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Rheinberg
Einkaufen von Mensch zu Mensch

Rheinberg: Einkaufen von Mensch zu Mensch
Ulrike Brechwald (re.) leitete die Kinder der Klasse Klasse 4b beim Malen an. Mit dabei Bärbel Kathagen und Edeltraud Hackstein vom Stadtmarketing sowie Kundin Ute Keisers (v. l.) FOTO: A. Fischer
Rheinberg. Unterschiedlich beteiligten sich die Händler der Region an der Aktion "Heimatshoppen". In Rheinberg gab es beim Markt Aktionen, Alpen setzte auf Rabatte und Blümchen. Zurückhaltend ist die Beteiligung in Xanten und Sonsbeck. Von Uwe Plien, Dirk Möwius und Heinz Kühnen

"Heimatshoppen" als Kontrapunkt zum wachsenden Online-Handel: Ute Keisers aus Alpsray findet diese Aktion gut. "Ich gehe aus Überzeugung in Rheinberg einkaufen", sagte sie gestern auf dem Wochenmarkt. "Denn Rheinberg hat viel zu bieten. Vor allem geht es mir um die Begegnung: Menschen treffen, ein bisschen quatschen. Auf dem Markt trifft man immer jemanden. Gerade für ältere Menschen ist das wichtig, damit sie nicht vereinsamen." Im Internet bestelle sie grundsätzlich nichts.

Das Echo im Einzelhandel war gestern unterschiedlich. Der Initiativkreis "Wir für Rheinberg" - Werbegemeinschaft, Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung - griff das von der Industrie- und Handelskammer angestoßene "Heimatshoppen" zum zweiten Mal werbewirksam auf. Es wurden frische Äpfel und Blümchen verteilt, zudem die Heimatshoppen-Papiertaschen sowie grüne Stoffbeutel mit der Aufschrift "Einkaufen von Mensch zu Mensch - Unser Wochenmarkt Rheinberg".

Ulrike Brechwald vom Bastelbedarf Klex hatte Papiertüten mit Motiven von historischen Rheinberger Gebäuden vorbereitet. Die Klasse 4b der St.-Peter-Grundschule bemalte diese Tüten gestern an Ort und Stelle. Die 21 Kinder kamen gestern mit ihrer Lehrerin Jana Auer zum Markt. "Für den Einsatz bekommen die Kinder nachher alle ein Eis", sagt Edeltraud Hackstein vom Stadtmarketing." In Alpen, besonders aber in Sonsbeck und Xanten, musste man schon sehr aufmerksam sein, um die Plakate oder Tüten in den Schaufenstern zu entdecken.

Dass man den Online-Handel mit einer solchen Aktion nicht aufhalten kann, ist Ulrike Brechwald völlig klar. "Es geht uns darum zu zeigen, dass das Einkaufen im Rheinberger Einzelhandel etwas Besonderes ist, dass es eine schöne Atmosphäre und gute Beratung gibt", so die 1. Vorsitzende der Rheinberger Werbegemeinschaft. Das Mal-Material hat sie gerne gespendet: "Die Kinder sind schließlich die Kunden von morgen."

Ohne einen Online-Shop könne man heute als Einzelhändler kaum überleben, glaubt Ulrike Brechwald. Auch einige der 60 Mitglieder der Werbegemeinschaft flankierten inzwischen ihr Kerngeschäft mit einem solchen Internet-Geschäft. Auch Iris und Peter Metzner von Kaminbau Metzner in Eversael unterstützten die gestrige Aktion mit einem Stand. Fünf bis zehn Prozent des Umsatzes wickele man über einen Online-Shop ab, sagt Iris Metzner. "Aber natürlich steht bei uns die Beratung im Vordergrund. Das ist ja Handwerk. Deshalb unterstützen wir die Aktion Heimatshoppen in Rheinberg gerne."

Auch der Werbering Alpen beteiligt sich heute und morgen an der Aktion. "Ungefähr 30 unserer 108 Mitgliedsbetriebe machen mit", sagt Werner Paduch, Vorsitzender des Werberings. "Dabei muss man berücksichtigen, dass viele unserer Mitglieder Gewerbebetriebe sind." Papiertüten und Flyer werden verteilt, einige Geschäften geben Rabatte, es werden Blümchen verteilt. Auch in Alpen weiß man: Die Entwicklung kann man nicht aufhalten. "Aber", so Paduch, "man muss heute als Einzelhändler alles versuchen."

Besondere Aktionen gab es gestern in Xanten nicht, immerhin hatten einige Händler das "Heimatshoppen"-Plakat ins Fenster gehängt oder nutzten die auffälligen Papiertüten. Für Ludger Lemken zuwenig. Der IGX-Vorsitzende, der gestern noch Werbematerial für die Aktion verteilte, hätte sich mehr Beteiligung gewünscht. "An sich ist das doch eine tolle Sache. Aufwand und Kosten sind gering, wir können aber deutlich Flagge zeigen."

Der Sonsbecker Einzelhandel beteiligte sich überhaupt nicht an der Aktion. In den zwei vergangenen Jahren haben wir Zeit und Geld investiert und eigentlich überhaupt keinen Rücklauf gehabt", sagt Christel Gembries. Selbst für die Papiertüten hätten sich die Kunden nicht wirklich interessiert. "Da verlagern wir unsere Aktivitäten besser auf Aktionen wie den verkaufsoffenen Sonntag am 25. September." Das sei eine gute Gelegenheit für die Belange der 67 Werbegemeinschafts-Mitglieder intensiv zu werben.

Vor dem zunehmenden Internet-Shopping hat Christel Gembries ohnehin keine Angst. "Das ist nun mal da." Die beste Werbung sei, mit guter Beratung und Fachwissen dagegenzuhalten, mit Sponsoring und immer wieder mit Gesprächen. "Wer den Einzelhandel am Ort erhalten will, der muss auch am Ort einkaufen - und nicht nur am Homeshopping-Tag."

Quelle: RP
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