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Streiks bei Amazon
Mehr Lohn, aber kein Tarif

Rheinberg: Einblick in das Innere von Amazon
Rheinberg: Einblick in das Innere von Amazon FOTO: Fischer, Armin
Rheinberg. An sechs Standorten von Amazon, unter anderem dem in Rheinberg, haben Beschäftigte ihre am Donnerstag begonnenen mehrtägigen Streiks fortgesetzt. Gewerkschaftsvertreter sprechen von einem Erfolg.

Es ist der erste viertägige Streik am Standort Rheinberg. Die Gewerkschaft Verdi fordert vom Versandhändler die Unterzeichnung des Tarifvertrags für den Einzelhandel.

"Der Streik war sehr erfolgreich", sagte Silke Zimmer, bei Verdi Landesfachbereichsleiterin für den Handel. Amazon habe Kunden brieflich mitgeteilt, dass das neue FIFA-Spiel nicht rechtzeitig ausgeliefert werden könne, und stattdessen als kleine Entschädigung einen Fünf-Euro-Gutschein zur Verfügung gestellt. "So ist das bei Amazon, die Kunden warten auf ihr Spiel und die Beschäftigten auf den Tarifvertrag", so Zimmer weiter.

Zu Beginn der Streiks hatte das Unternehmen bereits Lohnerhöhungen angekündigt. Für die allermeisten Beschäftigten liegen die vorgesehenen Erhöhungen jedoch unter dem Tarifabschluss des Einzelhandels. "Das zeigt, wie notwendig die Streiks für einen Tarifvertrag sind", so Zimmer.

"Mit dem Tarifvertrag hätten die Beschäftigten nicht nur die vorenthaltenen Lohnerhöhungen, sondern auch die Zuschläge und Sonderzahlungen, die der Online-Riese seinen Beschäftigten nicht oder nicht in voller Höhe auszahlt", so die Verdi-Funktionärin. Dass Amazon überhaupt höhere Löhne zahle, sei ausschließlich auf den Druck der Streikenden zurückzuführen.

2483 Euro Bruttolohn

Gestreikt wurde außerdem an den Standorten im hessischen Bad Hersfeld, Leipzig, Graben nahe München, Werne und Koblenz. Insgesamt 2000 Beschäftigte waren beteiligt. Zwar habe Amazon die Löhne zuletzt geringfügig erhöht, teilte Verdi mit. "Die Anhebungen bleiben aber deutlich hinter der Branchenentwicklung und den Forderungen der Gewerkschafter zurück", sagte Thomas Voß, der bei der Gewerkschaft für den Versand- und Onlinehandel zuständig ist, laut Mitteilung.

Verdi fordert von Amazon, die Beschäftigten nach dem Tarifvertrag für den Versand- und Einzelhandel zu bezahlen. Im Einzelhandel seien die Entgelte zuletzt um 2,3 Prozent angehoben worden. Für das kommende Jahr sei eine weitere Steigerung um zwei Prozent vereinbart, teilte Verdi mit. Amazon bleibe hinter dieser Einigung deutlich zurück. Das Unternehmen verweigert nach Angaben der Gewerkschaft die Aufnahme von Tarifverhandlungen. Auch in Zukunft wolle man mit Streiks weiter Druck aufbauen, sagte Voß. Seit 2013 kommt es bei Amazon immer wieder zu Arbeitsniederlegungen.

Man könne auch ohne Tarifvertrag ein guter Arbeitgeber sein, teilte Amazon mit. Das durchschnittliche Brutto-Gehalt nach 24 Monaten bei Amazon betrage für die Mitarbeiter 2483 Euro pro Monat. Außerdem hätten die Beschäftigten Anspruch auf zusätzliche Leistungen wie Aktien, leistungsbezogener Boni und Sondervergütung für Überstunden.

(bp/dpa)
 
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