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Alpen
Erzählungen über den Weg zur Hoffnung

Alpen: Erzählungen über den Weg zur Hoffnung
Flüchtlinge erzählen im Ev. Gemeindehaus (v.l.) Moderator Patrick Depuhl, ein Flüchtling aus Pakistan, der mit seiner Familie in der Bönninghardt lebt und Pastor Dr. Hartmut Becks. FOTO: Olaf Ostermann
Alpen. Evangelische Frauenhilfe sorgte für eine Möglichkeit zur Begegnung. Flüchtlinge äußern ihre große Dankbarkeit. Von Sabine Hannemann

Proppenvoll war das Evangelische Gemeindehaus an der Vorburg nach dem Gottesdienst. Die Kirchengemeinde hatte zum ersten Adventssonntag besonders Flüchtlinge eingeladen, die in der Gemeinde leben. Begegnung soll das gegenseitige Kennenlernen erleichtern und die Menschen einander näher bringen. Bei Kaffee und einer heißen Suppe kamen die Menschen ins Plaudern.

Auf einer kleinen Bühne im Saal berichteten die Flüchtlinge von ihren Schicksalen, ihren Erlebnissen während der Flucht, aber auch von der Hoffnung, die sie in sich tragen. Patrick Depuhl führte gemeinsam mit Pastor Dr. Hartmut Becks durch die kleinen Talkrunden, die tiefe Einblicke gaben. "Wir erleben die aktuelle Flüchtlingssituation über die Medien und bilden uns mit den Bildern eine Meinung. Aber was die Flüchtlinge tatsächlich erlebt haben, erfahren wir erst jetzt, wenn sie uns heute ihre Geschichte erzählen", sagt Becks. Dass diese Bilder oftmals noch andere Facetten haben, die von Medien vernachlässigt werden, wurde bei den Gesprächen schnell deutlich.

Still wurde es, als ein Mann aus Afghanistan von seiner Flucht erzählte, die ihn zunächst über Griechenland führte. Er hatte sich mit seiner Familie auf Schlepper eingelassen, kam zunächst per Lkw dann mit dem Boot. Die Schlepper zerstachen das Boot, die Katastrophe war geplant. Als der junge Mann wieder zu sich kam, lag er im Krankenhaus. Vom Schicksal seiner Frau und den Kindern, die mit im Boot saßen, weiß er nichts - seit Monaten. Er berichtete über die Lebensverhältnisse in Lagern, wo es kaum bis nichts zu essen und zu trinken gab. "Deutschland ist ein gutes Land. Regeln sind sehr wichtig", sagt er in schon recht gutem Deutsch. Die Flüchtlinge bringen immer wieder ihre große Dankbarkeit zum Ausdruck. "Danke für alles. Wenn du Flüchtling bist, hast du viele Probleme. Alpen hilft dir. Alles ist hier kein Problem." Sie reden von Toleranz und Respekt, von Menschen, die sich kümmern und von Vertrauen, das sie erleben.

Auf der Bühne berichten auch die beiden Syrer Achmad (37) und Ahmed (21) über ihren Weg nach Deutschland. Beide stammen aus Aleppo-Stadt und haben sich nach der Flucht wiedergefunden, sich gegenseitig geholfen. Achmad ist Anästhesist und lernt im Moment über die Moerser Bethanien-Akademie die deutsche Sprache, um in seinem Beruf als Arzt arbeiten zu können. Seit einer Woche hat er offiziell ein Bleiberecht. Nun will er seine Frau mit den beiden kleinen Kindern nachholen. Bei ihm ist bereits Tochter Aya (10), die ihre Mutter und Geschwister sehr vermisst. "In der Schule habe ich schon viele Freunde", berichtet die Drittklässlerin im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Ungewissheit aber hat erst dann ein Ende, wenn die Familie wieder komplett ist. Aber es sieht so aus, als könne das schon bald sein.

Seit 16 Monaten lebt Ahmed in Alpen. Auch er lebt vom Prinzip Hoffnung. "Ich gehe zum Berufskolleg Technik nach Moers", erzählt er. Als er vor drei Monaten die Information erhält, dass seine Mutter Siwi und zwei seiner Brüder im nahen Geldern untergekommen sind, war die Freude groß. Marie Lövenich von der Flüchtlingshilfe ist Ahmeds Ansprechpartnerin. "Ich möchte einfach helfen und bekomme so viel zurück", sagt sie. Als die Französin wegen einer Erkrankung selber Hilfe brauchte, besuchten die beiden Syrer sie am Krankenbett. "In Syrien bringen wir dann weiße Rosen und frisches Obst mit", erzählt Ahmed.

Die Schicksale berühren am ersten Adventssonntag. Dass es noch keine Selbstverständlichkeit ist, anderen von den Erlebnissen zu erzählen, bestätigt Ahmed. "Mein Herz klopft ganz wild, weil mich so viele Leute anschauen", sagt er später. Für adventliche Stimmung sorgten Judy Bailey und Patrick Depuhl mit ihrer Musik.

Quelle: RP
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