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Rheinberg
Erst Akademiker, dann bester Tischler

Rheinberg. Patrick Hackstein aus Rheinberg hat zunächst seinen Bachelor als Wirtschaftsingenieur gemacht, bevor er bei Kai Rubisch eine Ausbildung begann. Die Gesellenprüfung hat der 31-Jährige als Bester im Kreis Wesel geschafft. Von Nicole Maibusch

Berufswege führen nicht immer schnurstracks geradeaus, sondern überraschen bisweilen mit mancher scharfen Kurve. Wie im Fall von Patrick Hackstein. Der Rheinberger hat nun unter insgesamt 31 Auszubildenden im Tischlerhandwerk des Kreises Wesel seine Gesellenprüfung als Innungsbester mit der Note 2 abgeschlossen. So weit nicht ungewöhnlich. Allein: Der 31-Jährige startete seine zweijährige Lehrzeit mit akademischem Titel in der Tasche. Normalerweise ist es andersherum: erst Ausbildung, dann Studium.

"Ich habe einen Bachelor im Wirtschaftsingenieurwesen", berichtet Hackstein. Doch schon während des Studiums habe er bemerkt, dass er mit diesem sehr theoretischen Beruf nicht glücklich werden würde, statt dessen lieber etwas Praktisches, Handwerkliches machen wollte. "Also habe ich zunächst ein Praktikum bei meinem späteren Ausbildungsbetrieb Rubisch in Rheinberg absolviert", erzählt der frisch gebackene Tischlergeselle. Dabei wurde ihm klar: Das will ich machen. Also noch eine Ausbildung aufsatteln? "Meine Frau hat mich in diesem Vorhaben absolut bestärkt", freut sich Hackstein über den familiären Rückhalt.

Überzeugt hatte Patrick Hackstein nicht nur Ehefrau Anna, sondern auch seinen Chef Kai Rubisch, der stolz auf seinen Ex-Azubi ist. "Der Mann weiß, was er macht - das war mir schnell klar", so der Rheinberger Unternehmer. Vorbehalte, einen Akademiker einzustellen, habe er nicht gehabt. Auch von der Belegschaft sei Patrick Hackstein aufgenommen worden wie jeder andere Azubi auch, berichtet Kai Rubisch. Lediglich in der Berufsschule war die Situation schon besonders. "Immerhin war ich der älteste Schüler. Ein Familienvater mit Studienabschluss", sagt Patrick Hackstein und schmunzelt.

Jetzt arbeitet Patrick Hackstein an seiner beruflichen Zukunft. Und die fängt nach zwei Wochen Urlaub an - im ehemaligen Ausbildungsbetrieb Kai Rubisch. Erst einmal möchte er als Geselle weitere Erfahrung im Beruf sammeln, dann möchte er die Meisterprüfung absolvieren. Wie und in welcher Form es danach weitergehen könnte, lässt der junge Rheinberger auf sich zukommen. "Ich bin da für alles offen", sagt er. Sein Gesellenstück ist übrigens ein hängendes TV-Bord mit einem Korpus aus einer mitteldichten Holzfaserplatte (MDF) und Fronten aus einer Kombination von Eiche und Glas.

Quelle: RP
 
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