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Rheinberg
Familie - "Das war nie immer nur eine heile Welt"

Rheinberg. Beim Anna-Fest hat sich Pastor Wolfgang Schmitz gestern mit dem katholischen Familienbild auseinandergesetzt. Von Peter Gottschlich

Beim Anna-Fest hat sich Pfarrer Wolfgang Schmitz kritisch mit dem Familienbild der katholischen Kirche auseinandergesetzt. Die heilige Anna habe noch zweimal geheiratet, nachdem ihr erster Mann gestorben sei. "Es entstand eine Patchwork-Familie", sagte er gestern in der Festmesse in der Anna-Kirche. "Im Mittelalter haben Künstler die Familie auch so gezeigt. Das war keine heile Welt."

Früher seien Patchwork-Familien die Regel gewesen. Viele Männer seien früh verstorben, auch viele Frauen - zum Beispiel im Wochenbett. In der Folge seien neue Familienverbände entstanden. Auch in der Nachkriegszeit habe es nicht immer die "heile Familie" gegeben. Frauen hätten ein zweites Mal geheiratet, wenn sie jahrelang auf ihren Mann gewartet hätten, von dem sie nicht wussten, ob er noch lebe oder in Gefangenschaft sei. Männer hätten im Krieg Frauen gehabt, die sie bei der Rückkehr nach Deutschland zurückgelassen hätten. "Patchwork-Familien waren gang und gäbe", so Wolfgang Schmitz.

Die katholische Kirche arbeite sich langsam an das Thema heran, zum Beispiel mit der Familiensynode im September. "Wir haben uns zu öffnen für andere Formen des Zusammenlebens", sagte der Pfarrer. Gleichzeitig dürfe der Wert der klassischen Familie nicht geschmälert werden. Das Anna-Fest, das immer am Patronatstag, 26. Juli, gefeiert wird, hatte mit einem Morgengebet in der Anna-Kapelle auf dem Friedhof begonnen, das vor allem von Mitgliedern der St.-Anna-Schützenbruderschaft besucht wurde.

Der Festmesse in der Kirche schloss sich eine Prozession zur Kapelle an. Am späten Nachmittag wurde eine Vesper gefeiert. Es folgte eine Kerzenprozession. Das Fest klang mit dem Abend der Begegnung aus.

Quelle: RP
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