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Rheinberg
Geteilte Reaktionen auf Hitler-Satire

Rheinberg: Geteilte Reaktionen auf Hitler-Satire
Alle finden diesen Hitler zum Schreien - komisch. Szene aus der Bühnenfassung der Satire "Er ist wieder da". FOTO: Westf. Landestheater
Rheinberg. In der Rheinberger Stadthalle zeigte das Landestheater die Bühnenfassung des Bestsellers "Er ist wieder da" von Timur Vermes. Das Stück kam nicht bei allen im Publikum an. Mehrere Zuschauer verließen den Saal vorzeitig. Von Heidrun Jasper

Es gibt Theaterstücke, von denen geht man locker-beschwingt nach Hause und freut sich, einen netten Abend verbracht zu haben. Und dann gibt es Theaterabende, bei denen einem ab und an nicht nur das Lachen im Halse steckenbleibt, sondern die auch noch lange nachhallen, weil sie, respektive ihre Figuren polarisieren und nachdenklich gemacht haben. Und man sinniert, ob das sein kann und darf, dass ein Schriftsteller eine politische Satire schreibt, in der er aus der Hauptfigur Adolf Hitler einen Comedian macht?

Timur Vermes hat es getan. Sein Debütroman "Er ist wieder da" wurde nach der Präsentation auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober 2012 ein Renner: Bis August dieses Jahres wurden laut Wikipedia nicht nur mehr als zwei Millionen deutsche Exemplare und mehr als 300.000 Hörbücher verkauft. Der Roman wurde verfilmt, läuft zur Zeit in bundesdeutschen Kinos und ist auch als Theaterfassung allerorten zu sehen.

Das Westfälische Landestheater hat das Stück jetzt in der Rheinberger Stadthalle gezeigt, mit Guido Turk als Hitler-Darsteller und Burkhard Braun als Erzähler. Inhalt: Hitler wacht an einem Sommertag auf einer Wiese mitten in Berlin wieder auf, in voller Montur. Im Glauben, dass Krieg herrscht, sucht er am Kiosk nach dem "Völkischen Beobachter" - und liest das Datum: Man schreibt den 30. August 2011. Wo er denn wohnt, will der Kiosk-Besitzer wissen. "Ja nee, ist klar", macht der sich über Hitlers Antwort lustig: "Im Führerbunker." "Echt krass" finden die Menschen den Führer. Sie glauben, dass irgendwo eine versteckte Kamera läuft, halten ihn für einen Comedian. Hitler wird vom Fernsehen entdeckt, hält in der Comedy-Show "Krass, Alter" des türkischstämmigen Comedians Ali Wizgür eine flammende Rede, sein Auftritt wird ein Youtube-Hit, er wird zum Medienereignis, zum Star . ..

"Der Deutsche der Gegenwart trennt seinen Abfall gründlicher als seine Rasse", schimpft er und freut sich wenig später über den Mann, der auf der Straße versucht, des Laubes Herr zu werden: "Aus jedem Laubbläser strömt der Atem des Nationalsozialismus." Gegen Ende des Stückes wird er auf der Straße von zwei Rechtsradikalen zusammengeschlagen. Schluss-Szene: Hitler liegt mit diversen Knochenbrüchen im Krankenhaus, bekommt Besuch von einer Verlegerin, die ihn bittet, ein Buch zu schreiben. Er nimmt das Angebot an. Aus der Konserve kommt Richard Wagners "Walküre."

Ende der Vorstellung. Applaus für die wirklich guten Schauspieler und Dialoge, für einen ausgezeichneten Hitler-Darsteller. "Das soll jetzt witzig sein?", fragt eine Dame laut und verlässt den Saal noch vor dem Ende. "Es reicht mir" - so greift eine andere Zuschauerin in der Pause zu Jacke und Tasche und geht.

Timur Vermes' "Er ist wieder da": ein Buch, ein Theaterstück, das spaltet. Zum Lachen und zum Weinen - wie vor 75 Jahren Charlie Chaplins "Der große Diktator". Denn Adolf Hitler war alles andere als ein lustiger Zeitgenosse.

Quelle: RP
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