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Rheinberg
Herbert Knebel: Hippie-Bude mit Pflegebett

Rheinberg. Das Affentheater begeisterte mit wunderbaren Ruhrpott-Nörgeleien in der ausverkauften Stadthalle. Von Heidrun Jasper

Mein Gott, Knebel: Woher nimmt der Mann nur immer wieder die Ideen? Woher weiß der Ruhrpott-Nörgler eigentlich so genau, womit er sein Publikum zum Lachen bringen kann? "Männer ohne Nerven" heißt das neue Programm, mit dem Knebel und sein Affentheater derzeit unterwegs sind. Mit viel guter alter Rockmusik und dem Trainer am Schlagzeug, Ernst Pichel am Bass und einem begnadeten Ozzy Ostermann an der Gitarre, der zwischen Hosenbund und Brustkorb deutlich zugelegt hat, die Hüften aber immer noch schwingen kann wie kein anderer.

Und das Quartett hat es auch in der ausverkauften Rheinberger Stadthalle wieder geschafft, "aus dem Korsett des Alltäglichen auszubrechen" (Knebel) und den Frauen und Männern im Publikum einen absolut vergnüglichen Abend zu bereiten, die in einem Alter sind, wo Mensch mehr Vergangenheit als Zukunft hat. "Wir tun euch jetzt rocken", versprachen die vier gleich zu Beginn und hielten sich mit vielen gecoverten Musikstücken aus den 60er bis 80er Jahren auch dran. "Wenn man immer alles nicht macht, wovon man Schiss hat, macht man irgendwann gar nix mehr", philosophierte Herbert Knebel, der sich noch gut an die alleinstehende Schallplatte in der Jukebox in der Kontaktbörse, der Eisdiele Venezia, erinnern konnte, wo man sich immer traf, damals, kurz nach dem Krieg - "dem Vietnamkrieg. Da waren wir doch alle gegen, da ham wa doch immer protestiert".

Auch Fred war dabei, der heute in einer Alten-WG wohnt. Da ist Knebel dann mal hin. "Ich hab geklingelt und gedacht: Da macht jetzt bestimmt so'n Oppa mit einem dicken Joint in der Hand die Tür auf, und im Hintergrund läuft ,Macht kaputt, was euch kaputtmacht." Und genau so war's! "Dat sah aus wie damals inne Hippie-Bude, mittendrin ein Pflegebett", stimmten die vier das Protestlied gegen die Verwahranstalten von alten Menschen an.

Knebel mit Guste im Hallenbad, beim neuen Inder umme Ecke, mit zwölf Kugeln Eis in der Hand sommertags im Schuhfachgeschäft mit heller Auslegeware, die vier beim Stadt-Land-Fluss-Spiel, bei dem ausgerechnet der von Knebel meist als dumm abgewatschte Trainer selbst beim Buchstaben X in Nullkommanix fertig war: Dem Publikum blieb kaum Zeit zum Verschnaufen. "Schau in sein Gesicht: Tränen lügen nicht", haute Herbert Knebel Ozzy Ostermann immer wieder 'was um die Ohren - und musste am eigenen Leib erfahren, dass der liebe Gott kleine Sünden sofort bestraft: Irgendwann im Laufe des Abends war Ozzy sein mobiles Haarteil verrutscht, und er sah aus wie ein Messdiener bei seinem ersten Einsatz in der Kirche. Da kam Knebel aus dem Konzept, musste immer zu seinem Gitarristen blicken und konnte sich vor Lachen kaum halten, genau wie die Frauen und Männer im Publikum.

Forever young: Mit einem Song von Bob Dylan, den er in den 60ern beim Zeltlager im Sauerland kennengelernt hat, verabschiedete sich das Affentheater - "Hauptsache, du bleibst von innen jung".

Quelle: RP
 
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