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Rheinberg
Gitarrenkonzert in der Kapelle St. Anna begeistert

Rheinberg. Steffen Gumpert wagte es erneut, ein klassisches Gitarrenkonzert mit einem Stück zu beginnen, das mit Dissonanz und Rhythmuswechsel nicht dem gängigen Klangempfinden entspricht - ganz so wie im April bei seinem letzten Gitarrenkonzert in der Annakapelle. "Wenn so ein Stück ankommt, kann beim Konzert nichts mehr schiefgehen", hatte der 53-jährige Gitarrist damals gesagt. Das Stück "Douze Ètudes" von Heitor Villa-Lobos kam im April an. Auch diesmal bei "Tres Apuntes" von Leo Brouwer war es so. Von Peter Gottschlich

Das zeigte der Applaus der Zuhörer. Mit 45 waren es gut doppelt so viele wie vor fünf Monaten. Elf davon hatten keinen Sitzplatz mehr gefunden. Einer davon war Ulrich Hecker, der als Vorsitzender des Vereins zur Erhaltung der Kapelle St. Anna die Besucher zu dem "Ohrenschmaus", wie er sagte, begrüßt hatte.

Unter dem Titel "Gitarre pur" war dieser Begriff wirklich treffend. Zum einen trug Steffen Gumpert dazu bei. Der Rheinberger hatte das Gitarrenkonzert erneut mit Stücken von zwei lateinamerikanischen Komponisten eingerahmt - neben dem des Kubaners Leo Brouwer mit zwei des Argentiniers Ástor Piazollo. Vom "Erfinder des Tango nueovo" spielte er erneut "Sommer - Verano Porteno" und "Milonga del Angel", die ohne Bass und Geige, Klavier und Bandoneon für Gitarre bearbeitet waren. Dabei wanderte der Gitarrist auf dem schmalen Weg zwischen Lebensfreude und Melancholie, die der Tango miteinander verbindet.

Schließlich beherrscht der Absolvent der Düsseldorfer Robert-Schuhmann-Hochschule seine Eric-Krause-Gitarre nicht nur brillant, sondern kann über sie Phantasien und Stimmungen transportieren. Dazu ist er ungeheuer fingerfertig, wie er in der Suite e-moll bewies, die der Barockkomponist Johann Sebastian Bach für das Cembalo geschrieben hatte. "Wenn man Bach oder Brouwer spielen kann, hat man die Gitarre begriffen", sagte der Lehrer an der Kunst- und Musikschule Duisburg im Anschluss schmunzelnd.

Zum anderen war es der außergewöhnliche Raum, der das Gitarrenkonzert zum Genuss werden ließ, beispielsweise bei der "Fantasia Original" des spanischen Romantikers Jose Vinas oder beim Souvenir Oriental des Deutsch-Tunesiers Guy Bitan. "Die Akustik der Kapelle ist ideal für eine Gitarre", meinte auch Vorstandsmitglied Werner Kehrmann, der selbst dieses Saiteninstrument spielt. "Es ist ein Klangerlebnis pur, weil keine elektronische Verstärkung notwendig ist."

So forderten die Zuhörer eine Zugabe. Diese bekamen sie. Gumpert spielte den Tango "En Skai" des tunesisch-französischen Komponisten Roland Dyens. Der Erlös des Konzertes fließt dem Hospiz Haus Sonnenschein zu.

Quelle: RP
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