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Rheinberg
Ein Tag in der ambulanten Pflege statt im Büro

Rheinberg. Es sei nie verkehrt, über den Tellerrand zu schauen, findet auch Rosemarie Kaltenbach. Die Rheinberger Beigeordnete war deswegen schnell bereit, ein Tagespraktikum in der ambulanten Pflege beim Caritasverband Moers-Xanten zu absolvieren, als die Verantwortlichen bei ihr anfragten. "Die Absicht des Verbandes, Entscheidungsträgern in Verwaltung und Politik einen Einblick in ihre Arbeit mit den Menschen hier vor Ort zu vermitteln, hat mich überzeugt", so Rosemarie Kaltenbach. Obwohl ihr der Gedanke, in die Privatsphäre von Patienten einzudringen, im Vorfeld schon etwas Bauchschmerzen bereitet habe. Aber dann habe sie sich gesagt, dass die Caritas wisse, was sie tue, und sich auf diesen Tag gefreut.

Die neun Patienten in Rheinberg, die die Beigeordnete und SPD-Bürgermeisterkandidatin während ihres Praktikums besucht hat, hatten nichts dagegen, dass sie mit in die Wohnung kam. Ganz im Gegenteil, für manchen sei es eine nette Abwechslung gewesen. Und diejenigen, die Rosemarie Kaltenbach aus der Zeitung kannten, hatten gleich eine Menge Fragen auf Lager. Was die Schwester des Caritasverbandes manchmal ins Schwitzen brachte. "Denn der Zeitplan ist schon sehr straff."

Alle notwendigen Daten, hat Rosemarie Kaltenbach gelernt, stehen im Smartphone der Schwester. Die für den Patienten notwendigen Pflegeleistungen und die dafür vorgesehene Zeit. Grundpflege mit Duschen oder Waschen, Zähne putzen, Windeln wechseln, Ankleiden, Medikamente bereitstellen, aber auch Verbandwechsel und kleinere Hilfestellungen, dann alles noch erfassen und schriftlich dokumentieren - die Praktikantin bekam an diesem Morgen einen guten Einblick in die Pflege. Vieles war ihr vertraut, 14 Jahre hat sie ihren schwerst-mehrfachbehinderten Sohn zu Hause gepflegt. "Aber da stand natürlich niemand mit der Uhr daneben." Trotz des Termindrucks aber habe sie das Gefühl gehabt, dass die Patienten sich von ihrer Pflegeschwester gut und persönlich behandelt fühlten. Und immer sei auch Zeit für die individuelle Ansprache gewesen.

Vier Stunden dauerte das Kurzpraktikum von Rosemarie Kaltenbach. Ihr Fazit: "Die Arbeit in der ambulanten Pflege ist eine anspruchsvolle, vielseitige aber gesellschaftlich unterschätzte Tätigkeit, die den Pflegekräften sowohl körperlich als auch mental viel abverlangt." Diese Arbeit müsse deutlich mehr Wertschätzung erfahren, auch die Rahmenbedingungen müssten verbessert werden. "Gerade auch vor dem Hintergrund, dass wir alle immer älter werden." Ambulant vor stationär sei heute das Ziel, sprich, die Menschen sollten so lange wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung bleiben dürfen - was ihr die Patienten in den Gesprächen immer wieder bestätigt hätten. Einer von ihnen lebt sogar seit 65 Jahren im gleichen Haus und ist froh, in seinen eigenen vier Wänden versorgt werden zu können.

Quelle: RP
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