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Rheinberg
Eine Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge

Rheinberg: Eine Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge
Wie hieß das Ding doch gleich, auf das man sich setzt? Karl-Heinz Lochen gibt in der neuen Fahrradwerkstatt auch gleich Deutschunterricht. FOTO: Armin Fischer
Rheinberg. Karl-Heinz Lochen aus Orsoy gibt Asylbewerbern bereits Deutschkurse und begleitet sie bei Behördengängen. Jetzt hat ein neues Angebot in der Einrichtung am Melkweg aufgebaut: Die Reparaturwerkstatt ist seit gestern geöffnet. Von Sassan Dastkutah

Karl-Heinz und Monika Lochen sind viel unterwegs, wenn es um ehrenamtliche Arbeit geht, die Flüchtlingen hilft. Sie geben in der Einrichtung am Melkweg Deutschkurse, sind Tröster, begleiten die Menschen bei Behördengängen und erklären den Frauen und Männern aus mehr als 30 Nationen, wie das tägliche Leben in Deutschland funktioniert. Seit gestern läuft ihr neues Projekt: Sie haben eine Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge eröffnet. "Wir haben Spenden von der katholischen und evangelischen Kirchengemeinden bekommen. Damit haben wir Fahrradwerkzeug und viele Ersatzteile gekauft", sagt Karl-Heinz Lochen.

Denn wenn die Flüchtlinge mit dem Fahrrad unterwegs und dabei nicht versichert sind, will der Orsoyer sicher sein, dass die Radler sicher auf Tour sind - nicht zuletzt, weil sie Flüchtlinge meist keine Haftpflichtversicherung haben.

In seinen Kursen vermittelt Lochen erst einmal eine kleine Fahrradkunde. Er erklärt alles rund um die Drahtesel, verknüpft die Ausführungen mit dem Deutschunterricht. In Form eines Ratespiels versammelten sich gestern 13 Interessierte um ein Fahrrad. Lochen zeigte auf Sattel, Licht und Fahrradkette, fragte, wie die Teile heißen. Viele Flüchtlinge konnten die Teile in deutscher Sprache benennen. Auch Verkehrsregeln will Lochen seinen Schützlingen beibringen.

Die knapp 70 Räder sind dank Karl-Heinz Lochen nun verkehrssicher. "Viele Räder werden von Bürgern gespendet, da muss allerdings noch das ein oder andere Ersatzteil angebracht werden" - so zum Beispiel Klingeln, Licht und Reflektoren. Bisher hatte der pensionierte Lehrer die Fahrräder privat repariert. Weil nun die Ausstattung da ist, wünscht sich der engagierte Rheinberger, dass er einen Nachfolger findet. "Ich habe schon mehrre Tage mit den Kursen und anderen Aufgaben zu tun. Es wäre toll, wenn jemand freiwillig die Fahrradwerkstatt übernehmen könnte", sagt er. Vielleicht ein Praktikant, der alle 14 Tage die Werkstatt leite. Die Menschen, die am Melkweg leben, sind von Lochen begeistert. "Toll, dass er uns hilft", sagen sie.

"Über Fahrräder und Verkehrsregeln habe ich schon viel gelernt", bestätigt Roni (19) aus Syrien. Auch der Iraker Haji (30) nahm an dem Fahrradquiz teil und hat dabei viel gelernt, wie er erzählte.

Die Koordinatorin für Ehrenamtliche des Caritasverbands Moers-Xanten, Anke Kretz, lobte das Engagement der Familie Lochen. "Nur mit Ehrenamtlichen funktioniert das. Ohne sie wäre viel nicht möglich", unterstrich sie. "Wir haben zurzeit ein Netzwerk von 120 Helfern."

In Rheinberg leben rund 400 Flüchtlinge, dazu kommen die Menschen in der Zentralen Unterbringungseinrichtung in Orsoy.

Quelle: RP
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