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Rheinberg
Frank Tatzel hat noch "Luft nach oben"

Rheinberg: Frank Tatzel hat noch "Luft nach oben"
Bürgermeister Frank Tatzel in seinem Büro im Stadthaus. Der 50-Jährige ist seit einem Jahr als Bürgermeister im Amt. Er müsse mehr Initiative zeigen und meinungsfreudiger werden, raten ihm Politiker. FOTO: Ostermann, Fischer, Meulmann
Rheinberg. Heute vor einem Jahr hat Rheinbergs Bürgermeister seinen Dienst im Stadthaus angetreten. Wir wollten von den verantwortlichen Ratsmitgliedern wissen: Wie bewerten sie die Arbeit des Chefs von Rat und Stadtverwaltung? Von Uwe Plien

Heute vor einem Jahr hat Bürgemeister Frank Tatzel seinen Dienst im Stadthaus angetreten. Die RP hat dieses erste Amtsjahr kritisch begleitet. Jetzt wollten wir von den Vorsitzenden der Ratsfraktionen beziehungsweise von einem fraktionslosen Vertreter wissen: Wie bewerten Sie das erste Jahr der Amtszeit von Frank Tatzel als Rheinberger Bürgermeister? Und welche Schulnote erteilen Sie ihm?

"Ziemlich unbeleckt" sei Tatzel vor einem Jahr in sein neues Amt gekommen, meint Erich Weisser. "Und das war ja von uns durchaus gewünscht, da es die Möglichkeit eröffnete, von eingefahrenen Verwaltungsstrukturen abzuweichen", sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende. In einigen Fällen (Awo oder die aktuell laufende Abrechnung der Innenstadtsanierung) seien bereits Veränderungen festzustellen. In der Verwaltung bestehe aber sicherlich noch Handlungsspielraum. Weisser: "Gespannt warten wir hier auf die angekündigten Veränderungen in der Kämmerei." Unter Berücksichtigung der Gesamtaufgabe erteilt die CDU "ihrem" Bürgermeister eine "3+". Weisser geht davon aus, dass sich Tatzel noch steigert.

"Herr Tatzel hatte jetzt ein erstes Amtsjahr Zeit, die umfassenden Aufgaben als Bürgermeister und Verwaltungschef kennenzulernen", lautet die Auffassung von Claudia von Parzotka-Lipinski, stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende. "Sein Vorgänger Hans-Theo Mennicken hat sehr große Schuhe hinterlassen. In diese muss Herr Tatzel erst noch hineinwachsen." Er pflege einen gänzlich anderen Stil. Die ersten Ratssitzungen seien "unstrukturiert bis chaotisch" verlaufen - das habe sich nach einem Jahr verbessert. Die Politikerin: "Statt der angekündigten Einsparungen in der Verwaltung haben wir Mehrausgaben durch die Umstrukturierungen zu tragen. Tatzel wurde uns als echter Finanzexperte und Teamplayer angekündigt, das ist noch nicht so angekommen, da ist auf jeden Fall noch Luft nach oben." Benoten möchte die SPD Frank Tatzels Arbeit nicht.

Für die Grünen-Fraktion gehören zu den Kernkompetenzen eines Bürgermeisters die bürgernahe Leitung der Stadtverwaltung, eine angemessene Repräsentanz der Bürger sowie die fachkompetente Vermittlung zwischen Verwaltung und Politik, findet Grünen-Sprecher Jürgen Bartsch. Da Tatzel wenig Verwaltungs- und Politikerfahrung mitgebracht habe, sei eine Beurteilung auch nach einem Jahr schwierig. Im Vergleich zu seinem Vorgänger habe Frank Tatzel "sicher noch großen Nachholbedarf". Bartsch: "Aber vieles lässt sich lernen - und die Ratssitzungen werden von ihm schon flüssiger geleitet." Zudem trete er freundlich und aufgeschlossen auf. Im Bürgermeisterwahlkampf sei eine hinreichende Zielbestimmung städtischer Politik noch nicht erkennbar gewesen. Bartsch: "Die Entwicklung einer Vision für die Entwicklung Rheinbergs halten wir aber für dringend erforderlich, um einen politischen roten Leitfaden im Alltagsgeschäft zu erhalten. Vor diesem Hintergrund erscheint uns eine Benotung nicht angebracht."

Herbert Becker, Chef der FDP-Fraktion, lässt es milde angehen: "Der neue Bürgermeister hat durch seine freundliche Art und mit Hilfe seiner Sozialkompetenz die Startschwierigkeiten im Amt bewältigt", sagt er. "Die kreativen Anschübe für die Entwicklung der Stadt und Strategien zur Überwindung der Haushaltsschwierigkeiten sollten in den nächsten Jahren noch sichtbar werden." Fazit: viele Aufgaben erfüllt, aber Entwicklungspotenzial noch nicht genügend ausgeschöpft - die Rheinberger sollten mit ihrem Bürgermeister zufrieden sein. Die FDP gibt also ein "Befriedigend".

"Rheinberg kann mehr", das sei anfangs ein oft gesagter Satz von Frank Tatzel gewesen, erinnert sich Peter Kemper, Vorsitzender der Linken-Fraktion. "Aber wo und wann kommt das Mehr?" Vieles sei in Sitzungen beredet oder zerredet worden, ohne dass Tatzel sich hierzu selbst konkret äußert oder für mehr Klarheit sorge, was bedauerlich sei. "Ein bisschen mehr Eigenmeinung und Detailkenntnisse wären förderlich gewesen, auch die Zusammenarbeit mit anderen Kommunen kommt uns etwas zu kurz." Als Führungskraft müsse Tatzel mehr Initiative zeigen. Eine Note nach dem Schulsystem abgeben zu können, sei kaum möglich. Kemper: "Hierzu müsste sich der Schüler mehr am Unterricht beteiligen."

Um Schulnoten vergeben zu können, seien nicht nur die Anwesenheit im Unterricht, sondern im Wesentlichen die Beteiligung und die notwendigen Akzente wichtig, unterstreicht das fraktionslose Ratsmitglied Ulrich Hecker. Er glaubt, dass die Bitte, Frank Tatzel zu benoten, "ins Leere gehen oder schlimmstenfalls einen völlig falschen Eindruck der bisherigen Amtsauffassung unseres Bürgermeisters hinterlassen" werde. Hecker: "Kaum ein Politiker wird das, was bislang nur hinter vorgehaltener Hand ausgesprochen wird, öffentlich machen und in Schulnoten ausdrücken. Aber in der Tat sind wir als Ratsmitglieder gefordert und in der Verantwortung, unsere Erwartungshaltung an den Bürgermeister mit ihm persönlich zu besprechen."

Quelle: RP
 
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