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Rheinberg
Integration wächst im Gemüsegarten

Rheinberg. Als erstes Projekt dieser Art in NRW entsteht an der ZUE in Orsoy ein Garten, den Helfer und Flüchtlinge bewirtschaften. Von Uwe Plien

"Einen Garten zu pflanzen heißt, an die Zukunft zu glauben", sagt ein Sprichwort. Unter diesem Motto läuft gerade in der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) des Landes in Orsoy ein landwirtschaftliches Integrationsprojekt an. Auf einer 1400 Quadratmeter großen Grünfläche sollen ehrenamtliche Helfer gemeinsam mit Flüchtlingen, die in der ZUE leben, einen Garten planen, gestalten und später auch nutzen. Es ist das erste Projekt dieser Art in Nordrhein-Westfalen.

"Wir haben einen Projektantrag gestellt, und der Bundesverband des Deutschen Roten Kreuzes hat ihn bewilligt", sagt Diana Vierschilling. Die Soziologin ist Ehrenamtskoordinatorin und hat den Antrag im Frühjahr 2016 gemeinsam mit Myriam Vittinghoff und Julia Hoffmann formuliert. Nun freut sich das Team darüber, dass das DRK den Zuschlag erteilt hat. Der Bundesverband wird 75.000 Euro überweisen.

Mit dieser Summe soll der Garten gebaut werden. Das Gelände grenzt unmittelbar an die ZUE und gehört der Investorengesellschaft IPG, die das ehemalige St.-Marien-Hospital gekauft hat.

Im Garten sollen Obst, Gemüse und Kräuter angebaut werden. Auch eine Kleintierhaltung ist vorgesehen. "Wir denken an Hühner und Kaninchen", sagt Vierschilling. Zudem sei geplant, einen "Garten der Sinne" aufzubauen - mit Barfuß- und Riechpfad. Ein naturnahes "grünes Klassenzimmer" soll die Möglichkeit eröffnen, pädagogisch zu arbeiten. "Durch die Zusammenarbeit mit der Biologin Christel Trautwig haben wir die Möglichkeit, Menschen unterschiedlicher Altersgruppen Wissen über Natur und Ökologie spielerisch zu vermitteln", erklärt die Ehrenamtskoordinatorin.

In einem Handwerksatelier wollen die Initiatoren die benötigte Ausstattung für das Gartenbauprojekt in Eigenregie anfertigen lassen - von Beeteinfassungen über Pflasterarbeiten an einem Grillplatz bis hin zum Bau von Sitzbänken. "Dazu suchen wir noch Ehrenamtliche, die Lust und Zeit haben, am Projekt mitzuwirken", sagt Vierschilling. "Denn das Projekt lebt vom Zusammenspiel aus Ehrenamt und Integration. Durch die Kooperation mit Freiwilligen und Honorarkräften schaffen wir hier die Möglichkeit, Handwerk unter fachkundiger Anleitung ähnlich wie in einem Praktikum zu betreiben."

Alles, was im Garten angebaut und geerntet wird, soll später in einer Kochgruppe zubereitet werden. Auch das gemeinsam mit Ehrenamtlichen. Diana Vierschilling: "Es handelt sich um ein Integrationsprojekt. Deshalb ist auch das Erlernen der deutschen Sprache ein wichtiger Aspekt." Ein Kochprojekt bieten die Sozialbetreuer der ZUE bereits im katholischen Pfarrheim Altes Zollhaus in Orsoy an. "Mit großem Erfolg", wie die Ehrenamtskoordinatorin versichert. "Das Angebot kommt bestens an."

Diana Vierschilling geht davon aus, dass täglich 30 bis 40 Flüchtlinge der ZUE am Garten-Projekt mitwirken können; dabei müsse man aber in Schichten vorgehen. Mit Pflasterarbeiten, dem Anlegen der Wege und anderen vorbereitenden Maßnahmen soll es schon in den nächsten Wochen losgehen. Die eigentliche Gartenarbeit soll dann im Frühjahr beginnen.

Gesucht werden nun freiwillige Helfer auch für Einzelaktionen, die sich mit Gartenbau oder Kleintierhaltung auskennen, ebenso Handwerker wie beispielsweise Pflasterer oder Tischler. Zudem wird ein Bundesfreiwilligendienstler (Bufdi) gesucht, der das Projekt begleiten soll.

Interessierte können sich ab dem 22. November mit Koordinatorin Diana Vierschilling in Verbindung setzen: per Mail unter d.vierschilling@drk-bse.de oder telefonisch unter der Nummer 02844 9057012.

Quelle: RP
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