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Alpen
Für Toleranz: "Jesus selbst war Flüchtling"

Alpen. Die Christen feierten einen ökumenischen Gottesdienst, um die Willkommenskultur zu stärken. Von Peter Gottschlich

Eine Wiese am jüdischen Friedhof hatte der Ökumene-Ausschuss bewusst für den diesjährigen Ökumenischen Gottesdienst ausgesucht. "Manche Orte haben für sich eine Botschaft", sagte Dr. Hartmut Becks, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde, zu Beginn des Gottesdienstes, der unter dem Motto stand: "Ich war fremd und Ihr habt mich aufgenommen".

"In der Hitler-Zeit waren alle Grabsteine umgeworfen und mit Erde bedeckt. Danach haben Menschen sie wieder aufgestellt und repariert. Dieser Ort steht für Fremdheit, Gemeinschaft und Toleranz." Diese drei Worte standen im Mittelpunkt des Gottesdienstes, der musikalisch vom Kirchenchor St. Vinzenz Bönninghardt und vom Musikverein Menzelen begleitet wurde.

Auch in Alpen hätte es Vorbehalte gegen Fremde gegeben, so Hartmut Heshe. Leitender Pastor an St. Ulrich. Er selbst habe schon gehört, das Flüchtlinge als "Hirsestampfer" oder "Elefantenjäger" bezeichnet worden seien. Oder dass gesagt werde, Hilfe für Flüchtlinge sei gut, aber bitte nicht hier in Alpen, sondern woanders. "Dabei war Jesus selbst ein Flüchtling", betonte Heshe vor 250 Gottesdienstbesuchern. Denn Jeus habe nach seiner Geburt mit seinen Eltern nach Ägypten fliehen müssen, um dem Tod zu entgehen.

Die Flüchtlinge seien nicht ohne Grund aus ihren Heimatländern davongelaufen, wo sie Familie, Haus und Beruf aufgegeben hätten. Bei der Flucht in die Fremde hätten sie sich großen Gefahren ausgesetzt. Vertreibung und Flucht seien in der europäischen Geschichte oft vorgekommen, zum Beispiel nach dem Zweiten Weltkrieg. Wie damals seien Flüchtlinge in der Gemeinschaft aufzunehmen. "Wir sind alle Kinder Gottes", stellte Hartmut Hehse klar.

"Ich sage allen ein Dankeschön, die sich für Flüchtlinge einsetzen. Es gilt, diese Willkommenskultur zu etablieren." Hartmut Becks ging auf den Begriff Toleranz ein, die nichts mit Gleichgültigkeit zu tun habe. Toleranz habe es früher schon auf dieser Wiese gegeben, auf der man sich nach dem Gottesdienst mit einem Imbiss und Getränken stärken konnten. Die Wiese habe der Evangelischen Kirchengemeinde gehört, der Friedhof der jüdischen und eine Wiese gegenüber der katholischen. "Alle Menschen haben gleiche Rechte", so Becks. "Niemand soll vorgezogen werden, weder der Geringe, noch der Einflussreiche."

Quelle: RP
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