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Rheinberg
Furioses Finale einer tollen Spielzeit

Rheinberg: Furioses Finale einer tollen Spielzeit
Musikgenuss auf höchster Qualitätsebene boten die Singphoniker aus München bei ihrem Auftritt in der Rheinberger Stadthalle. Das Sextett hatte sich zweier Wiener Komponisten angenommen. FOTO: Armin Fischer
Rheinberg. Beim Schubert/Kreisler-Abend mit den Singphonikern endet die Saison der Musikalischen Gesellschaft Rheinberg. Von Alexander Floriè-Albrecht

Unter den zahlreichen Gästen des achten und letzten Konzerts der Saison der Musikalischen Gesellschaft Rheinberg in der Stadthalle konnte man auch den Rheinberger Bürgermeister Frank Tatzel ausmachen: "Ich höre gerne so eine Musik", sagte er und freute sich wie viele andere auf einen spannenden Abend.

Mit "so einer Musik" meinte er den bevorstehenden Auftritt der Münchener "Singphoniker", einem seit mehr als 30 Jahren auch weltweit agierenden Gesangsensembles in der Besetzung Johannes Euler (Countertenor), Daniel Schreiber (Tenor), Henning Jensen (Tenor), Berno Scharpf (Piano/Bariton), Michael Mantaj (Bariton) und Christian Schmidt (Bass).

Für ihren Rheinberger Auftritt hatte sich das Sextett zweier Wiener Komponisten angenommen, wie sie auf den ersten Blick nicht gegensätzlicher sein können: Georg Kreisler und Franz Schubert. Die Sänger brillierten an diesem Abend mit fein justierten Stimmen, perfektem Timing, humorvoll-hintersinniger Gestik und Spaß an ihrem Tun. Mal mehrstimmig-sensibel, mal pointiert-heiter.

Ergänzt von den hintergründigen Informationen der Rundfunk-Journalistin Katharina Eickhoff, unternahmen die Musiker einen Streifzug durch die Lebens- und Gedankenwelten der beiden Ausnahmekünstler. Dabei wurde erkennbar, dass der romantische, später schwerkranke Schubert die "Flucht" nach innen antrat und kaum seine nähere Umgebung verließ, während Kreisler tatsächlich vor den Nazis flüchten und in die USA emigrieren musste. Dort verstand man allerdings seinen rabenschwarzen Humor nicht. Und zynische Lieder wie "Please shoot your husband" über einen Mann, der eine Affäre mit einer verheirateten Frau hat, obwohl er selbst noch seine Frau erschießen muss, verpufften. Nicht so in Rheinberg.

Schubert dagegen widmete sich einer anderen Liebesschmacht in "Wehmut": "Das Herz, dass leicht von Kummer bricht. Seit sie mir verschwunden, ist Atmen ein Verlust." Der eine - (Schubert) verzehrte sich nach Frauen, obwohl er nie eine hatte - der andere hatte vier und zog gnadenlos über sie her.

Das mimisch und gesanglich brillant vorgetragene "Sie ist ein herrliches Weib" , bei dem der Protagonist seine Frauen nach kurzer Liebschaft auf diverse Art tötet ("Nach dem Tod hab ich sie stets geliebt - und bis jetzt hat sich noch keine beschwert"), war nur ein Beispiel dafür. Dass beide Künstler düstere Gedanken in sich trugen, aber eben unterschiedlich auslebten, konnte man an Schubert-Stücken wie "Geistertanz" mit Passagen wie "Rasch tanzen um Gräber/Und morsches Gebein" oder beim zauberhaften "Ruhe, das schönste Glück der Erde" ausmachen, wenn das Ensemble "Ruhe, schönstes Glück der Erde, senke segnend dich herab, dass es stille in uns werde, wie in Blumen ruht ein Grab" intonierte.

Hochpolitisch wurde der Abend mit Kreislers noch heute moderner Anklage , die sich in "Warum" nicht gegen Zustände zur Wehr setzen. Mit "Taubern vergiften im Park" - vollzogen die Musiker dann am Ende eines hochspannenden und unterhaltsamen Abends den passenden "bösen" Schlussakkord.

Quelle: RP
 
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