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Alpen
"Es hätte schlimmer kommen können"

Alpen: "Es hätte schlimmer kommen können"
Das Haus an der Weseler Straße ist abgestützt. Der massiven Bauweise ist es zu verdanken, dass das Gebäude nicht komplett eingestürzt ist. FOTO: Armin Fischer
Alpen. Am 11. Februar raste ein Lkw in das Wohnhaus an der Weseler Straße in Alpen. Der Eigentümer muss sich jetzt mit Versicherungen, Gutachtern und Behörden auseinandersetzen. Von Erwin Kohl

Den 11. Februar dieses Jahres werden die Beckmanns aus Alpen so schnell nicht vergessen. An diesem Tag raste ein niederländischer Lkw-Fahrer mit seinem Sattelzug ungebremst in das Haus an der Weseler Straße nahe der Grünthal-Kreuzung und kam dabei ums Leben.

Der Hintergrund der Katastrophe konnte bis heute nicht geklärt werden. Fest steht nur: So furchtbar das alles ist, es hätte noch viel schlimmer kommen können. "Zehn Minuten später läuft hier immer ein Pulk Schulkinder vorbei ...", erklärt Hausbesitzer Ludger Beckmann nachdenklich. Sein Bruder Michael wohnte im Vorderhaus, hat wenige Minuten vor dem Unfall die Wohnküche verlassen. "Zum Glück. Wir haben insgesamt 6,5 Tonnen Schutt aus diesem Zimmer räumen müssen. Tisch und Stühle waren platt gedrückt", so Ludger Beckmann.

Dass das Gebäude überhaupt noch steht, liegt an der massiven Bauweise. 36 Zentimeter dicke Außenwände und Holzbalken, die im Gegensatz zu Betondecken nicht einbrechen, haben Schlimmeres verhindert. "Gutachter haben gesagt, ein Einfamilienhaus heutiger Bauart hätte das nicht überlebt", erzählt Beckmann.

Das alles ist rund neun Wochen her. Sseitdem kümmert sich der Postbank-Mitarbeiter um die Schadensregulierung, während sein Bruder abwechselnd bei ihm oder einer Freundin lebt: "Er ist der Dumme, darf seine Wohnung nicht einmal ohne behördliche Genehmigung betreten. Bis er wieder einziehen kann, das kann dauern." Denn nicht nur die Wand, in die der Brummi ungebremst mit 70 km/h gekracht ist, muss erneuert werden, sondern auch die gesamte Frontseite. Dafür ist eine Baugenehmigung erforderlich, die längst beantragt, aber noch nicht erteilt worden ist. "Man möchte die Bauunterlagen haben mit den statischen Berechnungen, aber das Haus ist von 1911, hat zwei Kriege hinter sich", berichtet Ludger Beckmann. Im Alpener Rathaus konnte man Beckmann zumindest noch Unterlagen aus dem Jahre 1928 aushändigen. Jetzt hofft der Hausbesitzer, dass die ausreichen. Darüber hinaus ist nach wie vor die Schadensregulierung offen. Der niederländische Versicherer des Lkw überlässt diese einer Gesellschaft aus Deutschland, die bereits einen Gutachter geschickt hat. Es war der dritte Experte, der den Schaden in Augenschein genommen hat.

Einigkeit herrscht darüber, dass die Reparaturkosten von über 100 000 Euro den Wert des Hauses nicht übersteigen, es sich also nicht um einen wirtschaftlichen Totalschaden handelt. Völlig offen hingegen ist, inwiefern der Schaden im Haus reguliert wird. "Mein Bruder hat das Haus vor wenigen Jahren sehr aufwendig saniert. Fenster, Türen, Heizung und Fußböden sind erneuert worden", sagt Ludger Beckmann. Das Problem: Die Versicherung spricht vom Zeitwert, möchte die Schadenssumme auf diese Weise mindern. Dass die Beckmanns einen Teil des Schadens selber übernehmen sollen, sieht der Hausbesitzer nicht ein: "Das war ein völlig intaktes Haus. Wir warten das Angebot der Versicherung ab, haben aber vorsorglich einen Rechtsanwalt mit der Wahrung unserer Interessen beauftragt."

Quelle: RP
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