieder verwenden. Kopfsteinpflaster bremse die Autos, gerade auch in der "neuen Mitte", die das Büro - wie alle anderen auch - da sehen, wo heute der Brückenschlag für die Alpsche Ley erfolgt. Befürchtungen, dass die Fahrbahnsteine in kurzer Zeit zu wackeln beginnen, zerstreuten die Planer mit dem Hinweis, dass derartige Probleme mit niederländischen Fliesenleger-Know-how zu meistern seien.

Mit zum Plan zählt ein Campus mit Magnolien-Bäumen um die Kirche St. Ulrich und ein "zugänglicher Garten" um die Ev. Kirche. Die Motte soll als "Naturzone" erschlossen werden und die vielen Parkplätze mit "deutlich mehr Bäumen und Sitzinseln" an Aufenthaltsqualität gewinnen. Behutsames Entwickeln des Bestehenden - diese Vision thront oben auf dem Treppchen.

Quelle: RP
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