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Alpen
Gute Stube für den schmalen Geldbeutel

Alpen: Gute Stube für den schmalen Geldbeutel
Christel Költgen schlägt den Männern ein ein rotes Shirt vor. Doch das erscheint Abdul Assad und Hamo Raid (rechts) dann doch als zu gewagt. FOTO: Armin Fischer
Alpen. Die Kleiderkammer der Evangelischen Kirchengemeinde Alpen versorgt rund 170 Kunden mit gebrauchter aber gut erhaltener Kleidung. Die größte Gruppe der Kundschaft sind Flüchtlinge. Aber auch Rentner und Familien profitieren. Von Erwin Kohl

Monatlich 36,45 Euro sind im Hartz-IV-Regelsatz für die Anschaffung von Bekleidung und Schuhen vorgesehen. Und viele Rentner stellt die Neuanschaffung des dringend benötigten Wintermantels in Zeiten von Altersarmut vor eine große finanzielle Herausforderung. Kein Wunder, dass die Kleiderstube der Evangelischen Kirchengemeinde auch im recht wohlsituierten Alpen immer mehr Zulauf erfährt. Vor mehr als 30 Jahren zur Unterstützung von Flüchtlingen ins Leben gerufen, kümmern sich heute im Pfarrheim an der Vorburg 28 ehrenamtliche Helfer einmal im Monat um das Notwendigste von rund 170 "Kunden".

Mit 150 regelmäßigen Besuchern stellen Alpens Flüchtlinge noch immer den Großteil der Kundschaft. Für sie öffnet die Kleiderkammer separat am Nachmittag, deutschen Rentnern und ALG-II-Empfängern sind die Vormittagsstunden vorbehalten. Einen Aufschrei der Empörung, wie ihn jüngst die Essener Tafel mit einer solchen Trennung ausgelöst hat, gibt es in Alpen jedoch nicht. "Das Miteinander zwischen Flüchtlingen und Deutschen ist wirklich sehr gut, da gibt es keinerlei Hemmschwellen. Die gibt es aber bei Neukunden, deshalb die Trennung. Da muss dringend ein Umdenken stattfinden", sagt Manfred Küppers.

Der Küster der Evangelischen Kirchengemeinde bietet in Ausnahmefällen auch Termine außerhalb der Regelöffnungszeiten an: "Wenn Menschen in Not sind, öffnen wir unsere Schränke auch mal zwischendurch." Über mangelnden Warennachschub kann sich das Team nicht beklagen, die Alpener helfen gerne. "Wir haben gegenüber vom Pfarrheim zwei Kleidercontainer aufgestellt: einen für die Kleiderstube und einen für Bethel. Das Angebot, auf diese Weise jederzeit helfen zu können, wird sehr gut angenommen", so Küppers.

Zwar weist der überwiegende Teil der Kleiderspenden eine gute bis sehr gute Qualität auf, aber es gibt auch Ausnahmen. Küppers: "Da lagen auch schon mal dreckige Arbeitssachen drin. Wir sind keine Entsorgungsstelle. Als Faustregel gilt: Bitte nur Sachen einschmeißen, die man selber noch tragen könnte."

Aber auch wenn Schränke und Regale im Pfarrheim prall gefüllt sind, gibt es Grenzen. Pro Person werden maximal fünf Kleidungsstücke oder Schuhpaare ausgegeben. Dafür wird ein kleiner Obolus von zwei Euro je Kilogramm einbehalten. Elke S. (Name geändert) nutzt das Hilfsangebot gerne: "Wir haben drei Kinder, die wachsen schnell aus den Sachen heraus, und neue können wir uns nicht leisten. Hier gibt es eine große Auswahl in sehr guter Qualität. Ich bin den Mitarbeitern wirklich sehr dankbar."

Geben und nehmen, ein Prinzip, das gut funktioniert. Tim Scheuvens bringt einen Stapel Trainingsanzüge und Trikots zur Kleiderstube und hat ein gutes Gefühl dabei: "Ich benötige die Sachen nicht mehr und weiß, dass es Menschen gibt, die sich darüber freuen." Das gute Gefühl, Menschen zu helfen, treibt auch die Helfer an. "Wir freuen uns über jedes Lächeln und jede volle Tüte, mit der die Kunden nach Hause gehen", erzählt Susanne Bresant.

Die Kleiderstube öffnet wieder am Montag, 23. April, ab 10.30 Uhr. Weiteren Termine im Schaukasten der Kirchengemeinde und im Rathaus.

Quelle: RP
 
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