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Heimat erleben in Alpen
Honig ist Landschaft im Glas

Heimat erleben in Alpen: Honig ist Landschaft im Glas
Die Imker (v.l.): Christin Hegmanns, Jörg Thie, Bernhard Heuvel, Marion Krüger-Fuß und Ernst Berns. FOTO: Ostermann /Busch
Alpen. Der Bienenzuchtverein Alpen-Rheinberg-Sonsbeck kümmert sich um 220 Völker. Die 30 Imker verstehen sich zurecht als Naturschützer. Und sie machen gute Beute in der "Beute": Honig. Von Erwin Kohl

Als Speise der Götter bezeichneten die Ägypter vor mehr als 5000 Jahren den Bienenhonig. Bereits vor 7000 Jahren begannen Menschen in Zentralanatolien, gezielt Bienen zu halten. Am Niederrhein blickt man auf eine vergleichsweise junge Geschichte der Imkerei zurück. Aber immerhin: Der Bienenzuchtverein Alpen-Rheinberg-Sonsbeck 1890 besteht inzwischen seit 126 Jahren. Die 30 Vereinsmitglieder betreuen insgesamt 220 Bienenvölker, jedes dieser Völker davon zählt etwa 50.000 Bienen.

Imker sehen sich zurecht als Naturschützer. "Bei einem Spaziergang habe ich einen Schwarm Bienen an einem Weidepfahl gesehen und ihn später abgeholt. Beute und Zugang zu diesem Hobby habe ich von meinem Großvater geerbt", erzählt Ernst Berns.

FOTO: Busch, Franz-Heinrich sen. (bsen)

Als "Beute" bezeichnen Imker die Behausung der Bienen. Früher war das der traditionelle Bienenkorb. Heute handelt es sich um Holz- oder Kunststoff-Kisten mit eingeschobenen Wabenplatten, den sogenannten Magazinen. Bei einem Schwarm handelt es sich um ein Jungvolk, das flügge wird, wenn eine neue Königin schlüpft. "Das wollen wir Imker unter allen Umständen vermeiden. Denn mit einem Schwarm fehlen mir auf einen Schlag bis zu 15.000 Bienen, und die nehmen sich auch noch Futter für drei Tage mit auf die Reise", erklärt Gunter Fuß.

Um das vermeiden, greifen die Bienenzüchter zu einer List. "Wir brechen die Weisenzellen, aus denen die Königinnen schlüpfen, aus den Waben. So bleibt das Volk zusammen", erläutert Erich Zimmermann. Wichtig ist dabei der geschulte Blick eines erfahrenen Imkers. Denn allzu oft sollte er nicht störend eingreifen. "Man kann ein Bienenvolk auch totpflegen. Wenn es zu häufig gestört wird, geht die Harmonie in der Gemeinschaft verloren", erklärt Gunter Fuß.

Der Job einer Honigbiene besteht aus harter Arbeit. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang sammelt sie im Umkreis von drei Kilometern Nektar. So lebt sie im Durchschnitt auch nur 45 Tage. Zwar schlüpfen tägliche bis zu 2000 Jungbienen. Aber bevor diese ausschwärmen, werden sie zur Hausarbeit verdonnert, putzen die Waben oder sorgen sich um das Wohl der Königin. Für den Imker heißt das: Er muss ständig seinen Bestand im Auge haben.

Um sortenreinen Honig zu erhalten, setzen die Imker ihre Bienen an ganz bestimmten Standorten aus. Bienen sind "blütenstetig", das heißt, einmal im Zielgebiet angekommen - in der sogenannten Tracht -, bleiben sie in der Regel auch dort. Die Gefahr, dass sich eine Biene mal ins falsche Volk verirrt, besteht nicht. "Jedes Volk hat seinen ganz eigenen Geruch. Deshalb kommt die Biene immer wieder in ihren Stock zurück", bekräftigt Fuß.

Besonders stolz ist der Bienenzuchtverein Alpen-Rheinberg-Sonsbeck auf seinen Kastanienhonig. Denn den gibt es bundesweit nur in Alpen und einem Ort in der Pfalz. "Für diesen Honig sind mehrere hundert Kastanienbäume in einem kleinen Gebiet erforderlich. Das gibt es in Nordrhein-Westfalen nur auf der Bönninghardt", freut sich Ernst Berns. Neben dieser Rarität bieten die niederrheinischen Bienenzüchter Honig für alle Geschmäcker, und die sind bekanntlich sehr unterschiedlich. "Männer lieben den herbsüßen Waldhonig, bei Frauen ist der gemischte Frühling sehr beliebt, und für Kinder eignet sich Rapshonig, weil der nicht vom Brot fließt", erläutert Erich Zimmermann.

Imkerin Marion Krüger-Fuß hat einen besonders schmackhaften Tipp: "Einen Löffel Lindenblütenhonig in Joghurt verrühren. Das ist richtig lecker." Dass der vom Niederrhein stammt, kann man angeblich schmecken. "Man sagt nicht umsonst: Honig ist Landschaft im Glas. Der Kenner kann am Geschmack die Region erkennen, aus der der Honig stammt", behauptet Gunter Fuß. Er sieht die Natur jedenfalls mit anderen Augen, seitdem er Imker ist: "Man überlegt sich sehr genau, was man in den Garten pflanzt. Es steht immer die Überlegung obenan: Ist das auch gut für die Bienen?"

Quelle: RP
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