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Rheinberg
Finnische Musik für 70 Jungen und Mädchen

Rheinberg. NRW-Bildungsprogramm "JeKits": Rauno Nieminen und Timo Väänänen musizierten in Rheinberg.

Die Musik ist so vielseitig wie die Kulturen auf unserer Erde. Das sollten gestern rund 70 Erstklässler des Grundschulstandortes Schulstraße und der benachbarten katholischen Grundschule St. Peter erfahren. Beide Schulen nehmen am NRW-Bildungsprogramm "JeKits - Jedem Kind Instrumente, Tanzen, Singen" teil. In Kooperation mit dem Netzwerk Klangkosmos NRW wurden für das erste Halbjahr 2016 insgesamt zehn Musiker und Gruppen aus aller Welt eingeladen, ihre außergewöhnlichen und zum Teil exotischen Klänge in den Jekits-Klassenzimmern zu präsentieren.

"Es gibt nur diese zehn Gelegenheiten für ganz NRW, deshalb habe ich uns sofort vorgemerkt", berichtet Vera Thuleweit vom Kulturbüro der Stadt. Mit dem finnischen Duo "Ontrei" hat sie zudem ein glückliches Händchen bewiesen, denn Timo Väänänen und Rauno Nieminen spielen ihre finnischen Volkslieder nicht nur auf historischen Instrumenten, sondern erklären sie den Schülerinnen und Schülern auch sehr anschaulich. "Eine solche Streichleier wurde vor 1000 Jahren in Deutschland gebaut. Man hat ein Exemplar bei Bauarbeiten in einem Erdloch gefunden, ich habe es nachgebaut", erzählt Rauno Nieminen, der zu Finnlands bekanntesten Instrumentenbauern zählt. Im Mittelpunkt ihrer Musik steht das Nationalinstrument Finnlands: die Kantele, eine kastenförmige Zither. Von seinem Partner an der Trommel begleitet, spielt Timo Väänänen einen Folksong aus seiner Heimat, dessen Rhythmus vom jungen Publikum sofort klatschend aufgegriffen wird. Dass der Takt dabei nicht so ganz erkannt wurde, macht nichts. Denn dieses Gefühl für die Musik zu verdeutlichen, ist ja gerade ein Ansatz des Projektes. Daneben vermittelt das finnische Duo auf leicht verständliche Weise, dass Musik immer auch Kreativität ist. "Wir improvisieren sehr viel, haben nur die Melodie im Kopf. Wisst ihr, was improvisieren ist?", fragt Väänänen in verständlichem Deutsch um die Antwort gleich zu geben: "Wir spielen und komponieren ganz spontan."

Ein finnisches Volkslied mit leicht erlernbarem Refrain singen und klatschen alle begeistert mit. Ungläubiges Staunen erntet Rauno Nieminen, als er die Herkunft seiner Flöte erklärt: "Das war mal ein Wasserrohr aus Plastik. Es hatte einen tollen Klang, deshalb habe ich daraus eine Flöte gebaut." Und auch, dass Musik in der Lage ist, Gefühle oder Stimmungen auszudrücken, beweist "Ontrei". "Macht jetzt alle mal die Augen zu und denkt dabei an Schnee, an ganz viele dicke Schneeflocken", fordert Nieminen und entlockt seiner Maultrommel sphärische Klänge, die sein Partner auf dem Nachbau einer sibirischen Pyngyr begleitet. Mit der musikalischen Erzählung von einem sibirischen Volkshelden endete ein Workshop, den die Kinder sicherlich noch lange in Erinnerung behalten werden.

(erko)
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