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Rheinberg
Heimatverein ist gegen das Awo-Haus

Rheinberg. Verein sieht das geschichtliche Erbe der Stadt rund um den Pulverturm gefährdet. Weiteren "Sündenfall" vermeiden.

Jetzt mischt sich auch der Heimatverein Rheinberg in die Diskussion um das geplante Awo-Verwaltungsgebäude ein. "Laut Satzung hat es sich der Heimatverein zur Aufgabe gemacht, den Heimatgedanken, Geschichte und Brauchtum zu pflegen und für die nachfolgenden Generationen zu erhalten", teilt die erste Vorsitzende, Edeltraud Hackstein, mit. Die Einschätzung ihres Vereins: Aus geschichtlicher Sicht sei das gesamte ehemalige Burgareal in der Vergangenheit recht stiefmütterlich behandelt worden. Der kreative Heimatfreund und Mitgründer des Heimatvereins, Paul Feltes, hatte bereits vor Jahren die Idee, durch das Pflanzen von Hecken oder durch Pflastersteine als eine Rundum-Begrenzung das ehemalige Burgareal sichtbar zu machen. Auch Akteure aus dem Stadtmarketing haben sich in der Vergangenheit intensiv damit beschäftigt, den Verlauf der alten Mauern sichtbar zu machen.

Für die zukünftige Nutzung des Pulverturms wurde ein Wettbewerb für Schulklassen, Künstler und Rheinberger Bürger ausgeschrieben. Edeltraud Hackstein, die auch im Stadtmarketing aktiv ist: "Das Stadtmarketing organisierte eine beeindruckende Lichtshow im Pulverturm, die unter dem Namen ,Kopfkino im Pulverturm ' rund 200 Bürger erfreut hat und beispielhaft für zukünftige Projekte sein sollte. Außerdem wurde erst 2014 eine Schautafel erstellt, die Rheinbergern und Gästen Informationen zur ehemaligen alten Festung liefert."

Zur Freude des Heimatvereins sorge das jährlich stattfindende MAP-Festival dafür, dass das Burgareal mit Leben gefüllt werde. Hackstein: "Als Heimatverein sind wir vehement gegen eine ausgedehnte Bebauung in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Burggelände, das mit der historischen Wall- und Grabenanlage ein hochkarätiges Bodendenkmal für Rheinberg darstellt."

Schon Ute Geißler, die sich 1995 ausführlich mit der Beschreibung der Rheinberger Festungsanlagen beschäftigte, kam zu dem Ergebnis, dass durch den Bau des Schulgebäudes die Fläche des historischen Burggeländes in ihrer geschichtlichen Bedeutung entwertet wurde. "Um einem weiteren städtebaulichen ,Sündenfall' vorzubeugen und den Spuren des geschichtsträchtigen Städtchens Rheinbergs Respekt zu zollen, bittet der Heimatverein nun alle Verantwortlichen, ihren Beschluss zu überdenken und, wenn überhaupt, für eine moderate, dem geschichtsträchtigen Ort angepasste Bebauung zu sorgen", so die Vorsitzende. "Nach all den Workshops und Arbeitsgruppen zur Entwicklung Rheinbergs sollte inzwischen allen klar sein, dass wir in Zukunft weder mit dem florierenden Einzelhandel, einem Großraumkino oder einer Sportarena punkten können. Wir haben Geschichte, die zum Greifen nahe ist und die es auszubauen, zu fördern und durch Kultur und Kunst lebendig zu gestalten gilt. Wir wollen Rheinbergs Tafelsilber nicht veräußern."

(up)
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