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Rheinberg
Im Hospiz ist der Tod kein Thema

Rheinberg: Im Hospiz ist der Tod kein Thema
Hospizleiterin Beate Bergmann (l.) zeigt René Schneider das Buch ist mit Danksagungen. Auch Michael Korziel, Bereichsleiter Stationäre Altenhilfe, und Ulrike Wellner, Vize-Vorsitzende des Fördervereins, diskutierten mit dem SPD-Politiker. FOTO: OO
Rheinberg. SPD-Landtagsabgeordneter René Schneider hat Station im "Haus Sonnenschein" gemacht. Von Erwin Kohl

Im Sommer tourt der SPD-Landtagsabgeordnete René Schneider durch seinen Wahlkreis, um sich ein Bild vom Alltag der Menschen zu machen. Im Rahmen seiner aktuellen Tour unter dem Motto "Woran wir glauben" machte er nun Station im Hospiz "Haus Sonnenschein". Seine Vermutung, ein Hospiz müsse sehr viel mit Glauben zu tun haben, weil es hier ständig ums Diesseits und Jenseits gehe, rückte Beate Bergmann, Leiterin der Einrichtung an der Orsoyer Straße, gleich zu Beginn zurecht: "Unser Alltag hier ist von Menschlichkeit und Demut vor dem Leben bestimmt. Unsere Bewohner wünschen sich nur selten religiösen Beistand. Auch an diesem Ort ist der Tod kein Thema."

Das Leben im Hospiz, erfährt Schneider, spielt sich in Alltagsdingen ab. Die Bewohner führen ein ganz normales Leben, schlafen lange, sitzen abends vorm Fernseher und trinken dabei ein Glas Bier oder Wein, wenn ihnen danach ist. "Wenn jemand am späten Abend noch Lust auf Bratkartoffeln oder eine Pizza hat, erfüllen wir ihm diesen Wunsch", erklärte Bergmann.

"Kann man noch an einen Gott glauben, wenn man hier arbeitet?", wollte der SPD-Politiker wissen. "Glaube ist etwas ganz Persönliches. Für mich ist klar, ich kann heute bei einem Unfall ums Leben kommen, deshalb lebe ich den Augenblick. Dass Menschen krank werden und die Krankheit sie auszehrt, darf mir nichts mehr ausmachen", sagt Michael Koziel, Bereichsleiter stationäre Altenhilfe und Hospiz.

Im Laufe des Gespräches wird deutlich, dass das Bild in der Öffentlichkeit nicht viel mit dem Alltag in einem Hospiz gemein hat. "Angehörige glauben oft, die Menschen leiden hier. Das sehe ich aber nicht. Unsere Bewohner freuen sich über den duftenden Kaffee am Morgen oder das Fußballspiel am Abend", so die Erfahrung der Hospiz-Leiterin. "Wie geht man in einem Haus, in dem Menschen den letzten Abschnitt ihres Lebens verbringen, mit dem Thema Sterbehilfe um?", wollte René Schneider wissen. Für Ulrike Wellner ist das in erster Linie eine Diskussion von Gesunden, in deren Augen die Sterbehilfe eine schöne Form des Todes darstellt. Die Realität aber ist aus Sicht der Vize-Vorsitzenden des Fördervereins Hospiz eine andere: "Menschen mit einer schlimmen Diagnose hängen mit jeder Faser ihres Körpers an jedem Tag, in jeder Stunde am Leben."

Unheilbar Erkrankten das Leben so angenehm wie möglich zu gestalten, ihnen die Chance geben, sich in Ruhe zu verabschieden und mit der Familie noch mal alles zu besprechen, ist die Maxime der Hospiz-Mitarbeiter. "Es sind die vielen Stunden, in denen jemand da ist, der Antworten auf drängende Fragen geben kann. 24 Stunden am Tag für den Patienten da zu sein, das können Angehörige zu Hause nicht leisten", erklärt Beate Bergmann.

René Schneider macht sich am Sonntag, 9. August, um 11 Uhr vom Xantener Dom aus auf den Jakobsweg nach Rheinberg. Jeder darf mitgehen.

Quelle: RP
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