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Rheinberg
Elf Tonnen Kastanien auf der Waage

Rheinberg. Beim Rheinberger Kastanienfest war der siebenjährige Leon Schneider aus Borth beinahe schon zum Sieger gekürt worden, da lief ihm Thomas Weber noch den Rang ab. Die Rheinberger feierten bei tollem Herbstwetter in der Stadt. Von Erwin Kohl

Ein Kilogramm süße Elstar-Äpfel für fünf Kilogramm Kastanien und obendrein noch Süßigkeiten, dieses Angebot lockte die Menschen gestern in Scharen zum 14. Rheinberger Kastanienfest. Gleich zu Beginn um 11 Uhr hatten die Jugendfeuerwehrkräfte Marcelo de Angelo, Gwen Zimmermann und Chantal Krins an der Waage sprichwörtlich alle Hände voll zu tun.

Für Ulrike Brechwald, Vorsitzende des ausrichtenden Werberings, hat das Fest zudem verbindenden Charakter: "Kinder sammeln in Parks und Wäldern gemeinsam mit ihren Eltern und Großeltern. Das Kastanienfest ist schon im Vorfeld ein Familienerlebnis." Einen besonderen Antrieb hatten die Alpener Rentner Hans-Joachim Steinhorst und Fritz Schneider: "Unsere Frauen essen jeden Tag zwei Äpfel, da mussten wir uns mächtig ins Zeug legen", erzählt Steinhorst.

Dann trat mit Leon Schneider ein "alter" Bekannter an die Waage. Der Siebenjährige hatte im vergangenen Jahr mit 80,8 Kilogramm den Vogel abgeschossen. Schon damals hat er angekündigt, dass er die Leistung in diesem Jahr toppen will. Er hat Wort gehalten: Mit sagenhaften 133 Kilogramm wurde der Borther erneut Sammelkönig. Leider nur für kurze Zeit. Denn Leons Rekord wurde um 16.15 Uhr von Thomas Weber aus Rheinberg geknackt. Er kam auf 139 Kilogramm.

Eine ungewöhnliche Transportart wählte Silas Tenbergen. Während die anderen Eimer und Tüten zur Waage schleppten, fuhr der Siebtklässler mit Traktor samt Anhänger vor. Kastanien kann man auch sammeln lassen. Claudia Webers Sohn Jan-Luca hat kurzerhand die Großmütter eingespannt haben. "Die eine Oma hat am Innenwall gesammelt und die andere in Orsoy am Deich. Das ist gesund, es ist eine Art Orsoyer Physiotherapie", erklärt die Mutter. Was die Verteilung des Erlöses angeht, herrscht Einigkeit. "Die Omas bekommen die Äpfel, um daraus Kuchen zu backen. Die Süßigkeiten möchte Jan-Luca haben."

Insgesamt wurden rund elf Tonnen Kastanien als Winterfutter für die Waldtiere gesammelt. Ein Ergebnis, dass sich durchaus sehen lassen kann. Bei schönstem Herbstwetter war zudem die Innenstadt gut gefüllt, wovon am verkaufsoffenen Sonntag vor allem die Rheinberger Geschäftsleute mit zum Teil ausgefallenen Angeboten profitierten. "Bei uns gibt es heute zur Urlaubsberatung ein Glas Sekt", berichtet Jens Kamp, Südafrika-Spezialist bei Artz-Reisen.

Die in den vergangenen Jahren immer wieder aufkommenden Klagen über das zeitgleich in Alpen stattfindende Herbstspektakel möchte Vorsitzende Ulrike Brechwald nicht bestätigen. "Im Gegenteil, ich glaube, dass beide Kommunen von den Synergieeffekten profitieren. Viele Gäste aus Alpen kommen anschließend zu uns und umgekehrt." Allein das Rahmenprogramm machte deutlich, dass Rheinberg einen Abstecher wert war. Trödelstände, Kinderkarussell und Bungeespinne sowie zahlreiche Imbissstände lockten Besucher an. Außerdem zog der aus Ossenberg stammende und seit Jahrzehnten in Osnabrück lebende Bänkelsänger Günter Gall wieder als "Jüppchen Hahnebolz" durch die Straßen und sang Lieder von "Seeräubern, Herumtreibern und anderen Halunken", während Fahrrad-Clown "Fidelidad" Kinderaugen zum Lachen brachte.

Quelle: RP
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