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Rheinberg
Großes Fest der türkisch-islamischen Gemeinde

Rheinberg: Großes Fest der türkisch-islamischen Gemeinde
Die Frauen Düzgün, Candan und Günes bereiten Börek und türkische Pizza für die Gäste beim Gemeindefest vor. FOTO: Armin Fischer
Rheinberg. Die 150 Mitglieder verstehen sich als soziale, kulturelle und religiöse Brückenbauer. Gäste sind stets willkommen.

Gleich zwei Tage lange feierte die türkisch-islamische Gemeinde an der Annastraße in Rheinberg, nahe der Reichelsiedlung, ihr Gemeindefest. "Kermese Davet" war auf den Einladungsplakaten zu lesen. Unter weißen Pavillons boten die Mitglieder alles das, was an Speisen Küche und Herd hergaben. Gastfreundschaft erfuhr vor ihrem Gebetshaus eine gelebte Neuauflage.

Es duftete nach Gegrillten, Pizza und Döner. Türkische Kuchenspezialitäten schmeckten. Die Gemeindeglieder saßen mit Gästen an langen Tischen unter den Zeltdächern. "Wir haben Pech mit dem Wetter", sagt das Ehepaar Ahmet und Seval Tilki. Der guten Stimmung tat es indes keinen Abbruch. Im Gegenteil. Mittlerweile zählt die türkisch-islamische Gemeinde in Rheinberg rund 150 Mitglieder. "Wir haben eine Frauengruppe, die sich austauscht, backt und gemeinsame Dinge macht", erzählt Seval Tilki. In der Jugendgruppe geht es darum, dass die Jugendlichen zur Hausaufgabenbetreuung auch den Koran in arabischer Sprache lesen lernen, da sie mittlerweile hauptsächlich Deutsch sprechen. "Ich selbst gehöre zur dritten Generation. Unsere Kinder sind schon die vierte Generation", ergänzt Selva Tilki.

Das Herbstfest, das im Jahr neben den so genannten heiligen Festen wie Opferfest und Ramadan gefeiert wird, dient dazu, sich mit und in der Nachbarschaft bekannt zu machen und auch Fragen zu beantworten. Zwei Mal im Jahr sollen solche Gemeindefeste mit Nachbarn gefeiert werden. Das erste Fest fand bereits im Frühjahr statt. "Wir werden oft nach unseren neuen Räumlichkeiten an der Annastraße gefragt", so der Vereinsvorsitzende Ahmet Tilkin. Seit etwa einem Jahr nutzt die Gemeinde ein Gebäude neben dem Discounter, das früher ein Chinalokal und dann ein Fitnessstudio beherbergte. In Eigenleistung wurde es zum Gebetshaus, Religionsschule, Kulturzentrum und Jugendheim von Gemeindegliedern umgebaut. "Bei uns sind Gäste stets willkommen. Wir freuen uns über jeden, der zu uns kommt. Er muss nicht türkisch oder islamisch sein", sagt Tilkin. "Wir verstehen uns als soziale, kulturelle und religiöse Brückenbauer. Wir wollen vermitteln und setzen auf Gemeinsamkeit." So trafen am Samstag die Kirchgänger in der katholischen St. Anna-Kirche auf den Imam Moharrem Kasap. Auch das gehöre zum religiösen Austausch und der Begegnung vor Ort, sagt Ahmet Tilki. Fragen nach dem Islam, gerade vor dem weltpolitischen Hintergrund und dem IS-Terror, ließen sich so erörtern. Bereits an anderen Stelle hatte sich die Gemeinde früh und deutlich vom IS distanziert, der nichts mit dem Islam zu tun habe. Längst ist die türkisch-islamische Gemeinde Ansprechpartner in Sachen Flüchtlingshilfe geworden und wird von den örtlichen Helfern einbezogen. "Wir helfen, wo wir können, begleiten Flüchtlinge und übersetzen. Unser Gebetshaus steht für sie offen", sagt das Ehepaar Tilki.

(sabi)
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