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Rheinberg
Jazz-Stücke, die wie kleine Welten sind

Rheinberg: Jazz-Stücke, die wie kleine Welten sind
Philipp van Endert, Yonga Sun, Uli Wentzlaff-Eggebert und Matthias Goebel (v. l.) im Raum der Stille. FOTO: Herbert Mertens
Rheinberg. Mi-Jazz: Das Matthias-Goebel-Quartett begeisterte bei seinem Auftritt im "Raum der Stille" in Rheinberg seine Zuhörer. Von Uwe Plien

Wenn Matthias Goebel von "Stücken" spricht, muss man ihn korrigieren. Stücke, Kompositionen, Werke, Songs - so bezeichnet man zwar überschaubare, thematisch eingegrenzte Musikbeiträge. Aber mit seinem Jazz sprengt "Möppi" solche Dimensionen. Er kreiert kleine Welten; atmosphärisch verdichtete Klangräume; in sich abgeschlossene Erlebniszonen. Goebels Musik ist eine Klasse für sich.

Seinen Lebensmittelpunkt hat der bald 38-Jährige seit vielen Jahren in Düsseldorf, wo er ein eigenes Musik-Institut betreibt. Die Brücke in seine Heimatstadt hat er indes nicht abgebrochen. Hier ist er nach wie vor Künstlerischer Leiter der hoch gelobten Mi-Jazz-Reihe. Durch die guten Kontakte des Profi-Musikers gastieren regelmäßig Spitzenmusiker in Rheinberg. Viele Jahre in der Alten Kellnerei, seit geraumer Zeit (leider) im "Raum der Stille" im ehemaligen Konvikt. Ein Raum mit akustisch nur schwer zu ertragenden Bedingungen. Da müsste die Stadt als Eigentümerin dringend nachbessern.

Jetzt präsentierte Matthias Goebel seine eigene, neu besetzte Band. Prompt war der Saal nahezu ausverkauft. Neben "Möppi" (Vibrafon) standen Philipp van Endert (Gitarre), Yonga Sun (Drums) und der neue Kontrabassist Uli Wentzlaff-Eggebert auf der Empore. Allesamt tolle Musiker, spieltechnisch auf sehr hohem Niveau. Das Programm bestand in erster Linie aus den Titeln der beiden Goebel-CDs "Q-Train, Brooklyn Bounce" und "Places wie need ... Brahlshagen".

Stilistisch pendelten die ausschließlich von Goebel komponierten Werke zwischen zeitgemäßem Jazz und klassischen Formen, angereichert mit leichten Pop-Momenten und zuweilen weltmusikalischen Einsprengseln. Eine der schönsten Nummern war "At the end it's all about her", das mit seinen bezaubernden harmonischen Abläufen Maßstäbe setzte. Dank der flüssigen Bassläufe war auch "5 Bucks, Coffee, You & Me" ein herausragendes Stück an diesem Abend. Dass die sehr gut harmonierende Band auch das freie Spiel beherrscht, machte sie im Eröffnungsstück deutlich. "Das haben wir einfach mal ,Raum der Stille' genannt", plauderte Bandleader Goebel. Vermutlich, weil es beim Soundcheck als Improvisation entstanden war.

Ob es mit dem "Q-Train" kreuz und quer und rauf und runter durch New York ging oder in "Expecting Whales" zu den Walen in Neuseeland - immer hatte das musikalische Treiben des Quartetts Hand und Fuß, sie bedienten sich aus einem schier unerschöpflichen Kreativ-Reservoir. Akzente setzten die Soli: van Endert mit gitarristischer Extraklasse à la Pat Metheny, Goebel mit seiner Leichtigkeit und Klarheit versprühenden Vibraphon-Kunst, Sun mit Groove-Attacks, für die er mitunter nur seine Hände und zwei Sticks benötigte, Wentzlaff-Eggebert mit bassistischen Linien, die wie Tänze anmuteten, weil sie so munter und flüssig dahinplätscherten.

Mit langanhaltendem Applaus dankte das Publikum nach zweistündigem Konzert insbesondere Matthias Goebel dafür, dass er wieder einmal erstklassigen Jazz nach Rheinberg gebracht hatte.

Quelle: RP
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