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Alpen
Haus Grünthal wird umgebaut

Alpen. Das Traditionshaus an der Straße zwischen Rheinberg und Xanten wird saniert. Der neue Wirt machte überraschende Funde. Von Erwin Kohl

Fast 200 Jahre lang wurden im traditionsreichen Haus Grünthal Gäste bewirtet. Bis in die siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts hinein war die Gaststätte ein beliebtes Ausflugziel für Menschen aus dem gesamten Ruhrgebiet. Von da an ging es jedoch schleichend bergab, bis der letzte Eigentümer schließlich vor vier Jahren den Betrieb aufgab. Nie zuvor in der Geschichte des Hauses gab es einen längeren Leerstand, und so befürchteten viele Alpener schon den bevorstehenden Abriss des Gebäudes. Dass dieses Thema endgültig vom Tisch ist, dafür hat Friedhelm Pfau gesorgt. Der Inhaber von "Fidos Steakhouse" in Drüpt hat das 7000 Quadratmeter große Anwesen im Oktober letzten Jahres erworben, um es nach einer gründlichen Modernisierung neu zu eröffnen.

Weil die Renovierungsarbeiten buchstäblich an die Substanz der alten Gemäuer gingen, trat dabei einiges zutage, was etliche Jahrzehnte im Verborgenen lag. So erlebte Pfau, der die Gaststätte vollständig barrierefrei gestalten möchte, eine erste Überraschung bei der Errichtung der behindertengerechten Toilette hinter dem Wintergarten: "Als wir den alten Putz von der Wand entfernten, trat ein zugemauertes Fenster zutage." Umfang und Lage dieses Fensters, dessen Rahmen aus alten Eichenbalken besteht, lassen den künftigen Wirt von Haus Grünthal vermuten, dass es sich um den ehemaligen Schalter der Drüpter Poststation aus dem 19. Jahrhundert handelt. Die Wand neu zu verputzen und mit Fliesen zu versehen, kam jetzt nicht mehr infrage, und so erhalten Toilettengänger demnächst einen ungehinderten Blick auf die Geschichte des Hauses. Das wird auch im Gastraum der Fall sein, denn die im Laufe der Zeit mit unzähligen Farbschichten versehenen Innentüren machten Pfau neugierig. Eine Restauration brachte schließlich das makellose Holz der alten Kassettentüren zum Vorschein. Für den Wirt war somit klar: "Diese Türen gehören zu Haus Grünthal und werden weiter verwendet." Modernisierungsmaßnahmen waren jedoch bezüglich der Wärmedämmung und Heizung notwendig. Zeitgemäße Unterflurkonvektoren sorgen künftig für ein angenehmes Raumklima und haben angesichts der Lage des Hauses an einer stark frequentierten Kreuzung einen nicht zu unterschätzenden Vorteil. "Ein warmer Luftschleier an den Wänden sorgt dafür, dass wir die Fenster nicht zum Lüften öffnen müssen. Vom Verkehrslärm bekommen meine Gäste dadurch kaum etwas mit", erklärt Friedhelm Pfau, der im Rahmen der Umbauarbeiten feststellen konnte, dass sich vor 110 Jahren schon einmal ein Wirt um eine neue Heizung gekümmert hat. Den Kamin hat dieser Wirt, vermutlich handelte es sich um Gerhard Commesmann, nämlich mit alten Zeitungen aus dem Jahre 1907 ausgefüttert. "Darin wird von einer Pferdeauktion in Krefeld oder einer Witwe in Düsseldorf berichtet. Am Niederrhein wurden damals also schon überregionale Zeitungen gelesen. Vielleicht lässt sich aus den Funden eine Collage für den Gastraum zusammenstellen", hofft der Gastronom.

Der "American Way of Life" wird wie schon in "Fidos Steakhouse" das Ambiente der Gaststätte mit den beiden Gesellschaftsräumen prägen, zu der eine Rampe vor der Eingangstür ungehinderten Zugang ermöglicht. Der große Unterschied liegt jedoch hinter dem Haus. "Der Biergarten wird das absolute Highlight", verspricht der Eigentümer. Verschlungene Wege durch den alten Baumbestand und ein in drei Bereiche aufgeteilter, etwa 2000 Quadratmeter großer Biergarten dürften im Sommer zum Anziehungspunkt zahlreicher Radtouristen vom Niederrhein werden.

Das Filetstück der neuen Außenanlage erreichen die Besucher durch die gut erhaltenen Rundbögen der ehemaligen Stallungen für Pferde und Postkutschen des Gasthofs. In dem idyllisch gelegenen Hof werden die Gäste über eine Außentheke mit kühlen Getränken versorgt. In dem angrenzenden und noch gut erhaltenen Gebäude haben früher Sportschützen ihre Wettkämpfe ausgetragen. Friedhelm Pfau nutzt den Umstand, dass dieser Ort immer noch als Sportstätte im Flächennutzungsplan registriert ist und installiert dort eine Kegelbahn. Damit die Kellner zur Versorgung der Kegler nicht zu Dauerläufern werden, soll neben der Bahn eine Art Minigaststätte eingerichtet werden.

Bis die erste Kugel geschoben werden kann, betreibt der Wirt beide Gaststätten parallel. Gäste hatte der künftige Grünthal-Wirt aber schon während der siebenmonatigen Umbauphase. "In dieser Zeit gab es hier rund 20 Einbrüche. Es gibt kaum ein Fenster oder eine Tür ohne Einbruchspuren, dabei war hier nichts zu holen", wundert sich Pfau. Die Neueröffnung von Haus Grünthal wird im Mai erfolgen, der genaue Termin wird noch bekannt gegeben.

Quelle: RP
 
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