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Alpen
Filmreife Festnahme führt vors Gericht

Alpen: Filmreife Festnahme führt vors Gericht
So ging der Dieb im weißen Fluchtauto in die Falle: Jürgen Thöne (links) stellte seinen Kombi quer über den Heideweg, André Koppers machte mit dem Sprinter von hinten den Fluchtweg dicht. FOTO: Armin Fischer
Alpen. Im Sommer überwältigten Bürger in der Bönninghardt einen dreisten Dieb. Der muss sich heute vor der auswärtigen Kammer des Landgerichts Kleve in Moers verantworten. Die Bürger wurden für den Preis für Zivilcourage nominiert. Von Bernfried Paus

Es war wie im Film. In einer spektakulären Aktion ist es den Nachbarn am Heideweg auf der Bönninghardt gelungen, einen dreisten Dieb zu überwältigen, der im Wohnhaus der Friedhofsgärtnerei Koppers auf frischer Tat ertappt worden war und fliehen wollte. Zur Tatzeit sollte der Eindringling eigentlich auf der Anklagebank im Amtsgericht in Rheinberg sitzen. Das ist vier Monate her.

Nun steht er heute vor der auswärtigen Kammer des Landgerichts Kleve in Moers und muss sich gleich wegen einer ganzen Reihe von Einbruchsdelikten am Niederrhein verantworten. Die krimitaugliche Nachbarschaftsaktion "Haltet den Dieb" hat bundesweite Aufmerksamkeit erzielt. Das ZDF, so berichtet André Koppers, der eine Hauptrolle bei den dramatischen Ereignissen gespielt hat, habe die Männer vom Heideweg für den Preis für Zivilcourage nominiert.

Zur Erinnerung: 7. Juli - Thea Koppers (74) hat die Tür des Wohnhauses der Gärtnerei weit geöffnet. Frische hat die Hitze der vergangenen Tage abgelöst. Sie möchte ordentlich durchlüften. Die Witwe, ihr Mann ist wenige Wochen zuvor verstorben, schält Kartoffeln fürs Mittagessen. Plötzlich hört sie, wie jemand die Treppe hochschleicht. Sie schöpft Verdacht, lauscht und bekommt mit, dass jemand in ihrem Schlafzimmer - absolute Tabuzone für alle - an Schubladen fingert. Ein klarer Verstoß gegen eine ungeschriebene Regel im Haus: "Keiner geht an Opas Portemonnaie!" Der ertappte Fremde will weg, rempelt die alte Frau an, schubst sie beinahe die Treppe runter. Ein Schreck, ein paar blaue Flecken und eine geschwollene Hand bleiben zurück.

Der Dieb hat seinen Wagen fluchtbereit im Kiesbett am Wegesrand geparkt und braust mit durchdrehenden Reifen davon. Aber er kommt nicht weit. André Koppers kommt ihm just zu dem Zeitpunkt mit seinem Mercedes-Sprinter entgegen. Der schmale Fluchtweg ist dicht. Der Friedhofsgärtner sieht seine Mutter, seine Schwester und die Nachbarin mit den Armen fuchteln. Hier stimmt was nicht, schießt es ihm durch den Kopf.

Der Dieb dreht, rast in Gegenrichtung davon. André Koppers weiß, dass der Mann in der Falle sitzt. Einbahnstraße. Nach 200 Metern versperren Poller den Weg. Der Dieb muss erneut wenden. Inzwischen hat Nachbar Jürgen Thöne seinen schwarzen Kombi quer über den Heideweg gestellt. Er saß auf der Terrasse beim Frühstück und hatte zunächst angenommen, dass die aufgeregten Rufe seinem Schäferhund-Mix Balu gelten würden, der wieder mal ausgebüxt sei.

Nachdem eine 78-jährige Nachbarin sich nur mit einem beherzten Sprung ins Maisfeld retten kann, schnappt die Falle zu. Drei polnische Bauerarbeiter, Männer wie Kleiderschränke, die sonst Abbruchhäuser entkernen, ziehen den Dieb wenig zimperlich hinterm Lenkrad hervor, legen ihn bäuchlings auf den frisch gemähten Rasen am Fahrbahnrand.

Der Gefangene "winselt reumütig" um Gnade. Doch die Männer halten ihn, bis die Polizei eintrifft. Handschellen klicken. Im Fluchtauto findet sich ein Bündel Scheine, das der Mann aus Opas Portemonnaie gestohlen hat. 300 Euro.

In den Vernehmungen stellt sich schnell heraus, dass den Heiern ein umtriebiger Dieb ins Netz gegangen war, der am ganzen Niederrhein - vornehmlich in Gärtnereien und Bauernläden - mit langen Fingern Spuren hinterlassen hatte.

Nachhaltigen Eindruck hat der Mann auf der Bönninghardt nicht gemacht. Oma Koppers, die heute vor dem Gericht in Moers in den Zeugenstand gerufen wird, hat schon in der Nacht nach dem Raubüberfall wieder "gut geschlafen". Nachher wurde ihr bewusst, dass sie den Täter schon mal irgendwo gesehen hatte. "Auf dem Weseler Wochenmarkt", erzählt ihr Sohn André, sei, immer wenn der Mann aufgetaucht sei, der Warnruf erklungen: "Achtung, Kassen weg!"

Quelle: RP
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