| 00.00 Uhr

Alpen
Frau mit Messer bedroht - Polizeiübung

Alpen: Frau mit Messer bedroht - Polizeiübung
Drei Polizisten gehen in unmittelbarer Nähe des Tatortes in Position. Sie versuchen zunächst, sich einen genauen Überblick über die Lage zu verschaffen und beruhigend auf den "Täter" einzuwirken. FOTO: bp
Alpen. Ehestreit an der Alten Kirchstraße 16 in Alpen. Ein Mann bedroht seine Frau mit einem Küchenmesser. Einsatzübung der Polizei mitten in Alpen. Von Bernfried Paus

Kurz nach neun Uhr. Im beschaulichen Alpen nimmt der Tag seinen üblichen Lauf. Plötzlich durchbricht ein knappes Dutzend Streifenwagen die Normalität und rast aus unterschiedlichen Richtungen mit Blaulicht und Martinshorn durch die engen Straßen im Ortskern. Eine junge Frau hat die Polizei alarmiert. Sie hat über WhatsApp eine Sprachnachricht mit einem Notruf ihrer Freundin Mandy empfangen. Ihr Mann bedroht sie in der gemeinsamen Wohnung mit einem Messer. Die bedrohliche Lage hat eine Adresse: Alte Kirchstraße 16.

Kein Zufall. Das dramatisch anmutende Geschehen folgt einem vorher festgelegten Plan. Das Drehbuch hat Abteilung für Weiterbildung bei der Polizei geschrieben. Die Lage ist alltäglich. Häusliche Gewalt ist immer wieder ein Thema. Der Umgang damit muss beherrscht werden. "Deshalb müssen wir das auch immer wieder üben", sagt Rüdiger Kunst, neuer Chef der Polizei im Kreis Wesel.

Rüdiger Kunst (li.), neuer Polizeichef im Kreis Wesel, hat den Einsatz nach Alpen geholt. Auch Xantens Wachleiter Gregor Zey (vorn) gehört zu den Beobachtern.. FOTO: Bernfried Paus

Er hat den Schauplatz aufgetrieben. Eigentlich sollte das Einsatz-Szenario in Wesel abgearbeitet werden. Das ausgeguckte Haus aber stand plötzlich nicht mehr zur Verfügung. Kunst, im zivilen Leben ehrenamtlicher Leiter der DRK-Ortsgruppe Alpen, wusste vom leerstehenden Haus in der Alten Kirchstraße, das ein Bekannter gerade renoviert. "Ein idealer Schauplatz für unsere Übung", so Polizeisprecherin Andrea Margraf. Ihre gut 20 Kollegen im Einsatz unter realen Bedingungen - sie hatten vor der Alarmierung keinen blassen Schimmer - postieren sich. Stress pur.

Drei Beamte beziehen Stellung am Eingang von Haus Nr. 18 in der langgezogenen Häuserreihe. Zum Selbstschutz tragen sie Helm, nah dran am Geschehen. Höchst aufmerksam versuchen sie, die Entwicklung im Haus zu erfassen. In einigem Abstand sind hinter Sträuchern weitere Polizisten auf Posten. Andere eilen geduckt um die Ecke, um die Lage von hinten zu erkunden, wo eine Flagge von Hertha BSC im Garten schlaff am Mast hängt.

Die "Schauspieler" in der Küche verstehen ihren Job. Die Eheleute schreien sich Vorwürfe zu. Porzellan scheppert. Es fliegen Teller. "Uns kommt es zunächst darauf an, die Ruhe zu bewahren und von außen insofern Einfluss zu nehmen, dass die Situation nach Möglichkeit nicht eskaliert", sagt Polizeisprecherin Margraf.

Ziel sei es, möglichst schnell herauszufinden, was genau sich im Haus abspielt. Hat der Mann mehr als nur das Messer als Waffe. Wer befindet sich noch im Haus. Wie reagiert das Opfer. "Es ist wichtig, die Lage möglichst genau zu erfassen", so Margraf weiter. Drinnen befindet sich neben dem Ehemann Enrico Limatzki und Mandy auch die gemeinsame Tochter Chayenne, gerade mal 18 Monate alt - in der Übung eine Puppe.

Lange sich nichts vorm Haus, in dem der Ehekrieg tobt. Passanten, wie der Mann "aus der Bönning", der seine Frau nach Alpen chauffiert hat und zufällig Zeuge der Szenerie wird, werden von den Beobachtern eingeweiht. "Kein Ernstfall. Nur eine Polizeiübung." Der Mann schaut eine Weile zu. Als eine ihm scheinbar bekannte Frau mit Korb vorbeikommt, offenbar, um im Dorf einzukaufen, ruft er ihr zu: "Da bedroht ein Mann mit Messer seine Frau." Die Passantin schaut erschrocken. "Man kriegt richtig Angst." Dann klärt der Bönninger lieber auf: "Nur zur Übung." Die Frau geht erleichtert weiter.

Dann kommt Bewegung in den Set. Enrico schickt seine Frau auf die Straße zum Auto Bier holen. Sie gehorcht. Aber die Polizei lässt sie nicht wieder rein. Beamte kümmern sich um sie. Inzwischen sind Spezialkräfte vor Ort. Der Verhandlungsgruppe versucht, den Mann zur Aufgabe zu bewegen. Das SEK steht bereit. Schnitt. Verhandler und SEK sind "nur so dumm" da - im Polizeijargon "fiktiv".

11.43 Uhr. Der Einsatz ist zu Ende. Die Beobachter sind zufrieden: "Alles ist hervorragend gelaufen. Unsere Leute, Einsatzkräfte wie Schauspieler, haben einen klasse Job gemacht", lobt die Sprecherin nach der Abschlussbesprechung. Der Tatort ist geräumt. Die Handwerker können wiederkommen.

Quelle: RP