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Rheinberg
Einmal Europa und zurück - alles zu Fuß

Rheinberg. Aufbruch: Fabian Kempken aus Orsoy geht Anfang Mai auf eine lange vorbereitete Wandertour. Bis zu drei Jahre will der 26-Jährige unterwegs sein. Er erfüllt sich damit seinen Traum, einmal vollkommen zeitlos leben zu können. Von Uwe Plien

Was Fabian Kempken antreibt, ist der Wunsch nach Freiheit. Der Wunsch, ohne Druck und Verpflichtungen sein zu können, "mal vollkommen zeitlos zu leben, davon habe ich immer geträumt", wie er sagt. Klingt sehr pathetisch, ist es aber nicht. Denn der 26-Jährige macht einen sehr bodenständigen Eindruck und hat sich alles sehr gut überlegt. Anfang Mai bricht Fabian Kempken zu einer Wanderung auf. Keine Wanderung im herkömmlichen Sinne. Eher schon eine kleine Weltreise.

Über Holland und Frankreich will er nach Spanien, später weiter nach Sizilien, aufs italiensche Festland, dann über die Alpen zurück gen Heimat. Mindestens ein halbes Jahr, voraussichtlich aber zwei, vielleicht sogar drei Jahre will er zu Fuß durch Europa ziehen. Nur mit Rucksack, Zelt, Isomatte und den wichtigsten Dingen ausgestattet. Ein mutiger Aufbruch in eine neue Erfahrungswelt.

Der Mann freut sich auf ein großes Abenteuer. FOTO: Armin Fischer

"Mich hat es schon immer nach draußen gezogen", erzählt der Weltenbummler. "Ich bin leidenschaftlicher Angler, bin immer mal für ein paar Tage oder eine Woche in der Natur unterwegs. Am liebsten am Wasser", erzählt er. Als ein Bekannter durch Europa wanderte, habe es auch bei ihm "klick" gemacht. "Ich habe damals den Entschluss gefasst, diese Reise zu machen." Frust, Unzufriedenheit, Weltschmerz - das versichert der 26-Jährige - spielten dabei überhaupt keine Rolle. "Ich bin nicht unzufrieden", unterstreicht er. "Ich bin mit meinem Leben sehr zufrieden, stehe mit beiden Beinen im Leben. Ich arbeite gerne, ich habe tolle Freunde und eine super Familie, aber ich habe eben auch viele Träume. Und ich möchte nicht später zu den Menschen gehören, die sagen: Hätte ich mal ..."

Vor rund einem Jahr begannen die Vorbereitungen. Denn so eine Wanderung muss gut geplant sein. Neben seinem Beruf als Altenpfleger - er arbeitet seit zehn Jahren im Pflegezentrum am Wiesenhof - hat er noch Nebenjobs angenommen, um für die Zeit finanziell gut abgesichert zu sein. Kempken: "Jetzt ist der Job gekündigt, die Wohnung in Orsoy wird aufgelöst, Möbel, Fernseher, Auto, alles wird verkauft. Ich behalte nur einige sehr persönliche Dinge, auf die ich auf keinen Fall verzichten möchte."

Wanderschuhe & Co: Das alles kommt in den Reiserucksack. FOTO: Armin Fischer (arfi)

Am 6. Mai gibt es dann eine Abschiedsparty mit Freunden, am 7. Mai ein letztes Treffen mit der Familie, und am 8. Mai geht es los. "Morgens früh bei Sonnenaufgang", erzählt der Wanderer. "Ich habe vor, zunächst am Rhein entlang bis nach Holland zu laufen, weiter bis nach Amsterdam, wo ich meine Schwestern treffe."

Der Ebro in Spanien ist das erste große Fernziel. "Dort möchte ich länger bleiben und möglichst in einem der viele Angelcamps, die es dort gibt, ein bisschen Geld verdienen".

Ganz aus der "normalen" Welt wird sich Fabian Kempken nicht verabschieden. "Ich habe ein Handy dabei und werde mich hin und wieder melden." Auch Kamera und Notebook gehören zum kargen Reisegepäck. Tagebuch wird er führen, im Internet einen Blog schreiben und zuweilen Fotos und Videos hochladen.

Als Altenpfleger ist Kempken körperliche Arbeit gewöhnt. Dennoch trainiert er derzeit seine Muskulatur. Denn sein komplettes Hab und Gut wird er auf dem Rücken transportieren. In einem locker 15 Kilogramm schweren Rucksack. Pro Tag will er 20 bis 40 Kilometer zu Fuß zurücklegen. Das packt man nicht, wenn man nicht vorbereitet ist.

Und was nimmt er auf so eine Reise mit? "Das Wichtigste sind gute Wanderschuhe, dann natürlich Zelt, Schlafsack und Isomatte", so der Globetrotter. Hinzu kommen Gaskocher, Besteck, Teller, Tasse, Wasserfilter, ein guter Kompass. Kleidung, Mützen und ein komplettes Survival-Set mit Solarlampe, Nähzeug, Golddecke, Feuerstein, und, und, und. Platz ist sogar für eine Mini-Gitarre und eine Mundharmonika.

Auch eine aus Holz geschnitzte kleine Mutter Gottes kommt in den Rucksack. "Die ist immer dabei", versichert der Orsoyer. "Ich bin ein gläubiger Mensch." Verschiedene Bücher schließlich sollen im Extremfall helfen. Eines heißt "Pflanzliche Notnahrung". Man merkt: Der 26-Jährige hat auch schon ein Survival-Training hinter sich.

"Ich lasse die Reise auf mich zukommen und setze mich keinem Druck aus. Es kommt, wie es kommt", sinniert er. "Ich bin mir auf jeden Fall sicher, dass mich diese Tour verändern wird. Ich kann es kaum erwarten, dass es bald losgeht."

Na dann: Einen guten Weg!

Quelle: RP
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