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Rheinberg
Frauen und Wald - das passt zusammen

Rheinberg. Die Forstwirtschaft gilt seit jeher als Männerdomäne. Dass auch Frauen dort Fuß fassen sollten, zeigten jetzt Politiker und Verantwortliche bei einem Treffen auf Initiative von Christiane Underberg im Underberg-Stammhaus in Rheinberg.

Männer und Wald: Das gehört nach dem Verständnis Vieler zusammen wie Fußball und Bier. Selten ist von einer Jägerin die Rede und kaum einer denkt beim Baumfällen an eine Frau mit einer Kettensäge. Dabei gehören Frauen und Wälder genauso zusammen wie Männer und Wälder, schließlich entschied Mutter Natur nicht eines Tages: Der Wald? Der gehört nur den Männern.

Um sich von diesem traditionellen Denken zu lösen, hatte Christiane Underberg Vertreter verschiedener Waldverbände und Politiker ins Underberg-Stammhaus nach Rheinberg eingeladen. Sie ist Schirmherrin der Initiative Waldeigentümerinnen und fordert eine stärkere Einbeziehung von Frauen in bestehende Netzwerke, denn sie sollten in der Forst- und Landwirtschaft eine genauso große Rolle wie Männer spielen. "Wir haben nur eine Natur, deswegen müssen wir es gemeinsam schaffen."

Wichtig sei es deshalb auch, die Interessen der verschiedenen Systeme Jagd, NGOs (Nichtregierungsorganisationen), Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Tourismus zu verbinden und diese in Einklang zu bringen. "Da wo die Interessen überlappen, kann man es positiv oder negativ machen."

Dem schloss sich auch Sylvia Jörrißen, Bundestagsmitglied (CDU) und des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, an. Sie ging zu Beginn ihrer Rede vor allem auf die Bedeutung des Waldes für die Menschheit ein: "Über Jahrhunderte hat er unsere Geschichte geprägt." Dazu fügte sie an, dass Deutschland das Waldland in Europa sei, immerhin sorgen Wälder jährlich für einen Umsatz von 180 Milliarden Euro. Doch nicht nur das Finanzielle stelle die Bedeutung des Waldes und der Natur in den Mittelpunkt: "Der Wald hat wertvolle gesellschaftliche Aufgaben", denn dort könne man Fahrrad fahren, spazieren und die Zeit an der frischen Luft genießen. Zu dieser gesellschaftlichen Verantwortung gehöre es dementsprechend, auch Frauen stärker einzubinden: "Auch die Forstwirtschaft muss mit der Zeit gehen."

Mit dieser Meinung steht sie nicht alleine. Die CDU-Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des Landesverbands NRW der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Marie-Luise Fasse, unterstrich die Wichtigkeit der Vernetzung gerade für Frauen: "Netzwerke, die Frauen haben, sind leider noch zu gering." Sie unterstrich, dass Frauen schon immer für den Wald wichtig waren, das hätte auch die 50-Pfennig-Münze zu D-Mark-Zeiten unterstrichen, auf der eine Frau einen Baum pflanzte. "Dass Frauen Wald können, haben sie oft bewiesen." Dabei sei der Wald und damit Holz nicht nur wichtig, um Stahl und Beton zu ersetzen. Sie erhofft sich auch eine tiefere Integration der Umweltpädagogik.

Mit dieser Aussage stieß sie auch bei Philipp Freiherr zu Guttenberg auf Gehör, der viel von der Waldpädagogik hält. Der jüngere Bruder des ehemaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg ist Präsident der AGDW - Die Waldeigentümer und sich bewusst, welche Wichtigkeit Frauen in der Forst- und Landwirtschaft zukommt: "Frauen bringen ein hohes Maß an ideeller Motivation mit und verleihen dem Nachhaltigkeitsprinzip, das unsere Forstwirtschaft in Deutschland seit rund 300 Jahren ausmacht, einen starken Impuls." Deswegen könne es nicht sein, dass er bei vielen seiner Reden vor 99 Prozent männlichem Publikum stehe. "Keine Damen und keine Jugend? Dann hat das mit Nachhaltigkeit wenig zu tun."

Quelle: RP
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