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Alpen
Ein Ständchen für den alten Spielmann

Alpen. Der Spielmannszug Menzelenerheide hat sein Ehrenmitglied Karl-Heinz Wüppermann im Haus für Betreutes Wohnen besucht. Der 95-jährige Vollblutmusiker schlug begeistert die Becken. Von Erwin Kohl

"Als meine Enkeltochter mir vor einer Stunde sagte: Du wirst dich gleich wundern, habe ich mir noch nichts dabei gedacht. Aber als dann der Spielmannszug hier einmarschierte, war ich völlig überrascht", gesteht Karl-Heinz Wüppermann. Der 95-jährige schlägt seit 43 Jahren für den Spielmannszug Menzelenerheide das Becken, lebt mittlerweile im "Atrium", einem Haus für Betreutes Wohnen an der Wallstraße in Alpen.

Dort kennt man die Vorliebe des gebürtigen Bremers nur zu gut. "Jeden Morgen beim Frühstück erzählt mir Herr Wüppermann vom Spielmannszug und oft schwärmt er noch bis in den Abend. Da hab' ich mir gedacht, da muss man doch was machen", sagt Betreuerin Christa Aldenhoff. Sie hat Kontakt zu den Heidemusikern aufgenommen.

Dort stieß sie auf offene Ohren. Kurzerhand hat man die turnusmäßige Probe im DRK-Heim ausfallen lassen und sich "mit alle Mann" auf den Weg nach Alpen gemacht. "Heinz ist unser Ehrenmitglied. Er war immer da, wenn wir ihn brauchten. Das machen wir sehr gerne", erklärt Karl-Heinz Bettray.

Und so wurde der kleine Innenhof zum Rundwanderweg für den Spielmannszug, sehr zur Freude der Bewohner, die sich am Rand versammelten. Mittendrin beobachtete der sichtlich gerührte Senior das Geschehen. "Der Spielmannszug ist mein Ein und Alles. Mit den Jungs habe ich schon allerhand mitgemacht. Wenn es irgendwie geht, bin ich auch heute noch dabei. Nur mitlaufen kann ich nicht mehr", so Wüppermann, den es sichtlich in den Fingern juckte.

Thomas Kiwitt, musikalischer Leiter des Spielmannszuges Menzelenerheide, bedankte sich für die lange Treue und stellte fest: "Die Becken lässt Du wohl nie mehr aus dem Auge." Natürlich hatten die Musiker ein Paar klingende Schalen mitgebracht. Sofort war Karl-Heinz Wüppermann in seinem Element. "Noten habe ich noch nie gebraucht, ich habe den Takt im Blut", freute sich der Vollblutmusiker.

Am Spielmannszug hat ihm vor allem die Kameradschaft gefallen: "Streit hat es in all den Jahren nie gegeben. Jeder war für den anderen da. Alles wurde sachlich und ruhig besprochen." Natürlich wurden am Rande auch so einige Anekdoten aus den letzten Jahrzehnten erzählt.

Leo Raskopp erinnerte an das aus dem Karneval bekannte "Heide-Quartett" von und mit Karl-Heinz Wüppermann: "Die Probenabende in seiner Rumvernichtungshütte waren legendär. Aber fahren brauchte hinterher niemand mehr. Heinz hat die Sänger abgeholt und nach der Probe wieder zu Hause abgeliefert."

Nach gut einer Stunde verabschiedete sich der Spielmannszug von seinem Ehrenmitglied. Der hat es sich nicht nehmen lassen, seine Kameraden beim Schützenfest wieder mal zu besuchen.

Quelle: RP
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