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Alpen
Flüchtlinge erzählen von ihren Hoffnungen

Alpen. Um die aktuelle Flüchtlingskrise besser verstehen zu können, hilft es, sich die persönlichen Geschichten von Flüchtlinge anhören. Unser Autor war deswegen in einer Flüchtlingsunterkunft in Alpen: Von Richard Diesing

"Wir sitzen im Stuhlkreis, ein paar Flüchtlinge, zwei Flüchtlingshelfer, ein Übersetzer und ich. Wenn man die Geschichten der Flüchtlinge hört, wundert man sich, wie sie lachen und Witze erzählen können, nachdem sie nur wenige Sekunden zuvor von ihrer strapazenreichen Flucht nach Deutschland erzählt haben.

Da ist der Syrer Said, 1995 geboren, der als Mosaik-Künstler gearbeitet hat, bevor er nach Deutschland floh. Heute lebt er in einer Unterkunft in Veen. Gerne würde er in Deutschland wieder in seinem alten Beruf arbeiten oder eine neue Ausbildung machen.

Oder der 22-Jährige Muhab, der aus einer Stadt in der Nähe von Damaskus geflüchtet ist, weil er den Kriegsdienst verweigert und an Demonstrationen gegen den syrischen Diktator Assad teilgenommen hat. Er werde vom syrischen Geheimdienst gesucht, sagt er. Auf seiner Flucht in eine sichere Zukunft sei sein Schlauchboot von der europäischen Grenzschutzagentur Frontex kurz vor er griechischen Grenze beschossen worden. Kurz, bevor das völlig überfüllte Boot sinkt, können sich die Bootsinsassen auf eine nahegelegene Insel retten. Muhab lebt heute in der Tennishalle. In einem kleinen Zimmer mit Sperrholzplatten als Wände, mit Hochbetten und ohne Zimmerdecke. Privatsphäre? Fehlanzeige. Trotz der Umstände vermitteln die Flüchtlinge eine gewisse Gelassenheit, auch wenn viele unter der Ungewissheit leiden, dass nicht klar ist, ob sie in Deutschland bleiben dürfen.

Die Flüchtlingshilfe ist strukturiert. Kleinere Flüchtlingsgruppen ist jeweils ein Pate zugewiesen, an den sich die Flüchtlinge wenden können und der sie von Zeit zu Zeit besucht oder mit ihnen was unternimmt. Kein Flüchtling wird sich selbst überlassen. Auch ein eigenes Fahrrad bekommt jeder Flüchtling. Das darf er oder sie behalten, falls er oder sie in Deutschland bleiben darf. Die Helfer engagieren sich alle ehrenamtlich.

Auch unser Übersetzer ist Flüchtlingshelfer. Jussef Jussef (53) besucht regelmäßig Flüchtlingsheime am gesamten Niederrhein. Er fühlt sich aufgrund seiner Herkunft dazu verpflichtet. Vor 34 Jahren kam er aus Syrien. Er ist sich sicher: "Ohne die freiwilligen Helfer wäre der Staat aufgeschmissen." Er übersetzt nicht nur, sondern hilft als Problemlöser und vermittelt zwischen den verschiedenen kulturellen Prägungen. Seine Unterstützung wird auch von der Gemeinde Alpen geschätzt.

Integrieren wollen sich alle. Die meisten sind gut ausgebildet. Zwei waren in Syrien Englischlehrer, ein anderer studierte Kerntechnik - Qualifikationen, die auch am Wirtschaftsstandort Deutschland gefragt sein dürften.".

Quelle: RP
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