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Alpen
Freiwillig Helfer im LVR-Wohnverbund an der Haagstraße

Alpen. Sich um Menschen zu kümmern, die vermeintlich nicht so reich vom Leben beschenkt worden sind, kann sehr bereichernd sein. Für beide Seiten. Davon ist das Ehepaar Anna und Prof. Klaus Pistor, beide 75 Jahre alt, felsenfest überzeugt. Aus Erfahrung. Sie sind regelmäßig zu Gast im Haus an der Haagstraße 7. Hier wohnen in drei Wohngruppen 22 Menschen zwischen 24 und 75 Jahre. Alle sind geistig und mehrfach behindert sind. "Unser Engagement ist ein Geben und Nehmen", sagt der ehemalige Chefarzt der Kinderklinik am Bethanien-Hospital in Moers. Von Bernfried Paus

Der pensionierte Mediziner besucht seit Jahren den LVR-Wohnverbund, der seit einem Jahrzehnt an der Haagstraße zu Hause ist. Als Presbyter sei er damals ins Haus gekommen, um einen neuen Bewohner zu begrüßen und ihm den Gemeindebrief der Kirchengemeinde zu bringen. "Die Atmosphäre war höchst angenehm und die Begegnung mit allen ausnehmend freundlich", erzählt er. Da sei es ihm nicht schwer gefallen wiederzukommen. Regelmäßig schaut er rein, um mit einzelnen Bewohnern ein Stück im Dorf spazieren zu gehen, im nahe Amalien-Café einzukehren oder mal einen Gottesdienst zu besuchen. Seine Begleiter würden meist schon auf ihn warten und ihn an der Straße freudig in Empfang nehmen, erzählt der 75-Jährige. Die Freude sei gegenseitig. Und: : "Die große Freude und Anerkennung durch die Leute tun mir schon gut."

Das sagt auch seine Frau Anne, die seit gut einem Jahr regelmäßig als Vorlesepatin im Haus ist. Sie hat Freundschaft geschlossen mit Frank, einem gut 50-jährigen, bettlägerigen Mann, der bereits zwei Jahrzehnte zur Wohngruppe gehört, die zuvor in Bedburg-Hau angesiedelt war. Anfangs hat Anne Pistor ihm Märchen vorgelesen, nun immer "Geschichten aus dem Speisewagen". Ob er die versteht, weiß sie nicht so genau. Aber, dass ihm das Vorlesen gefällt, bleibt niemandem verborgen. Die Pistors würden durch ihr ehrenamtliches Engagement "die Lebensqualität unserer Kunden erhöhen", sagt Maria Hickers, Freiwilligenmanagerin im Netz Niederrhein der Heilpädagischen Hilfen (HPH). Das Netzwerk verstehe sich als "Dienstleiter für Menschen". Und als solcher sei es ein zentrales Anliegen, ihre Möglichkeiten zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu erweitern. Mit Helfern wie Anne und Klaus Pistor gelinge die angestrebte Inklusion eben ein gutes Stück besser und mache das Leben der Hausbewohner ein gutes Stück lebenswerter. Mithelfen, das soziale Netzwerk vor Ort noch engmaschiger zu stricken, möchte auch Karl-Heinz Kohl, Behinderten-Beauftragter der Gemeinde. Auch er hat bei seinem Antrittsbesuch an der Haagstraße das freundliche Willkommen gespürt und die Offenheit - der Bewohner, aber auch der 18 Fachkräfte um Teamleiter Martin Jakobi. Kohl hat die Dorfwerkstatt der Senioren auf das Haus aufmerksam gemacht und den Gedanken transportiert, sich auch hier zu kümmern. Und er hat den Kontakt zur Projektgruppe "Von Mensch zu Mensch" an der Realschule geknüpft. Ehrenamtlicher Einsatz oder ein Praktikum könnten Hilfestellung bei der Berufswahl leisten. "Wer uns besuchen möchte, ist ohne Termin herzlich willenkommen, 24 Stunden rund um die Uhr", sagt Rita Meesters, Mitarbeiterin im Haus an der Haagstraße.

Quelle: RP
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