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Rheinberg
Hohe Nitratbelastung im Grundwasser

Rheinberg: Hohe Nitratbelastung im Grundwasser
Harald Gülzow vom Verein VSR-Gewässerschutz bearbeitet die Brunnenwasserproben. Insbesondere die Landwirtschaft müsse umdenken, lautet die Forderung. FOTO: VSR
Rheinberg. Viel zu hohe Nitratwerte im Grundwasser hat der Verein VSR-Gewässerschutz bei den Brunnenwasserproben festgestellt, die am 31. Mai in Rheinberg am Labormobil abgegeben worden waren.

In jeder vierten untersuchten Probe habe die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter gelegen. Insgesamt wurde bei der Untersuchung das Wasser aus 120 privat genutzten Brunnen in Rheinberg, Moers, Neukirchen-Vluyn, Rheurdt, Kamp-Lintfort und Wesel analysiert. Der in Geldern ansässige Verein kritisiert, dass Massentierhaltungen und Biogasanlagen bisher ganz legal zu einer erheblichen Belastung des Grundwassers beitrügen. "Die Nährstoffüberschüsse, die letztendlich in der Umwelt landen, lassen sich in den Betrieben mit den bisherigen Methoden nicht ausreichend erfassen", unterstreicht Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende des Vereins, der bis 2003 den Beinamen Vereins zum Schutz des Rheins und seiner Nebenflüsse hatte.

Bei der Untersuchung seien 126 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Alpsray gefunden worden. Weitere mit Nitraten stark verschmutzten Brunnen stellten die Umweltschützer auch in Millingen mit 102 Milligramm pro Liter (mg/l), in Budberg mit 89 mg/l, in Ossenberg mit 123 mg/l und in Borth mit 92 mg/l fest. Das Wasser ist wegen der Überschreitung des Grenzwertes der Trinkwasserverordnung nicht mehr zum Trinken geeignet. Besonders wichtig sei außerdem, dass derart belastetes Wasser nicht zum Befüllen eines Fischteichs genutzt werde. Es besteht die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt. Diese können beim Absterben zu einem Fischsterben führen. Beim Bewässern mit nitratbelastetem Grundwasser komme es zu einer zusätzlichen Nitratzufuhr. Diese müsse man bei der Düngung dringend beachten, damit es nicht zu einer unnötigen Nitratanreicherung in der Pflanze kommt.

Der VSR-Gewässerschutz fordert die Politiker auf, dass bei der Ausgestaltung der Stoffstrombilanz nicht die Agrarlobby, sondern die Fachleute das Sagen haben müssen. Die letzteren legten nämlich statt der rein betriebswirtschaftlichen eine umfassende Betrachtungsweise bei ihren Vorschlägen zugrunde. Bisher können die Massentierhaltungen ein Drittel der Stickstoffe als Verluste deklarieren - laut Berechnungen der Betriebsleiter werden dabei immer weniger Nährstoffe auf den Feldern aufgebracht als in der Realität. Außerdem würden Stickstoffe, die in den landwirtschaftlichen Betrieb hinein kommen und die ihn verlassen sowie deren umweltrelevanten Auswirkungen nur unvollständig erfasst.

Das soll sich 2018 für Massentierhaltungen mit einer Stoffstrombilanz ändern. Doch es bestehe von Seiten der Massentierhalter ein großer Widerstand. So wird derzeit heftig über die Ausgestaltung der Bilanzierung diskutiert.

Bürger hätten ein Recht auf sauberes Wasser. Da es für die Wasserversorger in der Zukunft immer aufwendiger werde, Wasser zu liefern, das den Grenzwert von 50 mg/l Nitrat einhält, sei damit zu rechnen, dass die Preise für Leitungswasser steigen. Umso ärgerlicher, da viele Gartenbesitzer heute wegen der starken Belastung im Brunnenwasser für viele Verwendungen im Garten Leitungswasser verwenden müssen. Umdenken sei angesagt.

www.vsrgewässerschutz.de

(up)
 
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