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Alpen
Hotel Burgschänke: Start mit Verspätung

Alpen: Hotel Burgschänke: Start mit Verspätung
Investor Hermann Janßen sowie die Pächter Wolfgang Gödeke und Frank Rieger(v.r.) gehen davon aus, dass der Hotel-Betrieb im Februar anlaufen kann. FOTO: Fischer
Alpen. Wechselnde Anforderungen an den Brandschutz haben den Investor nicht nur Zeit, sondern auch viel Geld gekostet. Von Bernfried Paus

Die Kritiker sind verstummt. Das neue Hotel an der Burgschänke fügt sich mit seiner weißen, von viel Glas durchbrochenen Front - gerahmt von einem hellgrauen Stein - bestens ein ins nachbarschaftliche Umfeld, das geprägt ist von der ältesten evangelischen Kirche der Republik. Trotz seiner zwei Vollgeschosse und dem mit verzinktem Blech verkleideten Staffelgeschoss wirkt das nicht so klotzig, wie's manche befürchtet hatten, als die Pläne bekannt wurden. Der sattgrüne Schriftzug mit dem stilisierten Baum auf der ansonsten schneeweißen Fassade wirkt freundlich und einladend. Und wenn die schieferfarbenen Balkon-Abgrenzungen - Glas ließ sich aus statischen Gründen nicht realisieren - montiert sind, ist der Blickfang an der Burgstraße stimmig.

Nur Bauherr Hermann Janßen mag sich noch nicht so recht erfreuen an dem stolzen Bauwerk, das den Alpener Ortskern unzweifelhaft weiter aufwertet. "Ich würde es nicht noch mal machen", lautet sein Fazit nach fast eineinhalb Jahren Bauzeit. Janßen vergleicht sein ehrgeiziges Projekt mit dem Berliner Flughafen. Immer neue Brandschutzauflagen hätten den Bau immer wieder durchkreuzt. Das habe nicht nur die viel Zeit gekostet, sondern vor allem auch viel Geld. Eigentlich sollte der Hotelbetrieb im November anlaufen. Doch es wird wohl Februar, bis die ersten Gäste in den Betten übernachten. Die Baukosten, so Janßen, würden um mehr als ein Drittel höher ausfallen als kalkuliert. Er geht davon aus, dass er unterm Strich bei deutlich über vier Millionen Euro landen wird. "Ein schlechtes Geschäft", bilanziert er.

"Ich bin viel zu naiv an das Projekt herangegangen", sagt der Unternehmer, der schon einige Bauten hochgezogen hat, in der Rückschau. "Das hat Nerven gekostet." Immer wieder seien neue Sicherheitsbestimmungen aufgetaucht. Der Gutachter habe jenes verlangt, der TÜV wiederum ganz was anderes. Von Transparenz könne keine Rede sein. So hätten immer wieder Änderungen vorgenommen werden müssen. Keineswegs Kleinigkeiten. "Ein Wahnsinn", findet auch Hotelier Gödeke. So wird der Tag der Abnahme einer, dem der erfahrene Bauherr bange entgegenblickt. "Man weiß ja nicht, was da noch kommen kann", sagt Janßen.

Das drückt dem Macher auf die Stimmung. Aber der künftige Gast, das kann man schon jetzt mit einiger Gewissheit sagen, darf sich auf eine Herberge freuen, in der er sich wohlfühlen kann. Die Glasfront und bodentiefe Türen zum Balkon in jedem der 37 voll klimatisierten Zimmer - davon vier absolut behindertengerecht - lassen viel Licht ins Haus - in Zimmer, Flure und den Frühstückssaal - fluten. Die Zimmer sind zwischen 20 und 30 m2 groß und haben alle ein bequemes, hell gefliestes Bad mit Dusche - spezielle Fliesenelemente aus Dubai sorgen hier für farbige Lichtspiele.

Auch bei der Möblierung legen die Hoteliers Manfred Gödecke und Frank Sieger Wert darauf, dass der Ton hell und freundlich ist. Wlan, Telefon und Fernseher mit großem Bildschirm sind selbstverständlicher Standard. Im dritten Obergeschoss sind die Zimmer etwas kleiner, dafür entschädigt ein Blick auf die Dächer des Dorfs im Grünen.

Ein Zimmer im zweiten Geschoss ist fast doppelt so groß wie all die anderen. Grund ist die Auflage, hier einen Fluchtweg anzulegen. Der hätte ein Zimmer so beschnitten, dass es allein zu klein gewesen wäre. So bekommt das Burgschänken-Hotel auch eine schicke Suite.

Aktuell wird gerade der Estrich auf die Schlangen der Bodenheizung gelegt. Ende September kommen die Möbel. Die Heiztechnik steckt im Keller neben der Tiefgarage mit 27 Stellplätzen, die von der Haagstraße aus angefahren wird. Befeuert wird das Haus klimaneutral mit Holzpellets und Sonnenkollektoren auf dem Dach. Für alle Fälle liegt auch eine Gasleitung. "Das senkt auch die Betriebskosten", so Hermann Janßen. Der Freund von Elektro-Antrieben lässt zudem Ladestationen für E-Autos und E-Fahrräder installieren.

Der Aufzug ist zwar schon eingebaut. Aber noch geht's nur über die Treppe hinauf. Küchenchef Frank Rieger muss noch beim TÜV seinen "Führerschein als Liftboy" machen, wie er scherzhaft sagt. Technik hilft: Ein Schlüsseltresor sorgt dafür, dass nachts niemand an der Rezeption sitzen muss. Der späte Gast bekommt einen Code auf sein Smartphone und kann damit sein Schlüsselkärtchen ziehen. Einen eigenen Schlüsseltresor gibt's im Notfall für die Feuerwehr.

Eigentlich ist an alles gedacht. Alles könnte gut werden. Der Flughafen in Berlin ist auch eine unendliche Geschichte mit immer neuen Überraschungen. Aber einen Unterschied, davon ist selbst Hermann Janßen nach wie vor überzeugt, gibt's dennoch: "Wir werden fertig."

Quelle: RP
 
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